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Markteinschätzung September

Titelbild zur Markteinschätzung September

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Ziel der Markteinschätzung September

In diesem Beitrag möchte ich dir meine Markteinschätzung für die Aktienmärkte für den September vorstellen. Zunächst werfen wir aber einen Blick auf die Performance der letzten Wochen und Monate. Anschließend untersuche ich mit dir in der Chartanalyse für die wichtigsten Indizes auf welche Kursniveaus es jetzt ankommt. Ein besonderer Fokus liegt in dieser Ausgabe auf den Notenbanken. Ziel der Markteinschätzung ist, dass du weißt, was du in den nächsten Wochen am Aktienmarkt erwarten kannst.

Performance-Rückblick

Index-Heatmap

Wie bereits der Juli, verlief auch der August deutlich spektakulärer, als es der Blick auf die Heatmap der Monatsrenditen vermuten ließe. Vor allem der Mini-Crash Anfang August hat die Aktienmärkte kurzzeitig in Panik versetzt, dazu aber später mehr.

Die Monatsrenditen der einzelnen Indizes weisen für den August keine großen Überraschungen auf. Der DAX beendet den Monat mit einem Gewinn von +2,2% und liegt damit in etwa gleich auf mit dem S&P 500 (+2,3%). Die Technologieaktien des Nasdaq100 performten mit +1,1% nicht ganz so stark. Mit Blick auf Europa schneidet der DAX vergleichsweise gut ab. Der Stoxx600 legte um nur +1,3% zu und auch die einzelnen europäischen Indizes (z. B. CAC40, StoxxNordic oder FTSE100) weisen geringere Renditen auf.

In Asien sehen wir ein gemischtes Bild. Vor allem der japanische Aktienmarkt ist zu Monatsbeginn mit einem Verlust von über -10% besonders unter Druck geraten, konnte sich davon aber auch wieder schnell erholen. Am Ende steht beim Nikkei dennoch ein Verlust von -1,2%. Weiterhin wenig überzeugend ist der Shanghai Composite (-3,3%). Übergeordnet befindet sich der chinesische Aktienmarkt seit Ende 2021 nach wie vor in einem Abwärtstrend.

Heatmap mit den Renditen der wichtigsten Aktienindizes im August
Heatmap mit den Renditen der wichtigsten Aktienindizes im August

Performance im August

Während die Renditen auf Monatssicht unspektakulär aussehen, ist im Monatschart schon ein ganz anderes Bild zu erkennen. Vor allem Anfang August sind die Aktienmärkte weltweit massiv unter Druck geraten. Auslöser waren große Verluste in Japan, nachdem die Zentralbank eine Erhöhung der Leitzinsen von 0,0% bis 0,1% auf 0,25% angekündigt hatte. Hinzu kam allerdings noch, dass es ohnehin bereits Ende Juli / Anfang August Konjunktursorgen in den USA gab, die schon vor dem großen Einbruch am Montag, den 05.08. für Verluste an den Börsen gesorgt haben. Seit Ende Juli sind die Aktienmärkte dabei schon in eine kleine Korrektur übergegangen, welche Anfang August ausgeweitet wurde.

Betrachten wir im Chart hier den DAX, Stoxx50, S&P 500 sowie den Nasdaq100 wird deutlich, welche Aktien unter der hohen Nervosität am Markt am meisten gelitten haben. Der Nasdaq100 hat in der Spitze einen Verlust von rund -11% verzeichnet. Gerade Wachstumsaktien und jene, die die Wochen zuvor am stärksten gestiegen sind, geraten bei derart hoher Unsicherheit am Markt auch am stärksten unter Druck. Beim DAX, Stoxx50 und S&P 500 haben wir Verluste zwischen 6% bis 8% in der Spitze gesehen.

Wie dir der Chart aber auch zeigt, ist es den Indizes gelungen ihre Verluste bin den folgenden zwei Wochen vollständig wieder auszugleichen. Auch der Nasdaq100 hat seine Underperformance zu den restlichen Indizes wieder vollständig aufholen können. So turbulent die erste Monatshälfte verlief, so ruhig war es dafür in der zweiten. Seit dem 19.08 tendierten die Aktienmärkte noch leicht aufwärts, allerdings ohne größere Schwankungen. Die Nervosität vom Monatsbeginn war somit schnell wieder verfolgen und inzwischen befinden sich die Aktienmärkte wieder in sehr ruhigem Fahrwasser.

Chart für die wichtigsten Aktienindizes im August
Chart für die wichtigsten Aktienindizes im August

Performance im letzten Jahr

Die große Outperformance, die der Nasdaq100 Anfang Juli noch aufweisen konnte, ist inzwischen so gut wie weg. Mit einer Rendite von +27,3% über die letzten zwölf Monate liegt der Nasdaq100 mit dem S&P 500 (+25,6%) nahezu gleichauf. Nach wie vor kommen die europäischen Indizes nicht an den US-Aktienmarkt heran. Der DAX schneidet mit +18,7% zwar etwas besser ab als der Stoxx600 (+14,2%). Hier muss man aber auch beachten, dass der DAX (wie auch der MDAX) Performanceindices sind und die Dividenden bereits mitberücksichtigen. Beim Stoxx600, S&P 500 und Nasdaq100 ist das nicht der Fall.

Insgesamt entwickelte sich der DAX über die letzten Monate aber ziemlich im Gleichschritt mit dem breiten europäischen Aktienmarkt. Hauptgrund für die Outperformance der US-Indizes ist die deutlich stärkere Entwicklung im Juni. Wie in den letzten Monatsberichten auch schon öfter erwähnt, ist die Performance vom MDAX weiterhin enttäuschend. Weiterhin gilt, dass die langfristig sonst so starken Nebenwerte des MDAX im aktuell in Deutschland schwierigem wirtschaftlichen Umfeld am stärksten leiden.

Chart für die wichtigsten Aktienindizes (DAX, MDAX, Stoxx600, S&P 500 und Nasdaq100) die letzten 12 Monate
Chart für die wichtigsten Aktienindizes (DAX, MDAX, Stoxx600, S&P 500 und Nasdaq100) die letzten 12 Monate

Blick auf die Volatilität: VIX

Der VIX ist ein Volatilitätsindex, der Auskunft über die erwartete Volatilität des S&P 500 für die nächsten 30 Tage gibt. Der VIX berechnet sich auf Basis von Optionspreisen und ist der wichtigste Indikator, wenn es darum zu beurteilen, ob sich die Aktienmärkte gerade in einem ruhigen Marktumfeld befinden.

Den VIX möchte ich dir in dieser Markteinschätzung bewusst nicht als Linienchart, sondern als Kerzenchart vorstellen, da nur so die Kursentwicklung Intraday am Montag, den 05.08. deutlich wird. Als die Aktienmärkte am Montag, den 05.08. so große Verluste verzeichnet haben, ist der VIX auf ein Niveau von über 60 gestiegen. Zuletzt notierte der VIX im Corona-Crash im Frühjahr 2020 auf einem höheren Niveau.

Wesentlicher Unterschied dieses Mal war allerdings, dass der VIX auf Tagesschlusskursbasis deutlich niedriger notierte. Der Schlusskurs des VIX am besagten Montag lag bei nur noch 38,6, was allerdings nach wie vor ein sehr hohes Niveau ist.

Vor allem in diesem Mini-Crash ließ sich die Nervosität der Marktteilnehmer am VIX sehr gut ablesen. Während der VIX im Corona-Crash über mehrere Tage auf einem Niveau von deutlich über 40 notierte, erreichte der VIX nun am Ende der besagten Woche (also am Freitag, den 09.08.) schon wieder ein normales Niveau von 20,7. Generell beschreibt ein VIX von unter 20 ein eher ruhiges Marktumfeld.

Inzwischen notiert der VIX schon wieder nur noch bei 15 und damit auf einem ähnlich niedrigen Niveau, wo er große Teile des laufenden Jahres bereits lag. Dennoch war der kurzzeitige Vola-Anstieg gar nicht mal so schlecht.

Ich habe bereits die letzten Monate häufiger gesagt, dass wir selten zuvor eine derart lange Phase mit so niedriger Volatilität gesehen haben. Damit stieg Monat für Monat die Gefahr für einen Volatilitätsanstieg und damit auch für größere Schwankungen und Verluste an den Aktienmärkten.

Dass sich das Ganze nun derart entlädt, war natürlich nicht zu erwarten. Damit haben die Aktienmärkte nun aber erstmal wieder eine Phase der „Bereinigung“ hinter sich. Soll heißen, dass wir nach Monaten von steigenden Kursen und einem ruhigen Marktumfeld nun auch mal wieder eine Phase der hohen Nervosität gesehen haben, die alle daran erinnert, dass es eben nicht Monat für Monat steil bergauf geht. Im Sinne der Fortsetzung eines langfristigen Aufwärtstrends war das, was wir Anfang August gesehen haben, also gar nicht so schlecht.

Entwicklung des VIX zwischen 2020 und 2024
Entwicklung des VIX zwischen 2020 und 2024

Tops & Flops im August

Für den deutschen Aktienmarkt werden die 100 Aktien des HDAX betrachtet:

Top/Flop Aktien aus dem HDAX (Deutschland)

Top-Aktien & Flop-Aktien aus dem HDAX im August 2024
Top-Aktien & Flop-Aktien aus dem HDAX im August 2024

Top/Flop Aktien aus dem Nasdaq100 (USA)

Top-Aktien & Flop-Aktien aus dem Nasdaq100 im August 2024
Top-Aktien & Flop-Aktien aus dem Nasdaq100 im August 2024

Top/Flop Aktien aus Europa (Stoxx Europe 50)

Top-Aktien & Flop-Aktien aus dem Stoxx Europe 50 im August 2024
Top-Aktien & Flop-Aktien aus dem Stoxx Europe 50 im August 2024

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Performance einzelner Branchen

Für die Analyse zyklischer und defensiver Sektoren werden die Branchenindizes des S&P 500 und Stoxx600 betrachtet. Wie bereits im Juli sehen wir auch im August, dass sich die defensiven Sektoren etwas besser entwickelt haben als die zyklischen Sektoren. Die defensiven Sektoren kommen auf eine Rendite von +2,5%, während die zyklischen Sektoren nur um +1,2% zulegen konnten.

Diese Performance passt auch gut zur Entwicklung am Gesamtmarkt, die wir im August gesehen haben. Der August war vor allem durch den starken Kursrückgang in den ersten Tagen von hoher Unsicherheit geprägt und in solch einer Phase halten sich Aktien aus defensiven Sektoren deutlich stabiler als jene aus zyklischen. Betrachten wir hier nur mal die Zeit vom 31.07. bis zum 09.08. (also der Zeit, in der die Aktienmärkte noch in einer sehr angespannten Lage waren), liegt die Rendite der zyklischen Sektoren bei -4,9% und die der defensiven bei -0,9%. Dass die Renditedifferenz zwischen den Sektoren am Ende des Monats doch so gering ausfällt, liegt also vor allem an einer starken Erholung der zyklischen Sektoren im weiteren Verlauf des Monats.

Bei den defensiven Sektoren belastete im August vor allem ein schwacher Energiesektor mit einem Verlust von -3,0%. Ohne diesen Ausreißer, hätten sich die defensiven Sektoren noch deutlich besser entwickelt.

Vergleich zyklischer und defensiver Sektoren im August
Vergleich zyklischer und defensiver Sektoren im August

Chartanalyse - Markteinschätzung September

Chartanalyse für den DAX

Chartanalyse für den DAX (Stand 31.08.2024)
Chartanalyse für den DAX (Stand 31.08.2024)

In meiner letzten Markteinschätzung hatte der DAX exakt das Niveau zwischen 17.630 und 17.900 Punkten erreicht (grün markiert). Aufgrund der damals vorherrschenden hohen Abwärtsdynamik war es aber mehr als fraglich, ob dieses Niveau halten wird. Infolge der Ausweitung der Verluste am 05.08. ist der DAX dann kurzzeitig unter seine 200-Tage-Linie gefallen und hat exakt bei einem Niveau von 17.000 Punkten (lila) eine Trendwende vollzogen. Eine Fortsetzung der Korrektur bis auf dieses Niveaus musste einkalkuliert werden – genau so habe ich es auch in meiner letzten Markteinschätzung geschrieben.

Die Unterstützung bei 17.000 Punkten resultiert aus der Top-Bildung Ende 2023 / Anfang 2024, welche der DAX dann mit einer hohen Dynamik durchbrochen hat. Durch die Trendwende auf diesem Niveau jetzt im August hat diese Unterstützung nochmal deutlich an Relevanz gewonnen. Ausgehend vom aktuellen Kursniveau aus, spielt diese Unterstützung im September allerdings keine Rolle.

Deutlich interessanter ist nun, ob es dem DAX gelingen wird, sein Allzeithoch nachhaltig zu überwinden. In den letzten beiden Handelstagen im August ist es dem DAX gelungen über seinen Widerstandbereich zwischen 18.570 und 18.900 Punkten (rot markiert) zu steigen. Allerdings haben wir beim DAX auch schon öfter gesehen, dass er nur um wenige Punkte ein neues Allzeithoch markiert und anschließend an Schwung verliert.

Gerade aufgrund der Tatsache, dass der DAX die letzten drei Wochen sehr stark gestiegen ist, scheint es eher wahrscheinlich, dass wir auf dem aktuellen Niveau eine Konsolidierung in Form einer Seitwärtsbewegung sehen. Grund für eine große Korrektur gibt es erstmal nicht, für eine weiterehin dynamische Fortsezung der aktuell laufenden Aufwärtsbewegung wird die Luft allerdings langsam dünn.

Sollten wir im September doch noch eine ausgedehntere Korrektur sehen, findet sich die erste nennenswerte Unterstützung erst im Beriech von rund 17.700 (grün markiert). Hier verläuft auch die 200-Tage-Linie. Da dieses Niveau vom aktuellen Kurs aus allerdings 6% entfernt ist, ist es deutlich wahrhscheinlicher, dass der DAX im Falle einer Korrektur deutlich früher eine Stabilisierung findet. Insgesamt muss aber auch gesagt werden, dass der September stark von den Notenbanken (insbesondere dem Zinsentscheid der FED) abhängig ist (dazu gleich mehr).

Chartanalyse für den S&P 500

Chartanalyse für den S&P 500 (Stand 31.08.2024)
Chartanalyse für den S&P 500 (Stand 31.08.2024)

Dem S&P 500 habe ich aufgrund der angespannten Marktlage vor einem Monat in meiner letzten Markteinschätzung Raum bis zur 200-Tage-Linie für eine Ausdehnung der Korrektur eingeräumt. Ganz bis auf dieses Niveau hat der Index zwar nicht korrigiert, aber zumindest in die Nähe. Den Unterstützungsbereich zwischen 5.190 und 5.250 Punkten (grün markiert) hat der S&P 500 nur kurzzeitig unterschritten.

Anders als der DAX sehen wir beim S&P 500 in den letzten Handelstagen im August eine Seitwärtsbewegung und keine steile Aufwärtsbewegung mehr. Es scheint hier gerade so, als würde sich der US-amerikanische Leitzindex schwer tun sein Allzeithoch (lila) bei 5.670 Punkten zu überwinden. Gelingt hier in den kommenden Tagen ein dynamischer Ausbruch, könnte das kurzzeitig nochmal für eine kleine Rallye sorgen. Aufgrund der hohen Relevanz des S&P 500 würde solch ein Ausbruch auch positive Effekte für die weiteren Indizes haben.

Genauso muss in den kommenden Tagen aber zunächst nochmal eine Korrektur einkalkuliert werden. Am wahrscheinlichsten wäre hierbei ein Rückgang auf bis zu 5.400 Punkte. Kurse darunter sind eigentlich nur denkbar, wenn die Inflationsrate in den USA wieder deutlich steigt (Daten kommen am 11.09.) oder die FED die Aktienmärkte massiv verunsichert (FED-Sitzung am 18.09.) – dazu aber im Abschnitt zur fundamentalen Analyse gleich mehr.

Wichtig ist es daher, dass du aus der Chartanalyse zumindest die wichtigen Niveaus im Blick hast. Entscheidend für die Entwicklung der Indizes sind aber die Notenbanken. Für den S&P 500 lässt sich aber festhalten, dass der langfristige Aufwärtstrend bei Niveaus oberhalb der 200-Tage-Linie und damit auch oberhalb des letzten Tiefpunktes von Anfang August nach wie vor intakt ist.

Chartanalyse für den Nasdaq100

Chartanalyse für den Nasdaq100 (Stand 31.08.2024)
Chartanalyse für den Nasdaq100 (Stand 31.08.2024)

Für den Nasdaq100 ist übergeordnet die Unterstützung von rund 17.000 Punkten (orange markiert) relevant für den langfristigen Aufwärtstrend. Dieses Niveau habe ich auch in meiner letzten Markteinschätzung als besonders wichtig herausgestellt. Mit den Verlusten vom Montag, den 05.08. ist der Nasdaq100 kurzzeitig unter seine 200-Tage-Linie gefallen und hat ein Tief bei 17.435 Punkten markiert. Zur wichtigen Unterstützung von 17.000 Punkten hatte der Index damit noch etwas Luft.

Kritisch ist nun allerdings, dass sich kurzfristig gerade ein leichter Abwärtstrend ausbildet (lila markiert). Da diese Trendlinie bislang nur zwei Punkte verbindet, wurde dieser Trend noch nicht bestätigt, muss aber klar im Auge behalten werden. Hilfreich wäre es auf jeden Fall, wenn der Nasdaq100 über sein letztes Hoch von vor wenigen Tagen bei rund 19.900 Punkten steigt. In diesem Fall hat die erwähnte Abwärtstrendlinie keinerlei Relevanz mehr.

Wichtig ist im Falle einer Ausweitung der Korrektur weiterhin das Niveau zwischen 18.200 und 18.450 Punkten (grün markiert), auch wenn der Nasdaq100 dieses Anfang August kurzzeitig unterschritten hat. Knapp darunter verläuft außerdem die 200-Tage-Linie. Ein Rückgang bis in diesesn Bereich ist im September möglich, aber nicht zwingend zu erwarten. Auch hier möchte ich aber nochmal betonen, dass es am Ende die Notenbanksitzungen sind, die maßgeblich beeinflussen können, welche Richtung die Aktienmärkte vor allem ab Mitte September einschlagen.

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Entwicklung der Inflation

Inflation in den USA

Die letzten Inflationsdaten aus den USA wurden am 14.08. veröffentlicht und beziehen sich auf die Preisentwicklung im Juli. Für den Juli wurde erwartet, dass die Inflation bei ihrem Wert aus dem Vormonat von 3,0% verharrt. Stattdessen ist die Inflation 0,1%-Punkte gesunken auf nun 2,9%.

Direkt zur Eröffnung am 14.08. verzeichnete der S&P 500 einen Gewinn von +1,1%. Bis Handelsschluss war es sogar ein Kurszuwachs von +1,6%. Der Nasdaq100 legte sogar um +2,5% zu. Dass die Aktienmärkte wieder euphorisch auf eine sinkende Inflation reagieren, war zuletzt nicht der Regelfall. Im Vormonat (Daten für den Juni) lag die Inflation ebenfalls 0,1%-Punkte geringer als erwartet. Darauf haben die Aktienmärkte mit Verlusten reagiert.

Entwicklung der Inflationsrate in den USA letzte 10 Jahre
Entwicklung der Inflationsrate in den USA letzte 10 Jahre

Inzwischen ist die Freude über sinkende Zinsen infolge einer rückläufigen Inflation wieder größer als die Angst vor einer konjunkturellen Abkühlung. Vor einigen Wochen waren Sorgen aufgekommen, dass die US-Wirtschaft vielleicht doch nicht so robust ist und die rückläufige Inflation die Folge einer drohenden Rezession seien könnte. Dieses Thema ist natürlich noch nicht final vom Tisch, die Marktteilnehmer haben ihre Ängste diesbezüglich aber abgelegt. Die nächsten Inflationsdaten für den August werden dann am 11.09. veröffentlicht.

Inflation in der Euro-Zone

Die finalen Inflationsdaten für die Euro-Zone für den Juli wurden am 20.08. veröffentlicht. Die Daten sind identisch mit der Prognose vom 31.07. als eine Inflationsrate von 2,6% angegeben wurde. Entsprechend gab es am Aktienmarkt zum Zeitpunkt der Veröffentlichung keine Reaktion.

Deutlich interessanter ist nun der Blick auf die vorläufigen Inflationsdaten für den August. Diese wurden am 30.08. veröffentlicht. Demnach soll die Inflation in der Euro-Zone deutlich gefallen sein von zuvor 2,6% auf nun 2,2%. Das ist der stärkste Rückgang den wir in den letzten Monaten gesehen haben. Ein Kursfeuerwerk zündeten die Börsen dennoch nicht, weil im Vorfeld bereits mit einem derartigen Rückgang gerechnet worden war. Die finalen Inflationsdaten für den August folgen dann am 18.09.

Entwicklung der Inflationsrate in der Euro-Zone letzte 10 Jahre
Entwicklung der Inflationsrate in der Euro-Zone letzte 10 Jahre

Was machen die Notenbanken?

Im August gab es weder von der FED noch von der EZB einen Zinsentscheid. Dennoch gab es in den letzten Wochen neue Erkenntnisse zur Geldpolitik. Im Rahmen des Notenbankertreffens in Jackson Hole hat Powell am 23.08. eine Rede zum weiteren Vorgehen der FED gehalten. Im Vorfeld galt zwar bereits als sicher, dass die FED im September die Zinsen senken wird, nun hat FED-Chef Powell dies aber auch bestätigt. Offen ließ er jedoch, wie stark die Zinssenkung ausfallen wird.

Bereits vor einigen Wochen hat die FED angekündigt, dass sie bei ihren geldpolitischen Entscheidungen nun einen stärkeren Fokus auf den Arbeitsmarkt legen wird. Anders als die EZB betrachtet die FED ohnehin sowohl die Inflationsrate als auch den Arbeitsmarkt. Letzterer soll aber stärker in den Fokus rücken.

Entwicklung der Leitzinsen in den USA und der Euro-Zone
Entwicklung der Leitzinsen in den USA und der Euro-Zone

Auf ihrer nächsten Notenbanksitzung am 18.09. wird die FED nun also die Zinsen senken. Offen ist nur, ob der Leitzins um 25 Basispunkte oder gleich um 50 Basispunkte fällt. Hierfür lohnt auch ein Blick auf die Daten des FED-Watch-Tools. Das FED-Watch-Tool versucht auf Basis von Futures die Wahrscheinlichkeit eines bestimmten Zinsniveaus. für die Zukunft zu ermitteln.

Die Wahrscheinlichkeit für eine Zinssenkung um 25 Basispunkte auf dann 5,0% bis 5,25% liegt bei 68%. Ein größerer Zinsschritt um gleich 50 Basispunkte wird aktuell mit einer Wahrscheinlichkeit von 32% taxiert. Vor einem Monat galt ein größerer Zinsschritt noch als äußerst unwahrscheinlich (Wahrscheinlichkeit von 13%).

Das bessere Signal für die Märkte wäre sicherlich ein eher moderater Zinsschritt und somit eine Zinssenkung um nur 25 Basispunkte. Ein größerer Zinsschritt würde zwar auf der einen Seite zu Freude führen, dass die Aktienmärkte genau das bekommen, worauf sie monatelang gewartet haben: deutliche Zinssenkungen. Auf der anderen Seite könnte die Verunsicherung, weshalb es die FED als notwendig ansieht die Zinsen umgehend um 0,5%-Punkte zu senken, diese Freude deutlich überwiegen.

Ein großer Zinsschritt ist meiner Ansicht nach eher so zu deuten, dass es allerhöchste Zeit ist, Korrekturen an der Geldpolitik vorzunehmen, da die Wirtschaft sonst doch in die befürchtete Rezession übergehen könnte. Genau dieser Gedankengang könnte die Nervosität an den Aktienmärkten dann wieder steigen lassen.

Wichtig dürften in diesem Zusammenhang auch die frischen Arbeitsmarktdaten aus den USA sein, welche am 06.09. veröffentlicht werden. Sollten im August deutlich weniger neue Stellen geschaffen worden sein als erwartet, deutet das auf eine Abkühlung des Arbeitsmarktes hin. Darauf könnte die FED dann doch mit einem stärkeren Zinsschritt reagieren.

Neben der Entscheidung wie stark die Zinsen in den USA nun sinken sollen, wird auch der Ausblick auf die Geldpolitik für den Rest des Jahres spannend. Bis zum Jahresende werden mindestens 3 Zinssenkungen (also um jeweils 25 Basispunkte) erwartet. Nach den Daten des FED-Watch-Tools ist bis Ende Dezember ein Leitzins von 4,25 bis 4,5% am wahrscheinlichsten, was insgesamt einer Zinssenkung um 1%-Punkt entsprechen würde.

Bevor die FED am 18.09. über die Zinsentwicklung entscheidet, steht am 12.09. der Zinsentscheid der EZB an. Die EZB hat ihre erste Zinssenkung bereits im Juni dieses Jahr vorgenommen, hat anschließend aber erstmal die Füße stillgehalten. Wie eben bereits erwähnt liegt die Inflation in der Euro-Zone nach vorläufigen Daten bei nur noch 2,2%. Da die Inflation inzwischen deutlich auf dem Rückmarsch ist, gilt es als sicher, dass die EZB die Zinsen weiter senken wird. Die Frage ist viel mehr, wie es danach bis Jahresende weitergeht. Ob die EZB hierzu klare Aussagen tätigen wird, ist allerdings unklar.

Insgesamt lässt sich aber sagen, dass der September in Sachen Geldpolitik äußerst interessant wird.

Berichtssaison - vergangene Termine

Nachdem die Berichtssaison im Juli ihren Hochpunkt erreicht hat und die meisten Großkonzerne ihre Zahlen da bereits vorgelegt haben, ist es im August schon deutlich ruhiger geworden. Dennoch gab es ein paar Unternehmen, die von großem Interesse waren.

Die folgende Tabelle zeigt dir die wichtigsten Earnings aus dem Juli. Ist beim Reporting-Datum ein Stern (*) dabei, wurden die Daten am jeweiligen Tag nachbörslich vorgelegt.

Ergebnisse der Berichtssaison im August: EPS und Umsatz im Vergleich zu den Analystenschätzungen
Ergebnisse der Berichtssaison im August: EPS und Umsatz im Vergleich zu den Analystenschätzungen

Bereits Anfang August haben Apple und Amazon ihre Zahlen vorgelegt. Amazon hat beim Umsatz die Erwartungen nicht erfüllen können, woraufhin die Aktie am nächsten Handelstag abgestraft wurde. Apple hingegen konnte überzeugen. Gerade bei Top-Performern wie Apple ist in dieser Berichtssaison aber deutlich geworden, dass das reine Erfüllen der Erwartungen nicht ausreicht. Obwohl Apple beim Umsatz und Gewinn jeweils klar über den Erwartungen lag, gab es von der Aktie keine nennenswerte Reaktion.

Verlass ist aktuell vor allem auf die Aktie von Walmart. Das Unternehmen gehört anders als die Big-Tech-Konzerne zwar eher den langweiligen Aktien an. Walmart gelingt es dennoch immer wieder die Erwartungen zu übertreffen. Als Reaktion auf die letzten Quartalszahlen legte die Aktie deutlich zu.

Das wichtigste Event im August mit Blick auf die Quartalszahlen war aber natürlich Nvidia. Bereits bei den letzten Quartalsberichten ist es Nvidia gelungen die Erwartungen deutlich zu schlagen. Auch für diesen Quartalsbericht sind die meisten Marktteilnehmer daher davon ausgegangen, dass Umsatz und Gewinn bei Nvidia erneut deutlich über der Prognose liegen.

Nvidia ist es zwar gelungen hier zu überzeugen, insgesamt hat man sich aber noch etwas mehr erhofft. Außerdem liegt die Umsatzprognose für das laufende Quartal nur knapp über den Erwartungen. Hinzu kommt, dass leichte Verzögerungen beim nächsten Chipsystem Blackwell für etwas Verunsicherung sorgen. Bereits im nachbörslichen Handel am 28.08. zeigte sich Nvidia sehr volatil. Am Folgetag stand am Ende dann ein Verlust von -6,7% zu Buche. Man möge sich hier nur vorstellen, was mit dem Kurs passiert wäre, wenn Nvidia die Erwartungen nicht erfüllt hätte.

Kalender – anstehende Wirtschaftstermine

Datum / Uhrzeit Termin
03.09. um 16:00 ISM Manufacturing Index
05.09. um 14:15 ADP-Arbeitsmarktbericht
05.09. um 16:00 ISM Non-Manufacturing Index
06.09. um 08:00 Industrieproduktion Deutschland (Juli)
06.09. um 11:00 BIP Euro-Zone (Q2 final)
06.09. um 14:30 US-Arbeitsmarktbericht (August)
10.09. um 08:00 Inflation Deutschland (August final)
11.09. um 14:30 Inflation USA (August)
12.09. um 14:15 EZB-Zinsentscheid
12.09. um 14:30 Produzentenpreise USA (August)
13.09. um 11:00 Industrieproduktion Euro-Zone (Juli)
17.09. um 11:00 ZEW-Konjunkturerwartungen
17.09. um 14:30 Einzelhandelsumsätze USA (August)
17.09. um 15:15 Industrieproduktion USA (August)
18.09. um 11:00 Inflation Euro-Zone (August final)
18.09. um 20:00 FED-Zinsentscheid
20.09. um 16:00 Verbrauchervertrauen Euro-Zone
24.09. um 10:00 Ifo-Geschäftsklimaindex
24.09. um 16:00 Verbrauchervertrauen USA
27.09. um 14:30 PCE (private Konsumausgaben) USA (August)
30.09. um 14:00 Inflation Deutschland (September vorläufig)
01.10 um 11:00 Inflation Euro-Zone (September vorläufig)

Fazit zur Markteinschätzung September

Bereits Ende Juli haben die Aktienmärkte ihre überkaufte Phase mit dem Beginn einer kleinen Korrektur beendet. Dass wir dann Anfang August aber kurzfristig derart große Verluste sehen, damit war absolut nicht zu rechnen. Langfristig betrachtet war diese Korrektur aber durchaus hilfreich. Die Aktienmärkte haben damit ihre vorherige Euphorie abgebaut und sind wieder zurück auf dem Boden der Tatsachen angekommen.

Speziell beim DAX sehen wir mit dem starken Kursanstieg in den letzten Tagen nun zwar wieder leichte Tendenzen einer Überhitzung. Dieses Bild ist so aber nicht am breiten Aktienmarkt zu sehen. Der Nasdaq100 weist kurzfristig sogar einen leichten Abwärtstrend auf und ist noch rund 6% von seinem Allzeithoch entfernt. Auch der S&P 500 tendierte die letzten Tage eher seitwärts, ist aber nur noch wenige Punkte davon entfernt sein Allzeithoch zu überwinden. Derart überkaufte Tendenzen wie wir es vor einigen Monaten schon mal hatten, sind aktuell nicht vorhanden.

Fundamental betrachtet richtet sich der Blick im September auf die Notenbanken. Dass die FED im September mit Zinssenkungen beginnen wird, ist sicher. Unklar ist nur noch, wie stark diese ausfallen und wie es dann im laufenden Jahr mit der Geldpolitik weitergeht. In diesem Zusammenhang werden auch die Arbeitsmarktdaten und die Daten zur US-Inflation, die beide noch vor dem nächsten FED-Zinsentscheid veröffentlicht werden, wichtig.

Von der Panik von Anfang August ist aktuell nichts mehr zu sehen. Die Aktienmärkte befinden sich wieder in einem ruhigen Fahrwasser. Größere Kursschwankungen sowohl nach oben oder auch nach unten sind zunächst erstmal unwahrscheinlich. Richtungsweisend dürften die Inflationsdaten aus den USA (11.09.), die EZB-Sitzung (12.09.) sowie vor allem die FED-Sitzung (18.09.) sein. Bis zum 11.09. ist ein ruhiges und schwankungsarmes Marktumfeld ohne klare Trendrichtung am wahrscheinlichsten.

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