Ziel der Markteinschätzung Oktober
In diesem Beitrag möchte ich dir meine Markteinschätzung für die Aktienmärkte für den Oktober vorstellen. Zunächst werfen wir aber einen Blick auf die Performance der letzten Wochen und Monate. Anschließend untersuche ich mit dir in der Chartanalyse für die wichtigsten Indizes auf welche Kursniveaus es jetzt ankommt. Ein besonderer Fokus liegt in dieser Ausgabe auf den Entscheidungen der Notenbanken. Ziel der Markteinschätzung ist, dass du weißt, was du in den nächsten Wochen am Aktienmarkt erwarten kannst.
Performance-Rückblick
Index-Heatmap
Der September gilt statistisch betrachtet als der schwächste Börsenmonat. Und gerade in den ersten Handelstagen des Monats sah es danach aus, als würde mächtig etwas auf uns zukommen. Am Ende zeigt die Heatmap der Monatsrenditen aber, dass alles eben doch nicht so schlimm gekommen ist. Es ist zwar interessant zu wissen, dass der September als schwächster Börsenmonat gilt, von Saisonalitäten sollten wir unsere Handelsentscheidungen aber nicht abhängig machen.
Betrachten wir den kompletten Monatsverlauf, knüpft der September an die beiden letzten Monate an, in denen die Aktienmärkte im Verlauf des Monats immer mal wieder scharfe Rücksetzer verzeichnet haben, sich am Ende dann aber doch erholen konnten.
Der DAX konnte auf Monatssicht einen Gewinn von +2,2% verzeichnen. Erfreulich ist, dass es auch die Nebenwerte in Form des MDAX endlich mal geschafft haben eine ansehnliche Rendite zu erzielen (+4,5%). Mit Blick auf den europäischen Aktienmarkt sticht der deutsche Aktienmarkt im September positiv hervor. Der Stoxx600 beendete den Monat nämlich mit einem kleinen Verlust von -0,4%. Und auch in den einzelnen Länder Europas fallen die Renditen im September deutlich schlechter aus als in Deutschland.
Der US-amerikanische Aktienmarkt hat sich dafür stark gezeigt. Der marktbreite S&P 500 konnte einen Gewinn von +2,0% verzeichnen und der Nasdaq100 stieg um +2,5%. Die mit Abstand größten Gewinne sehen wir aber in China und Hong Kong. Der Shanghai Composite und der Hang Seng konnten im September um jeweils +17% zulegen. Grund dafür sind die umfangreichen Maßnahmen der chinesischen Notenbank mit dem Ziel die Wirtschaft in China zu stützen. Der chinesische Aktienmarkt hat damit wieder ein Lebenszeichnen von sich gegeben. Betrachten wir die letzten Jahre, liegt hier aber nach wie vor ein Abwärtstrend vor.
Performance im September
Die Auswertung des Monatscharts für den September kann einem fast vorkommen wie die Analyse für den August. Schau hierzu gerne nochmal in meine letzte Markteinschätzung. Auch dort war klar zu sehen, dass die Aktienmärkte in den ersten Tagen des Monats einen deutlichen Kursrückgang verzeichnet haben. Bis zum Monatsende wurden die Verluste dann aber wieder ausgeglichen.
Eine ähnliche Entwicklung haben wir nun auch im September gesehen. Wesentlicher Unterschied dabei war allerdings, dass die Abwärtsbewegung sich länger gezogen hat, dafür aber auch nicht so stark ausgefallen ist wie im August. Die größte Schwankung hat erneut der Nasdaq100 verzeichnet. Während der Index bis zum 06.09. auf Monatssicht bereits -5% verloren hat, konnte er sich in der Spitze wieder auf +4% erholen.
Der Monatschart zeigt dir wieder einmal deutlich, wie enorm wichtig es ist in unruhigen Phasen wie Anfang des Monats cool zu bleiben. Verkaufst du bei einem schnellen Rückgang von -5% panisch deine Aktien, kannst du von der folgenden Aufwärtsbewegung nicht mehr profitieren. Diese Entwicklung haben wir die letzten Monate nun häufiger gesehen.
Performance im letzten Jahr
In den letzten Wochen war der S&P 500 in der Lage zum Nasdaq100 aufzuschließen. Während der Tech-Index bis zum Juli noch der mit Abstand stärkste Index im Vergleich war, liegen der Nasdaq100 und der S&P 500 auf Sicht der letzten zwölf Monate aktuell nahezu gleichauf (+36% beziehungsweise +34%). Der US-amerikanische Aktienmarkt ist aber nach wie vor der stärkste im letzten Jahr gewesen.
Der DAX war zuletzt aber in der Lage etwas Boden gut zu machen. In den letzten zwölf Monaten konnte der DAX um +26% zulegen und ist damit vor allem im europäischen Vergleich als stark einzustufen. Der Stoxx600 kam nur auf eine Rendite von +16%. Zwar beinhaltet der DAX anders als der Stoxx600 Dividenden, diese erklären den großen Performanceunterschied aber nur zum Teil. Vor allem seit Anfang August hat der DAX eine starke Rallye verzeichnet, die der Stoxx600 nicht ganz mitgehen konnte.
Auch der MDAX konnte sich seit Anfang August wieder deutlich erholen. Auf Sicht eines Jahres notiert der Index nun zumindest nicht mehr im Minus. Der Abstand zum DAX ist aber nach wie vor sehr groß. Der MDAX dient vor allem als Spiegelbild der Schwierigkeiten im deutschen Mittelstand.
Blick auf die Volatilität: VIX
Der VIX ist ein Volatilitätsindex, der Auskunft über die erwartete Volatilität des S&P 500 für die nächsten 30 Tage gibt. Der VIX berechnet sich auf Basis von Optionspreisen und ist der wichtigste Indikator, wenn es darum zu beurteilen, ob sich die Aktienmärkte gerade in einem ruhigen Marktumfeld befinden.
Den Volatilitätsschock Anfang August haben die Aktienmärkte inzwischen hinter sich gelassen. Rückblick: Am 05.08.2024 hat der VIX infolge des starken Kurseinbruchs den zweithöchsten Wert seiner Geschichte markiert. Entscheidend war in dieser Situation, dass sich die Kurse schnell wieder stabilisiert haben und der VIX am besagten Montag (05.08.) bei unter 40 geschlossen hat, obwohl sein Tageshoch bei über 60 lag.
Als die Aktienmärkte Anfang September wieder etwas unter Druck geraten sind, ist der VIX wieder leicht gestiegen auf ein Niveau von knapp 24. Verglichen mit der Volatilitätsexplosion Anfang August war das aber natürlich nichts. Erneut hat sich die Lage an den Aktienmärkten danach wieder beruhigt und der VIX ist schnell auf ein Niveau von 15 zurückgekehrt, welches im Allgemeinen für sehr ruhige Marktverhältnisse steht.
Aktuell notiert der VIX bei 19,4 und im Vergleich zum laufenden Jahr damit etwas höher. Im Chart siehst du, dass der VIX vor allem in der ersten Jahreshälfte 2024 lange Zeit unter 15 notiert hat. Das aktuelle Kursniveau des VIX ist als gesund anzusehen. Wir haben in den letzten Monaten nun oft genug hohe Volatilität gesehen, was es durchaus wahrscheinlich macht, dass vor uns eher ruhige Monate liegen.
Tops & Flops im September
Für den deutschen Aktienmarkt werden die 100 Aktien des HDAX betrachtet:
Top/Flop Aktien aus dem HDAX (Deutschland)
Top/Flop Aktien aus dem Nasdaq100 (USA)
Top/Flop Aktien aus Europa (Stoxx Europe 50)
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Performance einzelner Branchen
Für die Analyse zyklischer und defensiver Sektoren werden die Branchenindizes des S&P 500 und Stoxx600 betrachtet. Die zyklischen Sektoren konnten im September einen Gewinn von +2,1% verzeichnen, während die defensiven Sektoren mit -0,0% seitwärts tendiert haben. Bei beiden Sektorengruppen sehen wir innerhalb der Sektoren aber größere Unterschiede. Unter den zyklischen Sektoren gehörten vor allem die zyklischen Konsumgüter zu den großen Gewinnern. Bei den defensiven Sektoren waren Versorgeraktien die großen Gewinner, während der Energiesektor und das Gesundheitswesen schwach performt haben.
Bis zum 10.09. befanden sich die Aktienmärkte im September in einer schwierigen Situation. Betrachten wir nur diesen Zeitraum, sieht die Auswertung der Sektoren ganz anders aus. Während der vorherrschenden Marktschwäche in den ersten Tagen im September haben die zyklischen Sektoren -4,0% verloren, während die defensiven Sektoren einen Rückgang von nur -1,7% verzeichnet haben. Das zeigt auch nochmal, dass vor allem in einem unruhigen Marktumfeld Aktien aus zyklischen Sektoren stärker unter Druck geraten.
Chartanalyse - Markteinschätzung Oktober
Chartanalyse für den DAX
Nachdem der DAX Ende August etwas heiß gelaufen ist, habe ich in meiner letzten Markteinschätzung eine Seitwärtsbewegung zu Beginn des Monats als das realistischste Szenario herausgestellt. Eine mögliche Korrektur habe ich bis in den Bereich von 17.700 Punkten als Worst-Case-Szenario für den September in Aussicht gestellt.
In den ersten Handelstagen haben wir eine Korrektur auch gesehen, diese wurde aber bereits bei 18.200 Punkten wieder beendet. Gemeinsam mit der Konsolidierung aus dem Juni bietet dieses Niveau von 17.950 bis 18.200 Punkte nun eine wichtige Unterstützung (grün markiert).
Entscheidend war im September aber, dass es dem DAX nachhaltig gelungen ist über seinen Widerstand zwischen 18.550 und 18.900 Punkten (rot markiert) zu steigen. Daran ist der DAX die letzten Monate schon öfter gescheitert. Mit dem dynamischen Ausbruch auf weit über 19.000 Punkte dient dieser ehemalige Widerstand nun als erste Unterstützung.
Darunter kommt es auf das eben genannte Niveau zwischen 17.950 und 18.200 Punkten an (grün markiert). Hier verläuft inzwischen außerdem die 200-Tage-Linie. Ausgehend vom aktuellen Kursniveau würde ein Einbruch bis auf diese Unterstützung einem Verlust von rund -6% entsprechen, was für den Oktober bereits einem Worst-Case-Szenario nahekommt. Alle tiefer liegenden Unterstützungen spielen nur langfristig eine Rolle. Solange sich der DAX über dem letzten Tief von 17.000 Punkten befindet, ist langfristig betrachtet alles in Ordnung.
Dass wir die letzten Tage nun wieder eine kleine Korrektur gesehen haben und sich der DAX damit leicht von seinem Allzeithoch entfernt hat, hilft dabei, dass der kurzfristige Aufwärtstrend nicht überhitzt. Setzt sich dieser Rückgang in den kommenden Tagen bis in den roten Unterstützungsbereich fort, finden sich hier bereits wieder gute Kauflegegenheiten. Inzwischen ist der DAX auch nur noch 4% von der psychologisch wichtigen Marke von 20.000 Punkten entfernt. Es ist durchaus möglich, dass der DAX dieses Niveau im Oktober bereits das erste mal angreift.
Chartanalyse für den S&P 500
Der S&P 500 hat sich im September exakt nach dem Fahrplan entwickelt, den ich in meiner letzten Markteinschätzung vorgestellt habe. Hierbei habe ich einen Rückgang bis auf das Niveau von 5.400 Punkten (erste grüne Unterstützung) als realistisch eingestuft. Zu Beginn des Monats haben wir genau diese Korrektur gesehen. Anschließend hat sich der Index auf diesem Niveau stabilisiert und eine schnelle Erholung vollzogen.
Im Rahmen dieser Erholung ist es dem S&P 500 sogar gelungen sein Allzeithoch von rund 5.670 Punkten (lila) zu überwinden. Anders als beim DAX war die Dynamik des Ausbruchs hier allerdings nicht ganz so groß. Kurzfristig dient dieses Niveau (5.670 Punkte) nun aber zumindest als erste kleine Unterstützung.
Übergeordnet spielt weiterhin der Bereich um 5.400 Punkte eine wichtige Rolle. Ausgehend vom aktuellen Niveau würde ein Rückgang bis zu 5.400 Punkten einem Verlust von -5% entsprechen. Dass der S&P 500 im Oktober nochmal so eine Korrektur verzeichnet ist allerdings eher unwahrscheinlich.
Langfristig betrachtet rückt die Unterstützung von 5.200 bis 5.260 Punkten in den Fokus (zweite grüne Markierung). Auf diesem Niveau hat der S&P 500 seine letzten markanten Tiefpunkte verzeichnet. Außerdem verläuft hier die 200-Tage-Linie. Im Oktober dürfte dieses Niveau allerdings keine Rolle spielen. Wichtig für dich zu wissen ist aber, dass der langfristige Aufwärtstrend auf jeden Fall intakt ist, solange der S&P 500 über diesem Niveau notiert.
Aktuell ist der S&P 500 rund 9%-Punkte von seiner 200-Tage-Linie entfernt. In den letzten Monaten haben wir hier Höchstwerte mit einem Abstand von 13% gesehen. Daran siehst du, dass wir aktuell keine derart stark überhitzte Situation haben, wie es in den letzten Monaten schon mal der Fall war. Sicherlich wird auch beim S&P 500 die Luft langsam dünn, nach oben besteht aber weiterhin Potenzial.
Im Optimalfall vollzieht der S&P 500 im Laufe des Monats nochmal eine kleine Korrektur die in etwa der Hälfte der letzten Aufwärtsbewegung im September von 5.400 bis 5.760 Punkte entspricht – Ziel einer solchen Korrekturen wären dann etwa 5.580 Punkte. Spätestens dann hätten wir wieder eine Situation, in der keine überkaufte Situation vorliegt.
Im Oktober hat der S&P 500 auf jeden Fall das Potenzial sich der Marke von 6.000 Punkten anzunähern. Kurse darüber sind allerdings unwahrscheinlich. Vor einem weiteren Kursanstieg in Richtung 5.900 Punkte wäre eine kleine Korrektur auf jeden Fall gesund.
Chartanalyse für den Nasdaq100
In meiner letzten Markteinschätzung habe ich das Niveau zwischen 18.200 und 18.450 Punkten (grün markiert) als kurzfristig wichtigste Unterstützung herausgestellt. Der Nasdaq100 hat in den ersten Handelstagen im September exakt auf dieses Niveau korrigiert und anschließend eine Erholung gestartet.
Dabei ist es dem Nasdaq100 auch gelungen die Abwärtstrendlinie (grau) zu durchbrechen. Diese diente bislang ohnehin nur der Orientierung, da die Linie nur zwei Punkte verbunden hat und folglich noch nicht als Trendlinie bestätigt wurde. Mit der Erholung und dem Anstieg über das letzte Hoch von rund 19.940 Punkten von Ende August hat der Nasdaq100 seine kurzfristige Abwärtsdynamik beendet. Die lilafarbene Aufwärtstrendlinie dient bislang auch nur der Orientierung, da sie ebenfalls nur zwei Punkte verbindet und noch auf Bestätigung wartet.
Für den Nasdaq100 stellt sich nun die Frage, ob direkt ein Angriff auf das Allzeithoch von 20.670 Punkten (hellblau) erfolgt. Im Oktober hat der Index auf jeden Fall das Potenzial bis auf dieses Niveau zu steigen. Ob die kurzfristige Aufwärtsdynamik anhält und dieser Anstieg direkt erfolgt, oder ob der Index erst noch eine kleine Korrektur vollzieht, lässt sich allerdings ehrlicherweise nicht sagen.
Sollte der Nasdaq100 erst nochmal eine Korrektur vollziehen, muss im Worst-Case ein Rückgang bis auf das letzte Unterstützungsniveau zwischen 18.200 und 18.450 Punkten einkalkuliert werden. Ausgehend vom aktuellen Kursniveau entspricht das allerdings einem Verlust von -7%. Solange der Nasdaq100 über diesem Niveau notiert, ist der langfristige Aufwärtstrend klar intakt. Erste Möglichkeit einer Stabilisierung bietet aber bereits das Niveau von rund 19.300 Punkten (blau markiert). Auf diesem Niveau hat der Nasdaq100 zuletzt Mitte September für ein paar Tage konsolidiert.
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Entwicklung der Inflation
Inflation in den USA
Die letzten Inflationsdaten aus den USA wurden am 11.09. veröffentlicht und beziehen sich auf die Preisentwicklung im August. Für den August wurde ein deutlicher Rückgang der Inflation von 2,9% auf 2,5% erwartet. Und genau diesen Rückgang der Inflation haben wir auch gesehen. Im August lag die Inflation in den USA bei 2,5%. Auf Monatssicht handelt es sich dabei um einen der stärksten Rückgänge, den wir in den letzten Monaten gesehen haben.
Obwohl die Inflation im Rahmen der Erwartungen zurückgegangen ist und es somit keine großen Überraschungen gab, zeigten sich die Aktienmärkte am Tag der Veröffentlichung sehr volatil. Nach der Eröffnung ist der S&P 500 erstmal um rund -1,6% gefallen. Im weiteren Handelsverlauf drehte die Stimmung dann jedoch. Ausgehend vom erreichten Tief am 11.09. konnte der S&P 500 bis Handelsschluss eine Erholung von fast +3,0% vollziehen. Die Entwicklung zeigt deutlich, dass die Börsen die niedrige Inflationsrate als sehr positive Entwicklung betrachten.
Die Freude über eine sinkende Inflation und damit auch die Aussicht auf weiterhin sinkende Zinsen haben aktuell eine deutlich größere Auswirkung auf den Aktienmarkt als die Angst vor einer konjunkturellen Abkühlung. Die nächsten Inflationsdaten für den September werden dann am 10.10. veröffentlicht.
Inflation in der Euro-Zone
Die finalen Inflationsdaten für die Euro-Zone für den August wurden am 18.09. veröffentlicht. Die Daten sind identisch mit der Prognose vom 30.08. als eine Inflationsrate von 2,2% angegeben wurde. Entsprechend gab es am Aktienmarkt zum Zeitpunkt der Veröffentlichung keine Reaktion.
Am 01.10. wurden dann die vorläufigen Daten für den September veröffentlicht. Demnach soll die Inflationsrate in der Euro-Zone im September von 2,2% auf 1,8% gefallen sein. Dieser Rückgang liegt im Rahmen der Erwartungen. Entsprechend haben die Aktienmärkte auch darauf kaum reagiert. Die Inflationsraten in der Euro-Zone liegt damit nun bereits unter dem Ziel der EZB von 2,0%. Somit ist auch hier ausreichend Spielraum für weitere geldpolitische Lockerungen vorhanden. Die finalen Inflationsdaten für den September für die Euro-Zone werden dann am 17.10. veröffentlicht.
Was machen die Notenbanken?
Die Geldpolitik war eines der Themen, die im September besonders im Fokus stand. Sowohl von der EZB als auch von der FED gab es einen Zinsentscheid. Gerade bei der FED war es dieses Mal nicht klar, welche Entscheidungen getroffen werden.
Den Anfang hat die EZB gemacht. Am 12.09. gab die EZB bekannt, dass sie den Leitzins nach der ersten Senkung im Juni dieses Jahr weiter senken wird. Der Leitzins wurde dieses Mal um ein ungewöhnliches Maß gesenkt von 4,25% auf 3,65%. Normalerweise variiert die EZB den Leitzins in 0,25er-Schritten. Bereits im März hatte die EZB aber angekündigt die Zinssätze für den Einlagenzins und Leitzins enger zusammenführen zu wollen.
Der Einlagenzins lag bisher bei 3,75% und wurde nun wie erwartet um 25 Basispunkte auf 3,50% gesenkt. Der Leitzins liegt nun aber nur noch 0,15%-Punkte über dem Einlagenzins statt wie bisher 0,5%-Punkte. Entsprechend hat sich beim Leitzins eine deutlich größere Zinssenkung ergeben. In einer ersten Reaktion nach der Pressekonferenz der EZB haben die Aktienmärkte mit Verlusten reagiert. Der Stoxx600 hat einen Rückgang von -0,7% verzeichnet, konnte diesen bis Handelsschluss aber teilweise wieder ausgleichen.
Eine Woche später am 18.09. wurde es dann richtig spannend. Da hat die FED über die Zinsen entschieden. Wesentlicher Unterschied zu den letzten FED-Sitzungen war dieses Mal, dass vorher noch nicht klar war, was die FED entscheiden wird. Klar war nur, dass die Zinsen senken werden. Unklarheit herrschte aber noch darüber, ob die Zinsen um 0,25%-Punkte oder gleich um 0,5%-Punkte sinken werden.
Die FED hat sich letztlich für einen großen Zinsschritt entschieden und den Leitzins erstmals seit dem letzten Zinserhöhungszyklus gesenkt – und das um gleich 0,5%-Punkte auf eine Spanne von 4,75% bis 5,00%. In meiner letzten Markteinschätzung hatte ich noch erwähnt, dass das Risiko eines großen Zinsschritts darin liegt, dass die Marktteilnehmer dies als Warnsignal auffassen könnten, dass die Wirtschaft doch vor einer konjunkturellen Abkühlung steht. Auf der anderen Seite haben Leitzinssenkungen auf den Aktienmarkt in der Regel eine positive Auswirkung. Fraglich war also wie die Aktienmärkte reagieren werden.
Direkt zur Veröffentlichung hat der S&P 500 zunächst leicht zugelegt, hat die Gewinne bis zum Abend dann aber wieder vollständig abgegeben. Entscheidend war aber die Reaktion am Folgetag. Hier stieg der S&P 500 fast +2% und festigte sich damit auf einem neuen Allzeithoch. Damit können wir festhalten, dass die Aktienmärkte Zinssenkungen aktuell begrüßen. Die FED hat bei ihrer Notenbanksitzung außerdem gesagt, dass ein weiterer großer Zinsschritt noch dieses Jahr (also eine weitere Zinssenkung um 0,5%-Punkte) möglich ist. Einen konkreten Fahrplan hat sie dafür aber nicht gegeben.
Wir erinnern uns aber einmal kurz: Anfang November letztes Jahr startete eine über Monate andauernde Rallye an den Aktienmärkten, weil die FED die Aktienmärkte auf 3 Zinssenkungen von in Summe 75 Basispunkten (0,75%-Punkte) eingestellt hat. Einen Dämpfer an den Aktienmärkten gab es dann im Frühjahr dieses Jahr, als aufgrund einer anhaltend hohen Inflation sogar davon die Rede war, dass die Zinsen dieses Jahr gar nicht mehr sinken würden. Inzwischen ist sogar eine Zinssenkung von 1,25%-Punkten in diesem Jahr realistisch. Die Aktienmärkte bekommen also genau das, was sie wollten.
Betrachten wir die Daten des FED-Watch-Tools, welches auf Basis von Futures versucht die Wahrscheinlichkeit einer Zinssenkung zu ermitteln, liegt die Wahrscheinlichkeit für eine Zinssenkung im November (am 07.11.) um 25 Basispunkte bei 63%. Die Wahrscheinlichkeit für einen großen Zinsschritt und somit eine Zinssenkung um 50 Basispunkte liegt bei 37%.
Bis dahin vergeht natürlich noch einiges an Zeit. Aktuell ist es aber wie bereits bei der letzten FED-Sitzung unklar wie expansiv die FED vorgehen wird.
Die nächsten Termine der FED & EZB:
- Zinsentscheid der EZB: 17.10.2024 um 14:15
- Zinsentscheid der FED: 07.11.2024 um 20:00
Berichtssaison
Im dritten Monat eines Quartals ist es im Rahmen der Berichtssaison sehr ruhig. Im September gab es kaum größere Unternehmen, die ihre Zahlen vorgelegt haben und von denen eine Auswirkung auf den Gesamtmarkt hätte ausgehen können.
Interessant wird es dafür wieder im Oktober. Am 15.10. startet die Berichtssaison mit den Quartalszahlen der Banken (unter anderem Goldman Sachs und JP Morgan). Die Schwergewichte des S&P 500 folgen dann Ende des Monats (hierzu gehören unter anderem Apple, Amazon, Microsoft, Alphabet und Meta). Die Entwicklung der Quartalsergebnisse kann dann auch wieder Auswirkung auf den Gesamtmarkt haben. Speziell in der zweiten Monatshälfte wird daher wieder der Blick auf die Berichtssaison interessant.
Kalender – anstehende Wirtschaftstermine
| Datum / Uhrzeit | Termin |
|---|---|
| 02.10. um 14:15 | ADP-Arbeitsmarktbericht |
| 03.10. um 16:00 | ISM Non-Manufacturing Index |
| 04.10. um 14:30 | US-Arbeitsmarktbericht (September) |
| 08.10. um 08:00 | Industrieproduktion Deutschland (August) |
| 10.10. um 14:30 | Inflation USA (September) |
| 11.10. um 08:00 | Inflation Deutschland (September final) |
| 11.10. um 14:30 | Produzentenpreise USA (September) |
| 15.10. um 11:00 | Industrieproduktion Euro-Zone (August) |
| 15.10. um 11:00 | ZEW-Konjunkturerwartungen |
| 17.10. um 11:00 | Inflation Euro-Zone (September final) |
| 17.10. um 14:15 | EZB-Zinsentscheid |
| 17.10. um 14:30 | Einzelhandelsumsätze USA (September) |
| 17.10. um 15:15 | Industrieproduktion USA (September) |
| 23.10. um 16:00 | Verbrauchervertrauen Euro-Zone |
| 24.10. um 09:30 | Einkaufsmanagerindizes (PMI) Deutschland |
| 24.10. um 10:00 | Einkaufsmanagerindizes (PMI) Euro-Zone |
| 24.10. um 15:45 | Einkaufsmanagerindizes (PMI) USA |
| 25.10. um 10:00 | Ifo-Geschäftsklimaindex |
| 29.10. um 15:00 | Verbrauchervertrauen USA |
| 30.10. um 09:55 | Arbeitslosenquote Deutschland (Oktober) |
| 30.10. um 10:00 | BIP Deutschland (Q3 vorläufig) |
| 30.10. um 11:00 | BIP Euro-Zone (Q3 vorläufig) |
| 30.10. um 14:00 | Inflation Deutschland (Oktober vorläufig) |
| 31.10. um 11:00 | Inflation Euro-Zone (Oktober vorläufig) |
| 31.10. um 13:30 | PCE (private Konsumausgaben) USA (September) |
| 01.11. um 13:30 | US-Arbeitsmarktbericht (Oktober) |
Fazit zur Markteinschätzung Oktober
In den letzten Monaten haben wir gerade kurzfristig immer mal wieder eine höhere Volatilität am Aktienmarkt gesehen. Die Lage hat sich aber immer wieder schnell beruhigt. Im Sinne eines langfristig gesunden Aufwärtstrends ist das eigentlich eine gute Entwicklung. Kritisch sind immer Phasen mit einer äußerst niedrigen Volatilität. Dann ist nämlich klar, dass es früher oder später mal zu einem kleinen Knall kommen muss. Gemeint ist hiermit eine Korrektur im Bereich 5-10%. Diese haben wir in den letzten beiden Monaten nun zwei Mal gesehen. So gesehen steigt die Wahrscheinlichkeit, dass wir uns künftig wieder in einem ruhigen Marktumfeld bewegen.
Die Zentralbanken haben im September geliefert wie erwartet. Besonders wichtig war hierbei, dass die große Zinssenkung der FED um 50 Basispunkte positiv aufgenommen wurde. Den Zinsschritt hätte man auch als Befürchtung einer konjunkturellen Abkühlung einordnen können. Die freundliche Entwicklung der Aktienmärkte nach dem FED-Zinsentscheid bis zum Monatsende hat jedoch gezeigt, dass die Freude auf sinkenden Zinsen überwiegt.
Die Tatsache, dass auch bei den kommenden Notenbanksitzungen mit weiteren Zinssenkungen zu rechnen ist, schafft nun ein für die Aktienmärkte freundliches Marktumfeld. Ohne gravierend schlechte Nachrichten (die wir natürlich nie ausschließen können) gibt es keinen Grund für größere Kursrückgänge.
Fairerweise muss man aber auch sagen, dass die Aktienmärkte inzwischen wieder ein hohes Niveau erreicht haben und die Luft dünner wird. Gerade kleinere Rücksetzer eignen sich aber immer wieder für Käufe. Wichtig wird auch der Start in die Berichtssaison. Sind vor allem die US-Großkonzerne in der Lage die Erwartungen hinsichtlich ihrer Umsatz- und Gewinnentwicklung zu übertreffen und liefern sie dabei noch einen guten Ausblick, steht einem freundlichen Jahresausklang wenig im Wege.
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