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Wie der Fundamental-Check die besten Aktien findet

Fundamental-Check im Detail erklärt mit einem Stift und einem Finanzreport im Hintergrund

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Worum es in diesem Beitrag geht

Der Fundamental-Check ist ein Bewertungsmodell, das dir dabei hilft, fundamental äußerst attraktive Aktien ausfindig zu machen. Mithilfe von Kennzahlen zur Rentabilität, Bewertung, Verschuldung und dem Wachstum eines Unternehmens beziehungsweise einer Aktie wird beim Aktienkönig-Fundamental-Check beurteilt, wie attraktiv eine Aktie ist.

Zunächst erkläre ich dir, wie die Aktien im Fundamental-Check bewertet werden. Anschließend gehe ich darauf ein, wieso es sich überhaupt lohnt in fundamental gut bewertete Aktien zu investieren. Im Anschluss stelle ich dir die einzelnen Kennzahlen des Fundamental-Checks ausführlich vor. Die Berechnung gehen wir anhand konkreter Beispiele durch. Abschließend erfährst du noch, wie du den Fundamental-Check in der Praxis einsetzen kannst, um erfolgreich in Aktien zu investieren.

1. Zielsetzung des Fundamental-Checks

Der Fundamental-Check ist das ideale Bewertungsmodell für Aktien, wenn du nach fundamental solide aufgestellten Unternehmen suchst. Hierbei geht es allerdings nicht darum die Aktien zu finden, die am günstigsten bewertet sind. Vielmehr werden verschiede Aspekte der fundamentalen Aktienbewertung abgedeckt. Daher umfasst der Fundamental-Check auch gleich 15 Kennzahlen zur Aktienbewertung.

Der Aktienkönig-Fundamental-Check ist ein Modell, mit dem du eine einfache Aktienbewertung auf Basis eines klaren Bewertungsrahmens vornehmen kannst. Ziel ist es, Aktien zu finden, die hinsichtlich ihrer Rentabilität, Bewertung, Wachstum und weiteren fundamentalen Kriterien durchweg überzeugen können. Diese Aktien sind in der Lage künftig eine höhere Rendite zu erzielen.

Die Aussagekraft eines Aktien-Bewertungsmodells lässt sich mithilfe von Backtests analysieren. In Kürze veröffentliche ich hierzu auch einen Beitrag mit einer ausführlichen Vorstellung der Backtestergebnisse des Fundamental-Checks.

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2. Wie werden Aktien im Fundamental-Check bewertet?

Der Fundamental-Check wertet insgesamt 15 Kennzahlen aus. Hierbei kommen verschiedene Arten fundamentaler Kennzahlen zum Einsatz. Dazu gehören unter anderem Rentabilitätskennzahlen wie die Eigenkapitalrendite, Bewertungskennzahlen wie das KGV oder auch Wachstumskennzahlen wie das Gewinnwachstum. Eine umfassende fundamentale Bewertung erhalten wir nur, wenn all diese Arten von Kennzahlen in einem Bewertungsmodell abgedeckt werden. Das ist auch der Grund, weshalb im Fundamental-Check 15 Kennzahlen ausgewertet werden.

Für jede Kennzahl gibt es einen Richtwert, den die Aktie erfüllen muss, damit sie einen Punkt erhält. Je mehr Kriterien eine Aktie besteht, desto mehr Punkte erzielt sie im Fundamental-Check. Besteht eine Aktie alle Kriterien erhält sie folglich die Maximalpunktzahl von 15 Punkten.

3. Welche Kennzahlen kommen im Fundamental-Check zum Einsatz?

In diesem Abschnitt stelle ich dir die 15 einzelnen Kennzahlen vor, die der Fundamental-Check abdeckt. Außerdem gehe ich bei jeder Kennzahl auf das Kriterium ein, das eine Aktie erfüllen muss, damit sie einen Punkt erhält.

Damit die Berechnungen einfach zu verstehen sind, stelle ich dir die Berechnung aller Kennzahlen am Beispiel von Visa vor. Die Aktualität der Daten für die Beispiele bezieht sich auf Mitte Dezember 2023.

3.1. Eigenkapitalrendite (ROE)

Die erste Kennzahl im Fundamental-Check ist die Eigenkapitalrendite, im Englischen auch als Return on Equity (kurz ROE) bezeichnet. Die Eigenkapitalrendite berechnet sich, indem der Jahresüberschuss durch das Eigenkapital dividiert wird.

Formel zur Berechnung der Eigenkapitalrendite

Damit eine Aktie bei der Eigenkapitalrendite einen Punkt erhält, muss ihre Eigenkapitalrendite größer sein als 15%.

Wie gesagt gehen ich die Berechnung der einzelnen Kennzahlen mit dir am Beispiel von Visa durch. Visa hat in den letzten zwölf Monaten einen Jahresüberschuss von 16.990 Millionen USD erwirtschaftet. Das Eigenkapital beläuft sich auf 38.733 Millionen USD. Eingesetzt in die Formel ergibt sich daraus eine Eigenkapitalrendite von 43,9%. Die Eigenkapitalrendite von Visa liegt deutlich über der Vorgabe von 15%, daher erhält die Aktie den ersten Punkt.

3.2. Gesamtkapitalrendite (ROA)

Die Gesamtkapitalrendite stellt zur Eigenkapitalrendite eine sehr gute Ergänzung dar. Die Eigenkapitalrendite kann nämlich auch relativ hoch ausfallen, wenn das Eigenkapital im Verhältnis zum Gesamtkapital gering ist. Die Gesamtkapitalrendite wird im Englischen auch als Return on Assets (kurz ROA) bezeichnet.

Gemeinsam mit der Eigenkapitalrendite lässt sich mit der Gesamtkapitalrendite also eine sehr gute Aussage über die Rentabilität eines Unternehmens treffen. Die Gesamtkapitalrendite berechnet sich, indem der Jahresüberschuss zuzüglich gezahlter Fremdkapitalzinsen durch das Gesamtkapital dividiert wird. Das Gesamtkapital entspricht der Bilanzsumme eines Unternehmens.

Formel zur Berechnung der Gesamtkapitalrendite

Eine Aktie erhält einen Punkt, wenn ihre Gesamtkapitalrendite mindestens 5% beträgt.

Visa hat wie eben bereits gesehen einen Jahresüberschuss von 16.990 Millionen USD erzielt. Hierzu wird nun noch der Zinsaufwand von 644 Millionen USD addiert. Die Summe von 17.634 Millionen USD wird nun durch das Gesamtkapital von 90.499 Millionen USD dividiert. Daraus ergibt sich eine Gesamtkapitalrendite von 19,5%. Damit erhält Visa auch für die Gesamtkapitalrendite ganz klar einen Punkt.

3.3. Eigenkapitalquote

Wie eben bereits erwähnt, ist die Höhe der Eigenkapitalrendite auch von der Art der Finanzierung abhängig. Setzt ein Unternehmen wenig Eigenkapital, dafür aber viel Fremdkapital ein, fällt die Eigenkapitalrendite meist höher aus. In diesem Zusammenhang wollen wir auch prüfen, dass die Eigenkapitalquote hoch genug ist und das Unternehmen solide finanziert ist. Die Eigenkapitalquote ergibt sich, indem das Eigenkapital durch das Gesamtkapital, also die Bilanzsumme, dividiert wird.

Formel zur Berechnung der Eigenkapitalquote

Eine Aktie erhält einen Punkt, wenn ihre Eigenkapitalquote mindestens 30% beträgt.

Das Eigenkapital von Visa beläuft sich auf 38.733 Millionen USD, während das Gesamtkapital auf 90.499 Millionen USD kommt. Daraus ergibt sich eine Eigenkapitalquote von 42,8%. Auch hier erhält Visa also einen Punkt.

3.4. Gewinn aktuell

Die Kennzahl „Gewinn aktuell“ stellt sicher, dass das Unternehmen auf Sicht der letzten zwölf Monate einen Gewinn erzielt hat. Zwar erfüllen die meisten Unternehmen das Kriterium, dass sie zuletzt einen Gewinn erzielen konnten. Allerdings ist es für den Fundamental-Check unerlässlich diese vermeintlich selbstverständliche Kriterium auch zu prüfen.

Eine Aktie erhält einen Punkt, wenn ihr Gewinn in den letzten zwölf Monaten zuletzt positiv war.

Wie du bereits gesehen hast, hat Visa in den letzten zwölf Monaten einen Jahresüberschuss von 16.990 Mio. USD erwirtschaftet. Somit erhält Visa einen weiteren Punkt.

3.5. Dividendenrendite

Die Dividendenrendite gehört sicherlich zu den am häufigsten betrachteten Kennzahlen bei der Aktienbewertung. Für sich allein betrachtet ist die Dividendenrendite zur Aktienbewertung allerdings weniger geeignet. Erst in Kombination mit weiteren Kennzahlen macht es Sinn die Dividendenrendite genauer zu analysieren.

Die Dividendenrendite berechnet sich, indem die zuletzt ausgeschüttete Dividende durch den aktuellen Aktienkurs dividiert wird. Beachte bitte, dass viele Unternehmen ihre Dividende nicht einmal im Jahr, sondern häufig vierteljährlich ausschütten (in den USA ist das der Regelfall). Als Dividendenzahlung wird stets die Dividende der letzten zwölf Monate betrachtet.

Formel zur Berechnung der Dividendenrendite

Eine Aktie erhält einen Punkt, wenn ihre Dividendenrendite über 1% liegt.

Du magst dir nun vielleicht denken, dass das eine sehr niedrige Vorgabe ist. Diese Prüfung soll lediglich sicherstellen, dass eine moderate Dividende gezahlt wird. Beim Fundamental-Check geht es keinesfalls darum Aktien mit einer besonders hohen Dividendenrendite zu finden.

Interessierst du dich besonders für Dividenden-Aktien, schau auch mal in den Dividenden-Check.

Auf Sicht der letzten zwölf Monate hat Visa eine Dividende von 1,80 USD je Aktie gezahlt. Aktuell notiert die Aktie bei 240 USD. Daraus ergibt sich eine Dividendenrendite von 0,8%. Damit Visa einen Punkt erhält, müsste die Dividendenrendite über 1% liegen. Da das aktuell nicht der Fall ist, kann für die Dividendenrendite für Visa kein Punkt vergeben weden.

3.6. EBIT / Verschuldung

Die Kennzahl EBIT / Verschuldung sagt bereits im Namen aus, wie sie sich berechnet. Hierfür wird das EBIT durch die Verschuldung dividiert. EBIT steht für Earnings Before Interests and Taxes und entspricht dem Gewinn vor Abzug der Zinsen und Steuern. Als Verschuldung werden nur zinspflichtige Schulden betrachtet. Kurzfristige Verbindlichkeiten (beispielsweise an Lieferanten) bleiben somit außen vor.

Indem eine Gewinngröße ins Verhältnis zur Verschuldung gesetzt wird, erhalten wir eine Auskunft darüber, ob ein Unternehmen in der Lage wäre, seine Schulden schnell mithilfe der erzielten Gewinne zu tilgen.

Formel zur Berechnung des Verhältnisses aus EBIT zu Schulden

Eine Aktie erhält einen Punkt, wenn das Verhältnis aus EBIT zur Verschuldung mindestens 30% beträgt.

Das EBIT für Visa liegt aktuell bei 22.172 Millionen USD. Die zinspflichtigen Schulden belaufen sich auf 20.463 Millionen USD. Daraus ergibt sich ein Verhältnis von 108,4%. Die Vorgabe von 30% erfüllt Visa mit Leichtigkeit und erhält einen weiteren Punkt.

3.7. Börsenwert / Verschuldung

Nachdem eben das EBIT ins Verhältnis zur Verschuldung gesetzt wurde, machen wir dasselbe nun mit dem Börsenwert. Auch diese Kennzahl liefert neue Erkenntnisse, weil klar wird, wie gut der Wert des Unternehmens die Schulden abdeckt. Fällt der Börsenwert im Verhältnis zu den Schulden gering aus, ist das ein deutliches Warnzeichen. Der Börsenwert entspricht der Marktkapitalisierung eines Unternehmens. Die Verschuldung umfasst wie eben bereits erwähnt alle zinspflichtigen Schulden.

Formel zur Berechnung des Verhältnis aus Marktkapitalisierung zu Schulden

Eine Aktie erhält einen Punkt, wenn ihre Marktkapitalisierung mindestens 4 mal so hoch ist wie die Verschuldung.

Visa kommt aktuell auf eine Marktkapitalisierung von 521.716 Millionen USD. Die zinspflichtigen Schulden belaufen sich auf 20.463 Millionen USD. Die Markakpitalisierung entspricht also dem 25,5-fachen der Schulden. Die Vorgabe von mindestens einer 4-fachen Marktkapitalisierung erfüllt Visa mit Leichtigkeit und erhält einen weiteren Punkt.

3.8. Nettomarge

Als nächste Kategorie von Kennzahlen folgen Margen. Margen lassen sich berechnen, indem eine Gewinngröße ins Verhältnis zum Umsatz gesetzt wird. Die erste Marge im Fundamental-Check ist die Nettomarge. Für die Nettomarge wird der Jahresüberschuss (auch als Net Income bezeichnet) durch den Umsatz dividiert.

Formel zur Berechnung der Nettomarge

Eine Aktie erhält einen Punkt, wenn ihre Nettomarge mindestens 10% beträgt.

Der Jahresüberschuss von Visa in den letzten zwölf Monaten betrug 16.990 Millionen USD. Im selben Zeitraum wurde ein Umsatz von 32.653 Millionen USD erwirtschaftet. Die Nettomarge liegt bei 52,0% und damit deutlich über der Vorgabe von 10%. Somit erhält Visa für die Nettomarge einen weiteren Punkt.

3.9. Bruttomarge

Während die Nettomarge als Gewinngröße den Jahresüberschuss (der sich nach Abzug aller Kosten ergibt) betrachtet, bezieht sich die Bruttomarge auf das Bruttoergebnis. Das Bruttoergebnis wird im Englischen auch als Gross Income bezeichnet. Daher ist häufig auch die Rede von der Gross Margin. Das Bruttoergebnis ergibt sich, indem vom Umsatz die Herstellungskosten abgezogen werden. Die Bruttomarge kannst du berechnen, indem das Bruttoergebnis durch den Umsatz dividiert wird.

Formel zur Berechnung der Bruttomarge

Eine Aktie erhält einen Punkt, wenn ihre Bruttomarge mindestens 30% beträgt.

Das Bruttoergebnis von Visa beläuft sich auf 26.086 Millionen USD. Der Umsatz beträgt wie eben bereits erwähnt 32.653 Millionen USD. Daraus ergibt sich eine Bruttomarge von 79,9%. Auch für die Bruttomarge erhält Visa daher einen Punkt.

3.10. KGV (Kurs-Gewinn-Verhältnis)

Nun befinden wir uns im Bereich der Bewertungskennzahlen. Bei den Bewertungskennzahlen wird immer ein Vergleich mit der Marktkapitalisierung des Unternehmens (also dem Börsenwert) hergestellt. Das KGV (Kurs-Gewinn-Verhältnis) berechnet sich, indem die Marktkapitalisierung durch den Gewinn (den Jahresüberschuss) dividiert wird.

Formel zur Berechnung des KGV (Kurs-Gewinn-Verhältnis)

Beim KGV sind niedrige Werte besser, da die Gewinne im Verhältnis zur Bewertung am Markt dann verhältnismäßig hoch sind. Die Bewertungen an der Börse können abhängig von der aktuellen Marktsituation aber sehr unterschiedlich sein. Befinden sich die Märkte in einem Bullenmarkt, weisen die Aktien höhere Bewertungen auf, als wenn sich die Börsen gerade in einem Bärenmarkt befinden.

Das Kriterium, ob eine Aktie einen Punkt erhält, orientiert sich beim KGV daher am Gesamtmarkt und bezieht das Index-KGV in die Betrachtung mit ein. Das KGV eines Index erhältst du, indem die Summe der Marktkapitalisierung aller im Index enthaltenen Unternehmen durch die Summe der Gewinne aller im Index befindlichen Unternehmen dividiert wird.

Eine Aktie erhält einen Punkt, wenn ihr KGV maximal doppelt so hoch ist wie das des Index. Welcher Index für den Vergleich relevant ist, ist davon abhängig in welchem Land die Aktie an der Börse notiert ist.

  • Für Aktien aus Deutschland ist das DAX-KGV relevant
  • Für Aktien aus Europa wird das KGV vom Stoxx600 betrachtet
  • Für Aktien aus den USA wird das KGV vom S&P 500 herangezogen

Vielleicht wunderst du dich, weshalb es bereits ausreicht, dass das KGV der Aktie doppelt so hoch sein darf wie das des Index, damit eine Aktie einen Punkt erhält. Grund dafür ist, dass es nicht zielführend ist nach besonders günstigen Aktien Ausschau zu halten. Dazu veröffentliche ich in Kürze einen Artikel. Dort thematisiere ich, wieso Aktien mit einem besonders niedrigen KGV kein gutes Investment sind.

Durch die Hinzunahme von Bewertungskennzahlen im Fundamental-Check soll lediglich sichergestellt werden, dass eine Aktie keine massive Überbewertung aufweist. Daher darf das KGV einer Aktie doppelt so hoch sein wie das des Index.

Mit einer Marktkapitalisierung von 521.716 Millionen USD und einem Jahresüberschuss von 16.990 Millionen USD kommt Visa aktuell auf ein KGV von 30,7. Das Index-KGV des S&P 500 liegt bei 23,5. Da das KGV von Visa unter dem 2-fachen des Index liegt (47,0), erhält Visa beim KGV einen Punkt.

3.11. KUV (Kurs-Umsatz-Verhältnis)

Die zweite Bewertungskennzahl im Fundamental-Check ist das KUV (Kurs-Umsatz-Verhältnis). Gerade in Kombination mit dem KGV ist das KUV eine sehr gute Bewertungskennzahl. Das KUV berechnet sich, indem die Marktkapitalisierung durch den Umsatz dividiert wird.

Allgemein wird behauptet, dass eine Aktie mit einem KUV von weniger als 1 günstig ist. Auch hierzu erscheint demnächst ein Artikel, in dem ich dir zeige, dass Aktien mit einem KUV von weniger als 1 nicht überzeugen können.

Formel zur Berechnung des KUV (Kurs-Umsatz-Verhältnis)

Wie auch schon beim KGV bietet sich beim KUV ein Vergleich mit dem Index an. Eine Aktie erhält einen Punkt, wenn ihr KUV maximal doppelt so hoch ist wie das des Index.

Visa weist aktuell eine Marktkapitalisierung von 521.716 Millionen USD auf, der Umsatz lag zuletzt bei 32.653 Millionen USD. Daraus ergibt sich ein KUV von 16,0. Das KUV des S&P 500 liegt aktuell bei 2,7. Damit ist Visa nach dem KUV sehr hoch bewertet, folglich kann hier kein Punkt vergeben werden.

3.12. Umsatzwachstum 5 Jahre

In den folgenden vier Kennzahlen beschäftigen wir uns mit Wachstumskennzahlen. Als erste Wachstumskennzahl im Fundamental-Check wird das Umsatzwachstum über die letzten fünf Jahre betrachtet. Das Umsatzwachstum über die letzten fünf Jahre wird berechnet, indem der Umsatz des aktuellen Geschäftsjahres ins Verhältnis zu dem von vor fünf Jahren gesetzt wird. Um auf das durchschnittliche Jährliche Umsatzwachstum zu kommen, muss das Ergebnis noch mit 1/5 potenziert werden.

Eine Aktie erhält einen Punkt, wenn ihr durchschnittliches jährliches Umsatzwachstum mindestens 2% beträgt.

Formel zur Berechnung des Umsatzwachstums über die letzten 5 Jahre

Aktuell liegt der Umsatz von Visa bei 32.653 Millionen USD. Vor fünf Jahren lag der Umsatz bei 20.609 Millionen USD. Das Umsatzwachstum über fünf Jahre beträgt 58,4%. Aufs Jahr runtergebrochen entspricht das einem jährlichen Umsatzwachstum von 9,6%. Das geforderte Wachstum von 2% pro Jahr kann Visa locker erfüllen und erhält hierfür einen weiteren Punkt.

3.13. Gewinnwachstum 5 Jahre

Neben dem Umsatzwachstum wird im Fundamental-Check natürlich noch das Gewinnwachstum ausgewertet. Auch hier wird das Wachstum über die letzten fünf Jahre betrachtet. Die Berechnung ist identisch mit dem Umsatzwachstum, nur dass statt dem Umsatz der Jahresüberschuss betrachtet wird.

Formel zur Berechnung des Gewinnwachstums über die letzten 5 Jahre

Eine Aktie erhält einen Punkt, wenn ihr durchschnittliches jährliches Gewinnwachstum über die letzten fünf Jahre mindestens 2% beträgt.

Aktuell beträgt der Gewinn von Visa 16.990 Millionen USD. Vor fünf Jahren lag der Gewinn bei 9.940 Millionen USD. Das Gewinnwachstum in dieser Zeit beläuft sich auf 70,9%. Aufs Jahr gesehen entspricht das einem jährlichen Gewinnwachstum von 11,3%. Auch hier erfüllt Visa die Vorgabe von 2% deutlich und erhält somit einen weiteren Punkt.

3.14. Stabilität Umsatzwachstum 5 Jahre

Beim Umsatzwachstum kommt es im Fundamental-Check nicht nur auf das tatsächliche Wachstum an, sondern auch wie konstant dieses erzielt wurde. Hierfür wird die Stabilität des Umsatzwachstums über die letzten fünf Jahre berechnet. Genauer gesagt werden hierfür die letzten 20 Quartale jeweils mit dem Umsatz der vorherigen zwölf Monate betrachtet. Die Rede ist hier auch vom TTM-Umsatz (TTM steht für trailing twelf months, also die letzten zwölf Monate).

Wir haben also einmal eine Datenreihe mit dem Umsatz der letzten 20 Quartale. Nun wird noch eine zweite Datenreihe mit den Quartalen gebildet. Diese läuft einfach von 1 bis 20. Zwischen diesen beiden Datenreihen wird nun die Korrelation berechnet. Eine perfekte Korrelation würde vorliegen, wenn der Umsatz von einem Quartal aufs andere immer gleich stark wächst.

Die händische Berechnung der Korrelation ist sehr aufwendig, daher macht es wenig Sinn diese Berechnung hier durchzugehen. Möchtest du die Korrelation zwischen zwei Datenreihen berechnen, kannst du hierfür einfach die Funktion KORREL in Excel benutzen.

Das Ergebnis ist der Korrelationskoeffizient. Dieser kann zwischen -1 und +1 beziehungsweise zwischen -100% und +100% liegen. Bei einer Korrelation von +1 liegt eine perfekte Korrelation vor. Ein Korrelationskoeffizient von -1 beschreibt hingegen eine perfekte negative Korrelation.

Bei der Kennzahl „Stabilität Umsatzwachstum“ ist ein hoher Korrelationskoeffizient gut. Dieser zeigt an, dass die Umsätze über den Zeitverlauf mit einer starken Kontinuität gewachsen sind und nur geringe Schwankungen verzeichnet haben.

Eine Aktie erhält einen Punkt, wenn ihr Korrelationskoeffizient beim Umsatzwachstum über fünf Jahre mindestens 80% beziehungsweise 0,8 beträgt.

Die Berechnung der Stabilität des Umsatzwachstums ist nur mit Excel (oder ähnlichen Programmen) möglich und kann daher nicht anhand einer einfachen Formel dargestellt werden. Wir betrachten an dieser Stelle nur das Ergebnis und stellen fest, dass Visa eine Stabilität beim Umsatzwachstum von 88,5% aufweist und somit einen weiteren Punkt erhält.

3.15. Stabilität Gewinnwachstum 5 Jahre

Da neben dem Umsatzwachstum auch das Gewinnwachstum betrachtet wurde, wollen wir nun natürlich auch noch die Stabilität des Gewinnwachstums über fünf Jahre berechnen. Die Berechnung ist identisch mit der Berechnung der Stabilität des Umsatzwachstums, nur dass statt dem Umsatz der Jahresüberschuss betrachtet wird.

Da die Gewinne für gewöhnlich stärker schwanken als die Umsätze, fällt der Korrelationskoeffizient bei der Stabilität des Gewinnwachstums meist niedriger aus als bei der Stabilität des Umsatzwachstums.

Eine Aktie erhält einen Punkt, wenn ihr Korrelationskoeffizient beim Gewinnwachstum über fünf Jahre mindestens 50% beziehungsweise 0,5 beträgt.

Wir schauen hier auch gleich wieder auf das Ergebnis. Visa weist aktuell eine Stabilität beim Gewinnwachstum von 84,3% auf. Auch damit erzielt die Aktie wieder locker einen Punkt.

4. Das Ergebnis vom Fundamental-Check

Für jede der 15 Kennzahlen weißt du nun, wie bestimmt wird, ob eine Aktie für die jeweilige Kennzahl einen Punkt bekommt oder nicht. Im letzten Schritt muss nun nur noch die Summe über die einzelnen Kennzahlen gebildet werden. Besteht eine Aktie alle 15 Kriterien, erreicht sie die im Fundamental-Check mögliche Maximalpunktzahl von 15 Punkten.

Visa hat bei 13 von 15 Kennzahlen das jeweilige Kriterium erfüllt und einen Punkt erhalten. Damit kommt Visa im Fundamental-Check auf 13 Punkte.

4.1. Wann ist eine Aktie kaufenswert?

Eine Aktie kann höchstens 15 Punkte im Fundamental-Check erreichen. Das bedeutet aber nicht, dass sie genau diese 15 Punkte erreichen muss, um fundamental betrachtet attraktiv zu sein. Bei derart vielen Kriterien wird ohnehin nur ein Bruchteil der Aktien 15 Punkte erreichen. Würdest du ausschließlich nach Aktien mit 15 Punkten im Fundamental-Check suchen, wäre die Auswahl viel zu gering, um Investmententscheidungen treffen zu können.

Es reicht bereits aus, wenn eine Aktie 13 oder mehr Punkte im Fundamental-Check erzielt hat. In diesem Fall wird die Aktie als fundamental äußerst attraktiv bewertet.

Dass es durchaus lohnenswert sein kann, Aktien mit einer hohen Punktzahl im Fundamental-Check zu kaufen, zeigen auch die Backtests zum Fundamental-Check. Wie eingangs bereits erwähnt erscheint der zugehörige Artikel hierzu in Kürze.

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4.2. Warnsignale beim Fundamental-Check

Der Fundamental-Check hilft dir aber nicht nur dabei zu beurteilen, ob es sich lohnt in eine Aktie zu investieren. Du kannst hier auch Warnsignale für einzelne Aktien erhalten. Hast du beispielsweise aktuell eine Aktie als potenziellen Investmentkandidaten ausfindig gemacht, siehst aber, dass sie nur zwei Punkte im Fundamental-Check erhalten hat, solltest du äußerst vorsichtig sein.

Erreicht eine Aktie im Fundamental-Check drei Punkte oder weniger, gilt sie als unattraktiv. Diese Aktien erzielen künftig häufig eine niedrigere Rendite. In Einzelfällen kann es natürlich vorkommen, dass du mit solch einer Aktie trotzdem mal Glück hast und eine zufriedenstellende Rendite erzielst. Die Wahrscheinlichkeit ist allerdings gering und in diesem Fall handelt es sich wirklich um pures Glück.

4.3. Fundamental-Check in der Praxis einsetzen

Nun weißt du, wie du das Ergebnis des Fundamental-Checks interpretieren kannst. Wichtig ist jetzt noch zu wissen, wie du die Erkenntnisse in der Praxis umsetzen kannst.

Aktien mit einer Punktzahl von 13 oder mehr Punkten im Fundamental-Check gelten als fundamental äußerst attraktive Aktien, mit den du künftig wahrscheinlich eine hohe Rendite erzielen kannst.

Trotzdem solltest du eine Aktie nicht blind kaufen, nur weil sie im Fundamental-Check sehr gut abgeschnitten hat. Vielmehr solltest du dieses Ergebnis als Ausgangspunkt für weitere Analysen heranziehen. Zunächst musst du die Frage klären, ob die Aktie überhaupt zu deiner Strategie und deinem Depot passt. Das bedeutet auch, dass du verstehst, wie das Geschäftsmodell des Unternehmens aussieht und wie das Unternehmen sein Geld verdient.

Solltest du dich dazu entschließen eine starke Aktie aus dem Fundamental-Check zu kaufen, ist natürlich die Frage, wie du die Position anschließend verwaltest. Solange die Punktzahl für die Aktie im Fundamental-Check hoch genug ist und du von der Aktie bzw. dem Unternehmen überzeugt bist, kannst du die Aktie halten.

Beachte aber, dass eine heute aufgestellte Analyse natürlich nicht für immer gültig ist. Bewertungen verändern sich kontinuierlich und so kann eine Aktie in einigen Monaten auch auf eine andere Punktzahl im Fundamental-Check kommen. Dass die Punktzahl bereits nach einigen Monaten stark von der damaligen Analyse abweicht, ist sehr unwahrscheinlich. Nach zwei oder drei Jahren kann das aber schon anders aussehen. Sollte eine Aktie in deinem Depot mit der Zeit eine deutlich niedriger Punktzahl im Fundamental-Check aufweisen, könnte ein Verkauf erforderlich werden. Du solltest auf jeden Fall für dich persönlich die Frage klären, ob du von dem Unternehmen noch überzeugt bist.

5. Für wen sind fundamental starke Aktien geeignet?

Aktien, die eine hohe Punktzahl im Fundamental-Check erreichen, sind auf jeden Fall als aussichtsreich einzustufen. Dennoch sind solche Aktien nicht für jeden Investor geeignet. Legst du bei deinen Investments Wert darauf in solide und langfristig erfolgreiche Unternehmen zu investieren, die fundamental sehr gesund aufgestellt sind, lohnt es sich für dich auf jeden Fall den Fundamental-Check eines Unternehmens genauer zu betrachten.

Bist du hingegen ein Trend-Investor, der gerne in Aktien mit starken Aufwärtstrends investiert, ist der Fundamental-Check für dich vielleicht weniger geeignet. Auch wenn du überzeugter Dividenden-Investor bist und hohe Dividendenrenditen für dich eine wichtige Rolle spielen, solltest du dich nicht ausschließlich am Fundamental-Check orientieren.

Beachte außerdem, dass ein fundamental stark aufgestelltes Depot immer aus einer Vielzahl von Aktien bestehen sollte. Es bringt dir wenig in nur zwei oder drei Aktien mit 15 Punkten im Fundamental-Check zu investieren. Stattdessen solltest du deine Suche ausweiten und auch schon Aktien mit 13 Punkten im Fundamental-Check genauer betrachten. So kannst du nach und nach ein gut diversifiziertes und fundamental starkes Depot aufbauen.

6. Fazit: Mit klaren Regeln die fundamental stärksten Aktien finden

Der Fundamental-Check zeigt dir an, wie attraktiv eine Aktie aus fundamentaler Sicht ist. Um eine Aktie nach dem Fundamental-Check bewerten zu können, werden verschiedene fundamentale Kennzahlen betrachtet. Hierzu gehören Kennzahlen aus dem Bereich der Rentabilität, der Bewertung, der Verschuldung aber auch Wachstumskennzahlen. Für jede Kennzahl wird geprüft, ob die Aktie das jeweilige Kriterium erfüllt oder nicht und entsprechend Punkte vergeben.

Bei insgesamt 15 Kennzahlen wäre es aber viel verlangt, wenn eine Aktie alle Kriterien bestehen muss. Nach dem Fundamental-Check gilt eine Aktie bereits dann als fundamental äußerst attraktiv und aussichtsreich, wenn sie mindestens 13 Punkte erreicht. Diese Aktie tendieren dazu künftig eine höhere Rendite zu erzielen.

Der Fundamental-Check ist also das perfekte Hilfsmittel, wenn du Aktien nach einem klaren Regelwerk fundamental bewerten möchtest. Du solltest eine Aktie nur abhängig vom Ergebnis aus dem Fundamental-Check aber keinesfalls blind kaufen. Stattdessen solltest du dich vor dem Kauf noch einmal ausführlicher mit dem Unternehmen beziehungsweise der Aktie auseinandersetzen.