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Markteinschätzung August

Titelbild zur Markteinschätzung August

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Ziel der Markteinschätzung August

In diesem Beitrag möchte ich dir meine Markteinschätzung für die Aktienmärkte für den August vorstellen. Zunächst werfen wir aber einen Blick auf die Performance der letzten Wochen und Monate. Anschließend untersuche ich mit dir in der Chartanalyse für die wichtigsten Indizes auf welche Marken es jetzt ankommt. Außerdem werte ich in der fundamentalen Marktanalyse unter anderem die Inflation und die Entscheidungen der Notenbanken aus. Ziel der Markteinschätzung ist, dass du weißt, was du in den nächsten Wochen am Aktienmarkt erwarten kannst.

Performance-Rückblick

Index-Heatmap

Auf den ersten Blick sieht es bei den Monatsrenditen der Indizes nach einem sehr ruhigen Juli aus. Wie wir aber natürlich alle wissen, wurde es vor allem die beiden letzten Wochen an den Aktienmärkten turbulent. Dank einer starken ersten Monatshälfte sind einige Indizes dennoch in der Lage gewesen den Juli mit einem Gewinn abzuschließen.

Im Juli hat der DAX einen Gewinn von +1,5% verzeichnen können. Ähnlich sieht es am breiten europäischen Aktienmarkt aus: Der Stoxx600 beendet den Juli mit +1,3%. Auch der S&P 500 tendierte freundlich mit einem kleinen Gewinn von +1,1%. Besonders sticht aus den USA der Dow Jones hervor mit einem Gewinn von +4,4%. Allerdings ist der Dow Jones vor allem aufgrund seiner Berechnungslogik kein guter Vergleich für den breiten Akteinmarkt. Beim Nasdaq100 sehen wir für den Juli mit -1,6% hingegen einen kleinen Verlust.

Nun denkst du dir vielleicht, wie kann das sein, dass die Indizes trotz der schwachen letzten beiden Wochen dennoch tendenziell im Plus sind. Die hier gezeigte Heatmap bezieht sich nur auf den Juli. Im August hatten wir nun bereits zwei Handelstage in denen der DAX -4,6% verloren hat, der S&P 500 einen Rückgang um -3,2% verbuchen musste und der Nasdaq100 ebenfalls einen Verlust von -4,8% verzeichnet hat. Selbst, wenn wir diese Renditen in die Monatsstatistik einbeziehen wird aber klar, so schlimm waren die letzten Wochen eigentlich gar nicht.

Heatmap mit den Renditen der wichtigsten Aktienindizes im Juli
Heatmap mit den Renditen der wichtigsten Aktienindizes im Juli

Performance im Juli

Der Chart für den letzten Monat zeigt auch noch einmal, weshalb die Monatsbilanz am Ende gar nicht mal so schlecht ist. In den ersten Handelstagen im Juli haben die Aktienmärkte ihre starke Rallye weiter fortgesetzt. Bis zum 11.07. hat der Nasdaq100 einen Gewinn von fast 5% erzielt. Erst danach ging die Abwärtsbewegung los.

Auffällig ist, dass der Nasdaq100 von den hier betrachteten Indizes die größten Schwankungen verzeichnet hat. Während der US-Tech-Index am Monatsanfang noch eine deutliche Outperformance zum S&P 500, DAX und Stoxx50 verbuchen konnte, weist er gegen Monatsende die größten Verluste auf. Das zeigt auch nochmal deutlich, wie sensibel der Nasdaq100 aktuell auf die Stimmung am Markt reagiert.

Im Monatschart sind hier nun auch die beiden ersten Handelstage vom August mit einbezogen. Würden wir diese beiden Handelstage hier nicht mit betrachten, sähe der Chart auch gar nicht mal so schlecht aus. Auch hier also nochmal der Hinweis: Die besonders schwache Performance der beiden letzten Handelstage überschattet hier gerade die Entwicklung in den Wochen zuvor.

Chart für die wichtigsten Aktienindizes im Juli
Chart für die wichtigsten Aktienindizes im Juli

Performance im letzten Jahr

Während der Nasdaq100 in den letzten Monatsberichten immer mit einer klaren Outperformance auf Jahressicht überzeugen konnte, ist diese nun nahezu verschwunden. Auf Sicht der letzten zwölf Monate liegt der Nasdaq100 mit dem S&P 500 inzwischen gleichauf. Unverändert liegen die US-Indizes aber nach wie vor ein gutes Stück vor dem europäischen Aktienmarkt. Auf Jahressicht liegt die Outperformance nach wie vor bei etwa 10%-Punkten.

Der Jahreschart zeigt auch deutlich, dass sich der DAX und der Stoxx600 die letzten Monate bereits in einem Seitwärtstrend befunden haben, während die US-Indizes bis Mitte Juli in einem klaren Aufwärtstrend waren. Die Trends der einzelnen Indizes schauen wir uns gleich in der Chartanalyse genauer an.

Chart für die wichtigsten Aktienindizes (DAX, MDAX, Stoxx600, S&P 500 und Nasdaq100) die letzten 12 Monate
Chart für die wichtigsten Aktienindizes (DAX, MDAX, Stoxx600, S&P 500 und Nasdaq100) die letzten 12 Monate

Blick auf die Volatilität: VIX

Der VIX ist aufgrund der Verluste am Aktienmarkt in den letzten Tagen inzwischen deutlich auf ein Niveau von über 20 gestiegen. Ein VIX unter 20 beschreibt in der Regel ein ruhiges Marktumfeld. Ein VIX über 20 deutet hingegen auf höhere Volatilität und damit auch eine höhere Unsicherheit hin. Aktuell notiert der VIX bei 23,4 und damit so hoch wie zuletzt im März 2023.

Damals hat der S&P 500 übrigens einen Kursrückgang von -10% verzeichnet. Falls du dich daran nicht mehr erinnern kannst: Kein Problem, langfristig betrachtet vergisst man Korrekturen in dieser Größenordnung schnell. Anschließend setzten die Aktienmärkte ihre Rallye weiter fort.

In den letzten Monatsberichten habe ich immer wieder erwähnt, dass der VIX ungewöhnlich lange auf einem äußerst niedrigen Niveau notiert hat. Grund dafür war natürlich die äußerst stabile Aufwärtsbewegung insbesondere in den USA. Ich hatte aber auch gesagt, dass auf eine Phase niedriger Volatilität früher oder später eine höhere Volatilität folgen muss. Nun kann man sagen, jetzt ist es endlich soweit. Wieso endlich? Je länger die Phase der niedrigen Volatilität anhält, desto impulsiver kann dann auch die Phase einer hohen Volatilität sein. Bislang sind wir mit den Schwankungen am Aktienmarkt noch verhältnismäßig gut bedient.

Entwicklung des VIX zwischen 2020 und 2024
Entwicklung des VIX zwischen 2020 und 2024

Tops & Flops im Juli

Für den deutschen Aktienmarkt werden die 100 Aktien des HDAX betrachtet:

Top/Flop Aktien aus dem HDAX (Deutschland)

Top-Aktien & Flop-Aktien aus dem HDAX im Juli 2024
Top-Aktien & Flop-Aktien aus dem HDAX im Juli 2024

Top/Flop Aktien aus dem Nasdaq100 (USA)

Top-Aktien & Flop-Aktien aus dem Nasdaq100 im Juli 2024
Top-Aktien & Flop-Aktien aus dem Nasdaq100 im Juli 2024

Top/Flop Aktien aus Europa (Stoxx Europe 50)

Top-Aktien & Flop-Aktien aus dem Stoxx Europe 50 im Juli 2024
Top-Aktien & Flop-Aktien aus dem Stoxx Europe 50 im Juli 2024

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Performance einzelner Branchen

Für die Analyse zyklischer und defensiver Sektoren werden die Branchenindizes des S&P 500 und Stoxx600 betrachtet. Im Juli haben die defensiven Sektoren einen Gewinn von +2,1% verzeichnet und damit etwas besser abgeschnitten als die zyklischen Sektoren, die auf einen Gewinn von +1,2% kommen.

Die beiden ersten Handelstage im August sind hierbei allerdings nicht berücksichtigt. Allein diese beiden Tage würden hier zu deutlich anderen Ergebnisse führen. In diesen beiden Tagen haben die zyklischen Sektoren -5,1% verloren, während sich die defensiven Sektoren mit -0,6% sehr stabil gehalten haben.

Diese Entwicklung ist absolut typisch für die aktuell hohe Unsicherheit. In einer schwachen Marktphase weisen zyklische Sektoren eine deutlich schlechtere Performance auf als defensive Sektoren. Die aktuelle Schwäche am Markt zieht sich also nicht durch alle Aktien hinweg, sondern vor allem durch die der zyklischen Branchen – und hier trifft es vor allem die Aktien und Sektoren am härtesten, die die letzten Monate am besten performt haben.

Vergleich zyklischer und defensiver Sektoren im Juli
Vergleich zyklischer und defensiver Sektoren im Juli

Chartanalyse - Markteinschätzung August

Chartanalyse für den DAX

Chartanalyse für den DAX (Stand 04.08.2024)
Chartanalyse für den DAX (Stand 04.08.2024)

Der DAX befindet sich nach dem Kursrückgang der letzten beiden Handelstage nun innerhalb der Unterstützungszone zwischen 17.640 und 17.870 Punkten. Bereits in meiner letzten Markteinschätzung habe ich dieses Niveau als wichtige Unterstützung herausgestellt. Auch vor einem Monat hatte ich aber bereits gesagt, dass auch ein Bruch dieser Zone den langfristigen Aufwärtstrend noch nicht beenden würde.

Wichtig sind in den kommenden Tagen nun die 200-Tage-Linie, welche bei akteull etwa 17.400 Punkten verläuft sowie die Unterstützung bei 17.000 Punkten. Hier hat der DAX Ende 2023 / Anfang 2024 sein damaliges Allzeithoch ausgebildet und dieses dann mit einer hohen Dynamik überschritten. Eine Fortsetzung der Korrektur bis auf diese Niveaus sollte im August auf jeden Fall einkalkuliert werden.

Übergeordnet ist das Niveau zwischen 16.250 und 16.500 Punkten sehr wichtig. Hier liegen die ehemaligen Allzeithochs aus dem Jahr 2023 sowie das Tief der Seitwärtsbewegung von Anfang 2024. Ein Rückgang im August bis auf dieses Niveau würde weiteren Verlusten von -8% entsprechen und ist als eher unwahrscheinlich einzustufen.

Die Frage ist nun einfach, ob der DAX in der Lage ist seine kurzfristige Abwärtsdynamik schnell zu stoppen. Nach unten finden sich einige wichtige Unterstützungen, die dabei helfen können. Auf der Oberseite ist das Niveau zwischen 18.570 und 18.900 Punkten (rot markiert) ein großer Widerstand. Bereits ein Anlaufen dieser Zone im August wäre ein großer Erfolg. Die Gefahr einer Ausdehnung der aktuell laufenden Korrektur wäre in solch einem Szenario gebannt.

Chartanalyse für den S&P 500

Chartanalyse für den S&P 500 (Stand 04.08.2024)
Chartanalyse für den S&P 500 (Stand 04.08.2024)

Verglichen mit dem DAX sieht die charttechnische Situation beim S&P 500 noch etwas entspannter aus. Gerade der Blick auf die letzten zwei Jahre zeigt, dass es hier aktuell keinerlei Grund zur Panik geben muss. Einen ähnlich starken Rückgang wie aktuell haben wir zuletzt im April gesehen – und du siehst ja selbst was anschließend passiert ist.

In meiner letzten Markteinschätzung hatte ich klar darauf hingewiesen, dass die Luft für den S&P 500 langsam dünn wird. Der Index hatte sich zwischenzeitlich um 13% von seinem 200-Tage-Durchschnitt entfernt, was historisch betrachtet schon eine Ausnahmesituation darstellt. Eine Fortsetzung der Rallye um einige Prozent hatte ich Ende Juni ebenfalls als mögliche Option in Aussicht gestellt, und bist Mitte des Monats haben wir diese auch bekommen. Die aktuell laufende Korrektur war dann aber überfällig und wir sollten uns eher freuen. Der Aufwärtstrend war zu heiß gelaufen.

Mit den Verlusten der beiden letzten Tage ist der S&P 500 nun unter das erste potenzielle Unterstützungsniveau bei rund 5.400 Punkten gefallen. Diese Unterstützung war aber ohnehin als klein einzustufen. Enorm wichtig ist stattdessen die Zone von rund 5.000 Punkten. Hier liegt zum einen das letzte markante Tief aus dem April, außerdem verläuft hier die 200-Tage-Linie. Ausgehend vom aktuellen Niveau wäre damit also selbst ein weiterer Rückgang um weitere -6% unkritisch und würde den langfristigen Aufwärtstrend nicht gefährden.

In der kurzfristig betrachtet angespannten Marktlage ist es sehr schwierig einzuschätzen, ob solch eine Korrektur in dieser Größe im August tatsächlich stattfindet. Einkalkulieren solltest du sie, gezielt auf sie warten, um erst dann Käufe zu tätigen würde ich allerdings nicht. Eine weitere Unterstützung befindet sich bereits bei rund 5.200 Punkten. Auch dieses Niveau kann bereits für ein Ende der Korrektur sorgen.

Neue Allzeithochs sind im August hingegen eher unrealistisch. Dafür ist der Markt aktuell zu doll angeschlagen und die Verunsicherung zu hoch. Für den August fahren wir daher am besten, wenn wir uns auf weitere Verluste vorbereiten. So schnell wie die Korrektur begonnen hat, so schnell kann sie auch wieder zu Ende sein. Eine massive Rallye, wie wir es vor allem im Mai und Juni gesehen haben, würde ich für den August aber nicht erwarten.

Chartanalyse für den Nasdaq100

Chartanalyse für den Nasdaq100 (Stand 04.08.2024)
Chartanalyse für den Nasdaq100 (Stand 04.08.2024)

Der Nasdaq100 ist vor allem in den letzten beiden Wochen einer der Indizes gewesen, die besonders unter Druck geraten sind. Ausgehend von seinem Allzeithoch hat der Nasdaq100 inzwischen -11% verloren. Aktuell notiert der Nasdaq100 an der ersten Unterstützung von rund 18.200 bis 18.450 Punkten (grün markiert). Ob dieses Niveau helfen kann, dass sich der Index stabilisiert, werden die nächsten Tage zeigen.

Aber auch eine Ausweitung der Verluste knapp unter dieses Niveau wäre unkritisch. Knapp darunter verlaufen bei rund 18.000 Punkten zwei weitere Unterstützungen – eine davon ist die 200-Tage-Linie, welche sich nun Tag für Tag der Marke von 18.000 Punkten annähert. Das Idealszenario ist, dass der Nasdaq100 seine Korrektur bis zur 200-Tage-Linie fortsetzt und sich dort stabilisiert. Ausgehend vom aktuellen Kursniveau entspräche das einem Rückgang von nur noch -3,5%.

Eine Garantie für eine Trendumkehr im Bereich der 18.000 Punkte gibt es allerdings nicht. Daher möchte ich auf die Wichtigkeit der Unterstützung von 17.000 Punkten (orange) hinweisen. Hier liegt das Tief der Korrektur aus dem April. Ein Bruch dieser Unterstützung würde das charttechnische Bild deutlich eintrüben. Dass der Nasdaq100 im August Kurse unterhalb von 17.000 erreicht ist aber eigentlich nur denkbar, wenn es auch von wirtschaftlicher Seite her eine Reihe schlechter Nachrichten gibt.

Auf der Oberseite ist das Niveau von rund 19.500 Punkten interessant (lila). Hier hat der Nasdaq100 am 01.08. kurz ein Top ausgebildet. Gelingt der rasche Anstieg über dieses Niveau, gilt die kurzfristige Abwärtsdynamik erstmal als unterbrochen.

Dass die Lage beim Nasdaq100 noch nicht kritisch ist, zeigen dir auch die beiden bisherigen Aufwärtstrendkanäle. Bereits im April hat der Nasdaq100 einen über Monate bestehenden steilen Aufwärtstrendkanal nach unten durchbrochen, nur um einige Wochen später einen neuen Aufwärtstrendkanal auszubilden. Gut möglich, dass sich dieses Szenario demnächst wiederholt, sofern der Index in der Lage ist die Abwärtsbewegung im Laufe des Monats zu stoppen.

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Entwicklung der Inflation

Inflation in den USA

Die letzten Inflationsdaten aus den USA wurden am 11.07. veröffentlicht und beziehen sich auf die Preisentwicklung im Juni. Erwartet wurde für den Juni ein Rückgang der Inflationsrate von 3,3% auf 3,1%. Tatsächlich lag die Inflationsrate im Juni mit 3,0% noch etwas niedriger als erwartet. Als Reaktion darauf stieg der S&P 500 am Tag der Veröffentlichung zunächst leicht an, beendete den Handelstag dann aber dennoch mit einem Verlust von -1%.

Entwicklung der Inflationsrate in den USA letzte 10 Jahre
Entwicklung der Inflationsrate in den USA letzte 10 Jahre

Überraschend ist, dass sich die Aktienmärkte nach Veröffentlichung der Inflationsdaten für den Rest des Monats anschließend eher abwärts bewegt haben und das, obwohl die Entwicklung der Inflationsrate in die richtige Richtung geht. Damit steigt die Wahrscheinlichkeit auf mehrere Zinssenkungen noch in diesem Jahr an – mehr dazu gleich. Die nächsten Inflationsdaten für die USA werden am 14.08. veröffentlicht.

Inflation in der Euro-Zone

Die Inflationsrate in der Euro-Zone verharrt aktuell auf einem Niveau von 2,5%. Die Daten hierzu wurden am 17.07. veröffentlicht und bestätigen noch einmal die vorläufigen Daten, die bereits am 02.07. veröffentlicht wurden. Entsprechend gab es hierzu an den Börsen auch keine Reaktion. Die Inflation bewegt sich damit knapp über dem Ziel der EZB von 2,0%.

Am 31.07. wurden dann bereits die vorläufigen Daten für den Juli veröffentlicht. Demnach ist die Inflation in der Euro-Zone im Juli wieder leicht angestiegen auf 2,6%. Eine größere Reaktion an den Aktienmärkten gab es direkt zur Veröffentlichung der Daten allerdings keine. Die finalen Daten für den Juli folgen dann am 20.08.

Entwicklung der Inflationsrate in der Euro-Zone letzte 10 Jahre
Entwicklung der Inflationsrate in der Euro-Zone letzte 10 Jahre

Was machen die Notenbanken?

Nachdem es bereits im Juni jeweils ein Zinsentscheid der FED und der EZB gab, wurde auch im Juli wieder über die Leitzinsen entschieden. Die EZB hatte auf ihrer Sitzung Anfang Juni den Leitzins von 4,5% auf 4,25% gesenkt. Im Rahmen dieser Zinssenkungen ließ die EZB auch durchklingen, dass es bislang keinen konkreten Plan für weitere Zinssenkungen in diesem Jahr gibt. Daher war auch im Vorfeld der EZB-Sitzung am 18.07. nicht mit einer weiteren Zinssenkung zu rechnen – und genau so kam es auch. Die EZB hat den Leitzins konstant bei 4,25% belassen.

Interessanter wurde es dafür in den USA. Die FED hat den Leitzins bislang nicht angetastet. Er liegt weiterhin in einer Spanne zwischen 5,25% und 5,50%. Auch für die Sitzung jetzt am 31.07. wurde nicht mit einer Zinssenkung gerechnet. Erneut ging es vielmehr darum, ob es nun klare Aussagen gibt, wann die FED beginnt ihre Zinsen zu senken.

Entwicklung der Leitzinsen in den USA & der Euro-Zone
Entwicklung der Leitzinsen in den USA & der Euro-Zone

Nach wie vor hat die FED keinen Termin für eine erste Zinssenkung genannt. Es gilt inzwischen aber nahezu als sicher, dass die FED die Zinsen auf ihrer nächsten Sitzung im September senken wird. Interessant war auch, dass die FED betont hat, sie werde nun auch einen stärkeren Fokus auf die Entwicklung am Arbeitsmarkt legen. Anders als die EZB bezieht die FED bei ihren Zinsentscheidungen nicht nur die Inflation, sondern auch die Lage am US-Arbeitsmarkt in ihre Entscheidung mit ein. Der Faktor Arbeitsmarkt soll nun einen größeren Fokus für die kommenden Zinsentscheidungen bekommen.

Passend dazu wurden am Freitag (02.08.) überraschend schwache Daten vom US-Arbeitsmarkt veröffentlicht. Die Zahl neu geschaffener Stellen im Juli fällt mit 114.000 deutlich schlechter aus als die erwarteten 176.000. Und auch die Arbeitslosenquote ist mit 4,3% deutlich höher als die erwarteten 4,1%.

Auch der Blick auf die Daten des FED-Watch-Tools zeigen, dass eine Zinssenkung im September sicher ist. Das FED-Watch-Tool versucht auf Basis von Futures die Wahrscheinlichkeit eines bestimmten Zinsniveaus. für die Zukunft zu ermitteln.

Vor zwei Monaten lag die Wahrscheinlichkeit für eine Zinssenkung im September bei knapp 50%, vor einem Monat lag sie inzwischen bei 68%. Inzwischen liegt sie bei 100%. Sogar eine Zinssenkung um gleich 50 Basispunkte statt wie bislang eher erwartet um nur 25 Basispunkte ist inzwischen sogar eine Möglichkeit für den September.

Vor dem Hintergrund der anstehenden Zinssenkungen ist es aktuell besonders verwunderlich, dass die Aktienmärkte so schwach tendieren. Die große Rallye, die im November letztes Jahr gestartet ist und sich bis heute zieht, ist unter anderem den Aussagen der FED von damals zu verdanken, als drei Zinssenkungen dieses Jahr in Aussicht gestellt wurden. Das hat die Aktienmärkte damals in einen starken Rallyemodus versetzt.

Als im Jahresverlauf von immer weniger Zinssenkungen die Rede war, haben die Börsen das erstaunlich gut verarbeitet und ihr hohes Niveau gehalten. Dass die Aktienmärkte nun zu einer Zeit, wo drei Zinssenkungen in diesem Jahr wieder wahrscheinlich sind, dennoch den Rückwärtsgang einlegen, passt da auf den ersten Blick nicht ganz. Hier spielt inzwischen dann doch die Verunsicherung über die wirtschaftliche Stabilität eine Rolle, die ja letztlich auch Grund für Zinssenkungen sein kann, gerade in Anbetracht eines doch eher schwächelnden Arbeitsmarktes.

Berichtssaison - vergangene Termine

Im Juli ist die Berichtssaison wieder angelaufen und hat vor allem gegen Ende des Monats ihren Hochpunkt erreicht. Besonders im Fokus standen dabei natürlich die Zahlen der US-Mega-Caps rund um Microsoft, Alphabet, Apple und Co.

Die folgende Tabelle zeigt dir die wichtigsten Earnings aus dem Juli. Ist beim Reporting-Datum ein Stern (*) dabei, wurden die Daten am jeweiligen Tag nachbörslich vorgelegt.

Ergebnisse der Berichtssaison im Juli: EPS und Umsatz im Vergleich zu den Analystenschätzungen
Ergebnisse der Berichtssaison im Juli: EPS und Umsatz im Vergleich zu den Analystenschätzungen

Die laufende Berichtssaison hat es bislang in sich. Auffällig ist vor allem, dass selbst gute Quartalsergebnisse teilweise mit großen Kursverlusten abgestraft werden. Ein gutes Beispiel hierfür ist Alphabet. Obwohl sowohl der Gewinn als auch der Umsatz jeweils leicht über den Erwartungen lagen, ist die Aktie um -5,0% als Reaktion auf die Quartalszahlen am Tag darauf gefallen. Ein ähnliches Bild ist bei ASML zu sehen.

Aber auch solide Zahlen konnten nicht überzeugen. Procter & Gamble lag beim Gewinn über, beim Umsatz dafür leicht unter den Erwartungen und trotzdem hat die Aktie fast -5% verloren. Auch die Zahlen von Microsoft waren alles andere als schlecht, dennoch gab die Aktie als Reaktion am Folgetag um -1,1% nach. Bei Amazon gibt es als Reaktion auf die Quartalszahlen ebenfalls einen deutlichen Verlust von -8,8%. Dass es aber auch anders geht, hat Meta gezeigt. Sowohl beim Umsatz als auch beim Gewinn konnte Meta die Erwartungen deutlich schlagen. Als Reaktion stieg die Aktie um +4,8% am Tag darauf.

Bei den eher „langweiligen“ Aktien reichten hingegen Ergebnisse im Rahmen der Erwartungen bereits für einen Kursgewinn aus, wie es bei UnitedHealth zu sehen ist. Die Aktie von McDonald’s konnte nach eher schwachen Zahlen sogar um knapp 4% zulegen.

Insgesamt lässt sich damit sagen, dass nach der starken Rallye in den Monaten zuvor, vor allem die Aktien bei den Quartalsberichten abgestraft wurden, die zuvor bereits sehr stark gestiegen sind. Werden die Erwartungen dann nicht deutlich übertroffen, sind Verluste die Folge. Aktien, die die letzten Monate hingegen nicht überzeugen konnten, wie beispielsweise McDonald’s, reagieren dann auch weniger sensibel auf einen durchwachsenen Quartalsbericht.

Kalender – anstehende Wirtschaftstermine

Datum / Uhrzeit Termin
05.08. um 11:00 Produzentenpreise Euro-Zone (Juni)
05.08. um 16:00 ISM Non-Manufacturing Index
07.08. um 08:00 Industrieproduktion Deutschland (Juni)
09.08. um 08:00 Inflation Deutschland (Juli final)
13.08. um 11:00 ZEW-Konjunkturerwartungen
13.08. um 14:30 Produzentenpreise USA (Juli)
14.08. um 11:00 BIP Euro-Zone (Q2 Schätzung)
14.08. um 11:00 Industrieproduktion Euro-Zone (Juni)
14.08. um 14:30 Inflation USA (Juli)
15.08. um 14:30 Einzelhandelsumsätze USA (Juli)
15.08. um 15:15 Industrieproduktion USA (Juli)
20.08. um 11:00 Inflation Euro-Zone (Juli final)
22.08. um 16:00 Verbrauchervertrauen Euro-Zone
26.08. um 10:00 Ifo-Geschäftsklimaindex
27.08. um 08:00 BIP Deutschland (Q2)
27.08. um 08:00 Gfk-Verbrauchervertrauen
27.08. um 16:00 Verbrauchervertrauen USA
29.08. um 14:00 Inflation Deutschland (August vorläufig)
30.08. um 11:00 Inflation Euro-Zone (August vorläufig)
30.08. um 14:30 PCE (private Konsumausgaben) USA (Juli)

Fazit zur Markteinschätzung August

Nach einer über Monate anhaltenden Rallye (insbesondere in den USA) wurden wir vor allem in den beiden letzten Wochen wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Die Aktienmärkte waren überhitzt – allen voran der Nasdaq100. Eine Korrektur war daher nur eine Frage der Zeit. Stand jetzt sollten wir uns über diese Korrektur auch freuen, weil so eine weitere Überhitzung und Euphorie vermieden wird, die sonst später in einem noch größeren Einbruch enden könnte.

Wichtig wird es in den kommenden Tagen nun aber, dass die Indizes bald einen Boden finden. In den Chartanalysen hast du gesehen auf welche Niveaus es hierbei ankommt. Auch ein weiterer Rückgang von -5% im August wäre noch unkritisch. Setzen die Aktienmärkte ihre Abwärtsbewegung mit der Dynamik der ersten beiden Handelstage im August allerdings fort, kann es schnell unangenehm werden.

Fakt ist, dass die Berichtssaison bislang nicht überzeugen konnte. Viele Unternehmen können die Erwartungen hinsichtlich Umsatz und Gewinn zwar schlagen. Nach der starken Kursentwicklung in den Wochen und Monaten zuvor reicht das aber nicht aus. Das drückt sicherlich etwas auf die Stimmung am Gesamtmarkt. Auf der anderen Seite werden für den Rest des Jahres inzwischen wieder mehr Zinssenkungen erwartet als es noch vor ein bis zwei Monaten der Fall war. Das ist für die Aktienmärkte eigentlich ein gutes Zeichen.

Wo es nun drauf ankommt, ist, dass die Stimmung nicht kippt. Langfristig sind die Aufwärtstrends der Indizes nach wie vor intakt und die wirtschaftliche Lage ist auch nicht besorgniserregend. Die Gefahr eines Crashs sehe ich daher aktuell nicht. Weiter fallende Kurse sollten uns zwar weder überraschen noch verunsichern, hier liegen gerade mit Blick auf den Rest des Jahres aber eher Chancen bei einigen Qualitätsaktien günstiger einsteigen zu können.

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