Ziel der Markteinschätzung November
In diesem Beitrag möchte ich dir meine Markteinschätzung für die Aktienmärkte für den November vorstellen. Zunächst werfen wir aber einen Blick auf die Performance der letzten Wochen und Monate. Anschließend untersuche ich mit dir in der Chartanalyse für die wichtigsten Indizes auf welche Kursniveaus es jetzt ankommt. Ein besonderer Fokus liegt in dieser Ausgabe auf den Entscheidungen der Notenbanken. Ziel der Markteinschätzung ist, dass du weißt, was du in den nächsten Wochen am Aktienmarkt erwarten kannst.
Performance-Rückblick
Index-Heatmap
Nach einem starken Start in den Oktober sind die Aktienmärkte vor allem in den letzten Handelstagen des Monats dann doch unter Druck geraten. Am Ende sind bei den meisten Indizes auf Monatssicht Verluste zu verzeichnen gewesen. Der DAX beendet den Oktober mit einem kleinen Verlust von -1,3%. Damit hält sich der deutsche Leitindex stabiler als der MDAX (-2,0%). Besonders enttäuschend zeigten sich die Nebenwerte des SDAX mit einem großen Verlust von -5,6%.
Im europäischen Vergleich schlägt sich der DAX mit seinen -1,3% noch relativ gut. Der Stoxx600 musste hingegen einen deutlich größeren Rückgang von -3,4% verzeichnen. Die US-Börsen liegen in etwa gleichauf mit dem DAX. Der S&P 500 verlor -1,0% und auch der Nasdaq100 gab mit -0,9% leicht nach.
Performance im Oktober
Der Monatschart für den Oktober zeigt, dass nach kleinen Verlusten direkt zu Beginn des Monats, in der weiteren ersten Monatshälfte deutliche Gewinne verzeichnet werden konnten. Die US-Börsen haben sich dabei aber etwas besser entwickelt als der DAX und der Stoxx50. Vor allem zur Monatsmitte ist der europäische Aktienmarkt dann verhältnismäßig stark unter Druck geraten.
Nachdem der DAX zu Monatsbeginn auf die US-Börsen noch einen kleinen Rückstand verzeichnet hat, konnte er diesen im weiteren Verlauf des Monats nahezu vollständig aufholen. Erst in den letzten Handelstagen ist der DAX dann etwas stärker unter Druck geraten. Die Tatsache, dass auch die US-Börsen in den letzten Handelstagen Verluste verzeichnet haben, zeigt aber, dass wir hier eine allgemeine Marktschwäche sehen und nicht nur einzelne Indizes oder Regionen betroffen sind.
Performance im letzten Jahr
Über die letzten zwölf Monate liegt der S&P 500 mit dem Nasdaq100 mit einem Gewinn von +36% beziehungsweise +38% inzwischen nahezu gleichauf. Aufgrund einer Schwächephase im Juli hat der Nasdaq100 einen Teil seiner Outperformance abgeben müssen. Die US-Börsen liegen aber nach wie vor klar vor dem europäischen Aktienmarkt. Der Stoxx600 kam in den letzten zwölf Monaten auf eine Rendite von +18% – was absolut betrachtet immer noch sehr gut ist.
Aus Europa zeigt sich der DAX sehr stark. Der deutsche Leitindex konnte seine Outperformance zum Stoxx600 in den letzten Wochen nochmal etwas ausbauen. Auf Sicht der letzten zwölf Monate konnte der DAX um +30% steigen und zeigt damit, dass vor allem auf die deutschen Large-Caps Verlass ist. Der MDAX kam hingegen nur auf eine Steigerung von +10% und liegt damit weiterhin deutlich hinter dem DAX.
Blick auf die Volatilität: VIX
Das etwas unruhigere Marktumfeld der letzten Tage macht sich auch beim VIX bemerkbar. Der VIX notiert aktuell bei 22 und damit höher als auf einem für ruhige Marktverhältnisse üblichen Niveau. Allgemein wird bei einem VIX von unter 20 von einem ruhigen Marktumfeld gesprochen. Die Verluste der letzten Tage haben also wieder für eine Zunahme der Verunsicherung geführt.
Ohnehin haben wir uns die letzten Wochen deutlich von den langanhaltenden niedrigen Volatilitätsniveaus entfernt, die wir vor allem in der ersten Jahreshälfte hatten. Zu dieser Zeit hat sich der VIX oft über längere Zeit unter einem Niveau von 15 bewegt.
Das leicht erhöhte Volatilitätsniveau ist aber alles andere als Grund zur Sorge. Von dem Vola-Hoch Anfang August sind wir weit entfernt und allzu schnell werden wir so hohe Niveaus im VIX auch nicht wieder sehen. Im Sinne eines langfristig stabilen Aufwärtstrends sind zwischenzeitliche Phasen erhöhter Volatilität auch ganz gesund, um so einem zu euphorischen Marktumfeld vorzubeugen.
Tops & Flops im Oktober
Für den deutschen Aktienmarkt werden die 100 Aktien des HDAX betrachtet:
Top/Flop Aktien aus dem HDAX (Deutschland)
Top/Flop Aktien aus dem Nasdaq100 (USA)
Top/Flop Aktien aus Europa (Stoxx Europe 50)
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Performance einzelner Branchen
Für die Analyse zyklischer und defensiver Sektoren werden die Branchenindizes des S&P 500 und Stoxx600 betrachtet. Im Oktober lagen die defensiven Sektoren und die zyklischen Sektoren etwa gleichauf. Bei den defensiven Sektoren sehen wir einen Verlust von -2,3% und bei den zyklischen Sektoren -2,6%.
Im Oktober haben wir am Gesamtmarkt leichte Verluste gesehen. Normalerweise geht von defensiven Sektoren dann eine höhere Stabilität aus, die diese Verluste etwas abfedern. Hier ist es allerdings der Sektor Gesundheitswesen, der mit einem ungewöhnlich hohen Verlust auf die Performance der defensiven Sektoren drückt.
Chartanalyse - Markteinschätzung November
Chartanalyse für den DAX
In meiner letzten Markteinschätzung hatte ich für den DAX geschrieben, dass ich ein Rückgang bis in den ersten Unterstützungsbereich (zwischen 18.600 und 18.900 Punkten) bereits sehr gut für einen Einstieg anbieten würde. Der ehemalige Widerstand (welcher bis zuletzt noch rot gefärbt war) ist inzwischen eine Unterstützung (Unterstützung 1) und daher grün. Diese Zone resultiert aus zahlreichen Hochs, die der DAX im Laufe des Jahres markiert hat. Mit dem dynamischen Anstieg über diesen Widerstand Ende September hat der DAX dieses Niveau nachhaltig überschritten und in eine Unterstützung umgewandelt.
Anfang Oktober ist genau das erwartete Idealszenario eingetreten: Der DAX hat eine kleine Korrektur verzeichnet und hat knapp oberhalb dieser Unterstützung wieder nach oben gedreht. Auch jetzt kommt es wieder auf dieses Niveau an, da sich der DAX aufgrund des Kursrückgangs der letzten Tage nur noch knapp oberhalb dieser ersten Unterstützungszone befindet. Es bleibt dabei, dass auch ein Rückgang bis an das untere Ende dieser Begrenzung unproblematisch ist und eher als attraktiv für einen Einstieg anzusehen ist.
Alle weiteren Unterstützungen sind inzwischen derart weit entfernt, dass sie für den November eine eher untergeordnete Rolle spielen. Sie bleiben im Chart für eine bessere Orientierung für die langfristige Entwicklung aber nach wie vor eingezeichnet.
Sollte der DAX dennoch unter das Niveau von 18.600 Punkten fallen, ist das im Sinne des langfristigen Aufwärtstrends nach wie vor unproblematisch. In diesem Fall bietet die 200-Tage-Linie bei aktuell rund 18.300 Punkten sowie knapp darunter die Unterstützungszone 2 (zwischen 17.950 und 18.200 Punkten) eine gute Unterstützung. Wie gesagt ist ein Rückgang bis in diesen Bereich im November aber eher unwahrscheinlich.
Auf dem Weg nach oben kristallisiert sich über die letzten Wochen so langsam ein neuer kleiner Widerstand heraus. Dieser resultiert aus dem Allzeithoch bei rund 19.670 Punkten. Dieses Allzeithoch hat der DAX am 18.10.2024 erstmalig markiert. Am 29.10. hat der DAX dieses Niveau wieder angelaufen ist dann aber abrupt nach unten gedreht. Ein Angriff auf das Allzeithoch im November ist durchaus möglich. Damit der DAX aber auch die psychologisch wichtige Marke von 20.000 Punkten ins Visier nehmen kann, ist eine freundliche Marktstimmung nach der US-Wahl sowie ein weiterer positiver geldpolitischer Impuls der FED erforderlich.
Chartanalyse für den S&P 500
Für den S&P 500 habe ich in meiner letzten Markteinschätzung im Optimalfall eine Korrektur bis maximal rund 5.580 Punkte in Aussicht gestellt. Hierbei hätte es sich um eine Korrektur der Hälfte der Aufwärtsbewegung des Septembers gehandelt. Einen Rückgang bis auf das Unterstützungsniveau bei rund 5.400 Punkten habe ich für den Oktober hingegen als unwahrscheinlich ausgearbeitet.
Entgegen der Wunschvorstellung einer kleinen Korrektur bis 5.580 Punkte zur Vermeidung einer Überhitzung hat der S&P 500 seine Aufwärtsbewegung weiter fortgesetzt, dann in der zweiten Monatshälfte im Bereich von 5.880 Punkten (blau markiert) allerdings ein Top ausgebildet, welches nun einen Widerstand auf dem weiteren Weg nach oben darstellt.
Die kleine Korrektur haben wir dafür dann die letzten Tage gesehen. Aktuell notiert der S&P 500 knapp über dem ehemaligen Allzeithoch vom Sommer dieses Jahr bei rund 5.670 Punkten (lila). Stabilisiert sich der Index auf diesem Niveau, kann ausgehend davon im November wieder eine neue Aufwärtsbewegung starten, die es dem Index auch ermöglichen kann ein neues Allzeithoch zu erzielen.
Weiterhin gilt, dass der erste grüne Unterstützungsbereich bei rund 5.400 Punkten langfristig die wichtigste Unterstützung ist. Hier liegt das letzte markante Tief aus dem September. Außerdem verläuft knapp darunter aktuell die 200-Tage-Linie. Ausgehend vom aktuellen Kursniveau würde ein Rückgang bis auf diese Unterstützung allerdings einem Verlust von -6% entsprechen, was eher unwahrscheinlich ist.
Ein Bruch der Unterstützung von 5.670 Punkten hätte allerdings keinesfalls zur Folge, dass der S&P 500 zunächst bis auf das Niveau von 5.400 Punkten weiter korrigieren muss. Wahrscheinlicher wäre es dann, dass der Index nach etwa der Hälfte der letzten Aufwärtsbewegung (beginnend Anfang September von 5.400 bis 5.880 Punkten) wieder nach oben dreht – das wäre bei einem Kursniveau von 5.640 Punkten der Fall.
Gelingt Anfang November nun eine Stabilisierung auf den genannten Niveaus (5.670 oder spätestens rund 5.640 Punkte), kann der S&P 500 seinen langfristigen Aufwärtstrend weiter fortsetzen. Wie bereits beim DAX erwähnt, wird es hierfür allerdings auf die Stimmung am Markt ankommen, welche primär durch die US-Wahl und die FED-Sitzung in der ersten Novemberwoche vorgegeben wird und welche sich im Rahmen dieser Analyse natürlich nicht prognostizieren lässt.
Chartanalyse für den Nasdaq100
Für den Nasdaq100 ist der erste grüne Unterstützungbereich zwischen 19.300 und 19.700 Punkten kurzfristig betrachtet die wichtigste Supportzone. Die obere Begrenzung dieses Bereichs hat der Nasdaq100 Anfang Oktober auch direkt für eine Stabilsierung genutzt. Anschließend konnte der Nasdaq100 wieder in Richtung Allzeithoch von 20.670 Punkten (lila) steigen. Dieses Niveau habe ich in meiner letzten Markteinschätzung auch als realistisches Ziel für einen Anstieg im Oktober herausgestellt – und dieses hat der Nasdaq100 perfekt abgearbeitet.
Der Bruch der im Chart grau dargestellten Aufwärtstrendlinie ist unkritisch. Diese Trendlinie diente bislang nur der Orientierung, da sie noch nicht bestätigt wurde. Ohnehin verlief diese Trendlinie für einen langfristigen Trend zu steil.
Nach dem leichten Kursrückgang zuletzt nähert sich der Nasdaq100 nun wieder seiner kurzfristig wichtigsten Unterstützungszone zwischen 19.300 und 19.700 Punkten. Ein Rückgang bis auf das untere Niveau dieses Unterstützungsbereichs wäre im November alles andere als ein Problem und sollte einkalkuliert werden. Kommt es dann in diesem Bereich zu einer Stabilisierung, eignet sich das sehr gut für einen Einstieg.
Auch eine Ausweitung der Verluste bis zum nächsten Unterstützungsbereich zwischen 18.200 und 18.450 Punkten wäre langfristig betrachtet unkritisch, auch wenn der Nasdaq100 dabei natürlich kurzfristiges Momentum einbüßen würde. Für den November ist solch ein Rückgang aber eher nicht zu erwarten, da es sich ausgehend vom aktuellen Kursniveau dabei um einen Verlust von fast -9% handeln würde. Wichtig ist nur, dass du weißt, dass der langfristige Aufwärtstrend selbst bei einem Rückgang dieser Größenordnung nicht in Gefahr wäre.
Der Optimalfall für den November ist, dass der Nasdaq100 im Laufe des Monats in seiner ersten Unterstützungszone zwischen 19.300 und 19.700 eine Stabilisierung vollzieht und anschließend wieder das Allzeithoch von 20.670 Punkten ins Visier nimmt. Solch ein Rückgang ist aber optional und vor allem auch davon abhängig wie die Stimmung nach der US-Wahl und dem FED-Zinsentscheid ist.
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Wahl in den USA
Eines der wichtigsten Events in den kommenden Wochen ist selbstverständlich die US-Wahl, welche bereits in der kommenden Woche am 05.11. stattfindet. Gewissheit, wer die Wahl gewonnen hat, dürften wir aber erst am 06.11. im Laufe des Vormittags unserer Zeit haben.
Nach aktuellen Umfragen ist überhaupt nicht klar, wer das Rennen für sich entscheiden wird. Trump und Harris liegen in etwa gleichauf.
Die gute Nachricht ist: Es lässt sich nicht pauschal sagen, dass die Aktienmärkte kurzfristig um 5-10% steigen (oder fallen werden) wenn Trump oder Harris die Wahl gewinnt. Vor allem mittel- bis langfristig hat der Ausgang der Wahl für die Börsen eine eher untergeordnete Bedeutung.
Kurzfristig kann es allerdings zu hoher Volatilität kommen – vor allem dann, wenn es im Nachgang an die Wahl zu Unruhen kommt und Ergebnisse angezweifelt werden. Vorteilhaft wäre es daher, wenn einer der beiden Konkurrenten die Wahl deutlich für sich entscheiden würde.
Vor acht Jahren, als Trump das erste Mal zum Präsidenten gewählt wurde, haben die Aktienmärkte darauf mit einer Achterbahnfahrt reagiert. Der folgende Chart zeigt dir zunächst die Reaktion des DAX um den Wahltag, welcher damals der 08.11.2016 war.
Der DAX eröffnete damals am Tag nach der Wahl (09.11.2016) mit einem Verlust von -2,9%, beendete den Handelstag dann aber mit einem Gewinn von +1,6%. Als erste Reaktion auf das Wahlergebnis haben die Börsen gerade in Europa große Verluste verzeichnet, weil mit Trump damals eine große Unsicherheit einherging. Im Tagesverlauf haben die Aktienmärkte ihre Verluste aber schnell wieder ausgeglichen. Wie sah das Ganze damals an den US-Börsen aus?
Die Verluste, die die europäischen Börsen am Vormittag nach dem Wahltag verzeichnet haben, waren in den USA überhaupt nicht zu sehen. Auch hier gab es zwar einen volatileren Handelstag, am Ende des Tages schloss der S&P 500 am ersten Tag nach der Wahl aber mit einem Gewinn von +1,0%. Anschließend startete über die nächsten Wochen eine starke Rallye, die noch deutlich weiter reicht, als es hier im Chart zu sehen ist.
Damit möchte ich dir Folgendes sagen: Die Verunsicherung vor einem US-Präsidenten Trump war vor acht Jahren riesig. Kurzfristig war das auch an den Börsen zu spüren. All die Sorgen damals waren aber unbegründet. Erneut möchte ich mich damit nicht festlegen, ob Trump oder Harris für die Börsen als Sieger oder Siegerin der Wahl besser wäre. Ich will dir aber klar sagen, dass du mit Blick auf die Aktienmärkte keine Angst vor der Wahl haben musst. Berücksichtige einfach, dass es kurzfristig zu größeren Kursschwankungen kommen kann, mittelfristig ist das aber alles halb so wild.
Entwicklung der Inflation
Inflation in den USA
Die letzten Inflationsdaten aus den USA wurden am 10.10. veröffentlicht und beziehen sich auf die Preisentwicklung im September. Nach einem deutlichen Rückgang der Inflation im August wurde für den September ein weiterer Rückgang der US-Inflationsrate von 2,5% auf 2,3% erwartet. Tatsächlich ist die Inflation aber nur leicht auf 2,4% zurückgegangen.
Anders als bei der Veröffentlichung der Inflationsdaten im September, zeigten sich die Aktienmärkte nun allerdings wenig beeindruckt. Trotz der leichten Abweichung in eine für die Aktienmärkte schlechte Richtung, gab es an den Börsen kaum eine nennenswerte Reaktion.
Entscheidend ist, dass sich die Inflationsrate in den USA weiterhin dem Bereich von 2,0% nähert. Auch ein Verharren auf dem aktuellen Niveau ist im Sinne einer Fortsetzung der Zinssenkungen zu begrüßen. Die nächsten Inflationsdaten für die USA kommen dann am 13.11.2024.
Inflation in der Euro-Zone
Die finalen Inflationsdaten für die Euro-Zone für den September wurden am 17.10. veröffentlicht. Demnach ist die Inflationsrate in der Euro-Zone im September mit 1,7% sogar noch etwas geringer ausfallen als es nach der ersten Schätzung Anfang des Monats prognostiziert wurde (1,8%). Im Vergleich zu den Daten vom August, als die Inflationsrate noch bei 2,2% lag, ist also auch in der Euro-Zone ein deutlicher Rückgang zu sehen.
Etwas Gegenwind gibt es allerdings von den vorläufigen Inflationsdaten für den Oktober, welche am 31.10. veröffentlicht wurden. Demnach soll die Inflation im Oktober wieder leicht gestiegen sein auf 2,0% – erwartet wurde hingegen nur ein Anstieg von 1,7% auf 1,9%. Eine nennenswerte Kursreaktion an den Aktienmärkten gab es allerdings nicht.
Was machen die Notenbanken?
Nachdem es im September in Sachen Geldpolitik richtig spannend geworden ist, da unklar war, in welcher Größenordnung die FED die Zinsen senken wird (es war dann doch der größere Zinsschritt um 50 Basispunkte), verlief der Oktober geldpolitisch deutlich ruhiger. Von der FED gab es im Oktober keinen weiteren Zinsentscheid, dafür war die EZB aber erneut an der Reihe. Die EZB hat den Leitzins weiter gesenkt von 3,65% auf nun 3,25%. Auch der Einlagenzins ist weiter gefallen von 3,5% auf 3,4%. Damit hat sich die EZB im Rahmen der Erwartungen bewegt.
Weitere geldpolitische Impulse könnte es bereits in wenigen Tagen geben: Am 07.11. steht der nächste Zinsentscheid der FED an. So spannend wie im September dürfte es dabei allerdings nicht werden. Eine weitere Zinssenkung um weitere 0,25%-Punkte ist so gut wie sicher.
Laut den Daten des FED-Watch-Tools liegt die Wahrscheinlichkeit für solch eine Zinssenkung aktuell bei 93%. Die restlichen 7% entfallen auf einen sich nicht verändernden Leitzins. Damit ist die Erwartungshaltung aktuell allerdings etwas weniger expansiv als sie noch vor einem Monat war. Damals lag die Wahrscheinlichkeit für eine Zinssenkung um 25 Basispunkte zwar nur bei 63%, die restlichen 37% gingen hingegen von einem weiteren großen Zinsschritt um 50 Basispunkte aus.
Aber selbst mit der nun erwarteten Zinssenkung würden die Aktienmärkte in Summe für dieses Jahr eine Zinssenkung in dem Umfang bekommen, mit der sie vor genau einem Jahr gerechnet haben. Erinnern wir uns kurz: Anfang November 2023 starteten die Aktienmärkte eine starke Rallye, als die FED Zinssenkungen im Rahmen von insgesamt 75 Basispunkten (also 0,75%-Punkte) für das Jahr 2024 in Aussicht gestellt hat. Insgesamt können wir uns über die Geldpolitik aktuell also nicht beschweren.
- Zinsentscheid der FED: 07.11.2024 um 20:00
- Zinsentscheid der EZB: 12.12.2024 um 14:15
Berichtssaison
Vor allem die abgelaufene Woche hatte es in Sachen Quartalszahlen in sich. In der letzten Oktoberwoche haben die US-Schwergewichte Alphabet, Microsoft, Apple, Amazon und Meta ihre Quartalszahlen vorgelegt. Da allein diese fünf Unternehmen fast einen Anteil von 25% der Marktkapitalisierung des S&P 500 ausmachen, ist deren Kursreaktion in der Lage die Richtung des Gesamtmarktes maßgeblich zu beeinflussen.
Beim Blick auf die Ergebnisse fällt vor allem auf, dass die meisten Unternehmen die jeweilige Erwartung hinsichtlich Umsatz und Gewinn übertreffen konnten – teilweise sogar deutlich. Dass aber starke Quartalszahlen nicht unbedingt zu Kursgewinnen führen, haben Mitte des Monats bereits ASML und UnitedHealth gezeigt. Vor allem ASML lag deutlich über den Erwartungen, dennoch ist die Aktie als Reaktion auf die Quartalszahlen um -16% eingebrochen. Grund dafür waren aber nicht die Zahlen des abgelaufenen Quartals, sondern eine gesenkte Prognose.
Überzeugen konnten dafür Tesla, Alphabet, und Amazon, die vor allem beim Gewinn jeweils deutlich über den Erwartungen lagen. Vor allem die Aktien von Tesla reagierten mit großen Gewinnen – das ist für die Tesla-Aktie als Reaktion auf die Earnings aber auch nicht ungewöhnlich. Aber auch Microsoft und Amazon verzeichneten positive Kursreaktionen. Bei diesen Aktien handelt es sich aber auch um einige der wenigen Ausnahmen, die deutliche Gewinne als Reaktion auf die Vorlage des Quartalsberichts verzeichnen konnten.
Die Prognosen deutlich geschlagen haben auch Microsoft, Meta und Apple. Trotzdem sind hier teilweise deutliche Verluste zu sehen. Microsoft hat trotz eines Gewinns deutlich über den Erwartungen sogar einen Kursverlust von -6,1% verzeichnet.
Allgemein sehen wir bei dieser Berichtssaison die Tendenz, dass es nur selten große Gewinne als Reaktion auf die Quartalszahlen gibt. Stattdessen sehen wir trotz geschlagener Erwartungen häufig Verluste. An der Börse dreht sich zwar alles um Erwartungen und ob diese geschlagen werden, letztlich handelt es sich bei den erwarteten Umsätzen und Gewinnen aber auch nur um Schätzungen von Analysten. In der laufenden Berichtssaison waren die tatsächlichen Erwartungen der Investoren einfach nochmal höher.
Das bedeutet: Deutliche Gewinne konnte eine Aktie nur dann verzeichnen, wenn sie entweder weit über den Prognosen lag und / oder sie gleichzeitig einen starken Ausblick für das laufende Quartal beziehungsweise das nächste Jahr präsentieren konnte. Angesichts der großen Kursgewinne, die wir dieses Jahr aber schon gesehen haben, verwundert diese Entwicklung nicht wirklich. Die Aktienkurse haben viel vorweg genommen und die Unternehmen müssen nun liefern.
Die Schwäche, die wir die letzten Tage am Markt gesehen haben, lässt sich somit sicherlich auch zum Teil durch die schwachen Kursreaktionen infolge der Quartalszahlen begründen. Inzwischen haben nun zwar bereits die US-Großkonzerne ihre Zahlen vorgelegt, die Berichtssaison läuft aber noch weiter. Daher gilt es auch in den kommenden Wochen vor allem ein Auge auf die Aktien zu haben, die du im Depot hast und dich bei fallenden Kursen infolge der Vorlage von Quartalszahlen nicht verunsichern zu lassen.
Kalender – anstehende Wirtschaftstermine
| Datum / Uhrzeit | Termin |
|---|---|
| 05.11. ganztägig | US-Präsidentschaftswahl |
| 05.11. um 16:00 | ISM Non-Manufacturing Index |
| 07.11. um 08:00 | Industrieproduktion Deutschland (September) |
| 07.11. um 20:00 | FED-Zinsentscheid |
| 12.11. um 08:00 | Inflation Deutschland (Oktober final) |
| 12.11. um 11:00 | ZEW-Konjunkturerwartungen |
| 13.11. um 14:30 | Inflation USA (Oktober) |
| 14.11. um 11:00 | BIP Euro-Zone (Q3 Schätzung) |
| 14.11. um 11:00 | Industrieproduktion Euro-Zone (September) |
| 14.11. um 14:30 | Produzentenpreise USA (Oktober) |
| 15.11. um 14:30 | Einzelhandelsumsätze USA (September) |
| 15.11. um 15:15 | Industrieproduktion USA (Oktober) |
| 19.11. um 11:00 | Inflation Euro-Zone (Oktober final) |
| 21.11. um 16:00 | Verbrauchervertrauen Euro-Zone |
| 22.11. um 08:00 | BIP Deutschland (Q3 final) |
| 22.11. um 09:30 | Einkaufsmanagerindizes (PMI) Deutschland |
| 22.11 um 10:00 | Einkaufsmanagerindizes (PMI) Euro-Zone |
| 22.11. um 15:45 | Einkaufsmanagerindizes (PMI) USA |
| 22.11. um 16:00 | Uni Michigan Sentiment |
| 25.11. um 10:00 | Ifo-Geschäftsklimaindex |
| 26.11. um 16:00 | Verbrauchervertrauen USA |
| 27.11. um 16:00 | PCE (private Konsumausgaben) USA (Oktober) |
| 28.11. um 14:00 | Inflation Deutschland (November vorläufig) |
| 29.11. um 09:55 | Arbeitslosenquote Deutschland (November) |
| 29.11. um 11:00 | Inflation Euro-Zone (November vorläufig) |
Fazit zur Markteinschätzung November
Über die letzten Monate sehen wir eine höhere Volatilität, als wir sie aus dem Sommer dieses Jahr gewohnt waren. Innerhalb des Aufwärtstrends sehen wir über einzelne Tage immer mal kleine Korrekturen von 3-5%, was für den langfristigen Aufwärtstrend eine ganz gesunde Entwicklung ist.
Die laufende Berichtssaison konnte bislang keine großen positiven Impulse setzen. Zwar haben unter anderem die Aktien von Alphabet, Tesla und Amazon positiv auf die Earnings reagiert. Tendenziell sehen wir aber Kursverluste selbst dann bei einigen Aktien, wenn die Erwartungen übertroffen wurden. Mit dem starken Kursanstieg der letzten Wochen und Monate wurde hier also insgeheim schon eine höhere Erwartung eingepreist. Die durchschnittlich eher negative Reaktion auf die Quartalszahlen ist auch ein Grund für die Kursschwäche der letzten Tage am Gesamtmarkt.
Langfristig betrachtet ist aber nach wie vor alles absolut in Ordnung. Die Aktienmärkte befinden sich in stabilen Aufwärtstrends und wie du in der Chartanalyse gesehen hast, gibt es gute Unterstützungszonen.
Eine Prognose für den November aufzustellen ist allerdings alles andere als einfach. Gleich in der ersten Novemberwoche stehen mit der Wahl in den USA sowie dem FED-Zinsentscheid zwei enorm wichtige Ereignisse an, die vor allem kurzfristig eine große Auswirkung auf die Kurse haben können. Wichtig ist, dass du die Reaktionen richtig einzuordnen weißt und keinesfalls panisch reagierst. Hierzu habe ich dir auch die Reaktion der Börsen bei der Wahl von Trump vor acht Jahren gezeigt.
Für die erste Novemberwoche heißt es also beobachten und abwarten. Sofern die Marktstimmung nach beiden Events positiv ist, dürfte es für die Aktienmärkte kein Problem sein, ihre Allzeithochs anzugreifen.
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