Ziel der Marktanalyse Juni
In diesem Beitrag möchte ich dir meine Marktanalyse für die Aktienmärkte für den Juni vorstellen. Die Aktienmärkte reagieren zwar nicht mehr ganz so panisch auf die Zölle wie Anfang April, aber auch in den kommenden Wochen wird das Thema Zölle richtungsweisend sein.
Zunächst werfen wir in der Marktanalyse einen Blick auf die Performance der letzten Wochen und Monate. Außerdem gehe ich auf die Entwicklung in der Zollthematik ein. Anschließend untersuche ich mit dir in der Chartanalyse für die wichtigsten Indizes auf welche Kursniveaus es jetzt ankommt. Außerdem analysieren wir die Entwicklung der Inflation und die Geldpolitik. Ziel der Marktanalyse ist, dass du weißt, was du in den nächsten Wochen am Aktienmarkt erwarten kannst.
Performance-Rückblick
Index-Heatmap
Die Aktienmärkte haben sich im Mai äußerst freundlich gezeigt. Wer hier also der Börsenweisheit „Sell in may and go away“ gefolgt ist und bereits Anfang des Monats verkauft hat, an dem ist einiges an Performance vorbeigegangen. Ohnehin sollten wir als langfristig orientierte Investoren uns nicht nach solchen Saisonalitäten richten.
Der DAX konnte im Mai einen Gewinn von +6,7% verzeichnen. Auch die Nebenwerte-Indizes haben sich ähnlich gut entwickelt: Der MDAX stieg um +6,5% und der SDAX konnte um +5,7% zulegen. Damit hat sich der deutsche Aktienmarkt wieder einmal besser entwickelt als der breite europäische Aktienmarkt. Der Stoxx600 beendet den Monat mit einem Gewinn von +4,0% zwar ebenfalls freundlich, kommt aber wieder einmal nicht an den DAX heran.
Stark zeigten sich auch die US-Börsen: Der S&P 500 legte um +6,2% zu. Dass wir uns aktuell wieder in einem sehr gelassenen Marktumfeld befinden, zeigt auch die Tatsache, dass die besonders zyklischen Unternehmen des Nasdaq100 mit einem Gewinn von +9,0% besonders stark zulegen konnten.
Performance im Mai
Nach einem eher verhaltenen Start in den Mai haben die Aktienmärkte am Montag, den 12.05. dann in den Rallyemodus geschaltet. Auslöser dafür war die Ankündigung, dass es zwischen China und den USA Annäherungen im Zollstreit gibt. Nach der kleinen Rallye am 12.05. konnten die Indizes ihr hohes Niveau halten. Auffällig ist hier, dass vor allem der Nasdaq100 in der Lage war seine Gewinne noch weiter auszubauen. Die Outperformance, die der Tech-Index hier Mitte des Monats aufgebaut hat, blieb bis zum Monatsende bestehen.
Einen kleinen Einbruch gab es dann am 23.05. Auch hier war das Thema wieder Zölle: Trump hatte am Abend des 23.05. neue Zölle gegen die Euro-Zone angedroht. Daraufhin gaben die europäischen Indizes etwas stärker nach als die US-amerikanischen. Am darauffolgenden Montag hieß es dann wieder, dass die Zölle doch erstmal aufgeschoben werden, sodass die Indizes ihre Verluste sehr schnell ausgleichen konnten.
An der Entwicklung über den Monat ist also zu erkennen, dass die Zölle nach wie vor ein großer Einflussfaktor sind. Allerdings haben die Ankündigungen längst nicht mehr so eine große Auswirkung wie es Anfang April der Fall war.
Performance im letzten Jahr
Der DAX setzt seine Stärke weiterhin fort. Während die US-Indizes im letzten Jahr durchgehend mit einer Outperformance überzeugen konnten, ist es nun seit einigen Monaten der DAX, der den Performancevergleich über ein Jahr klar für sich entscheiden kann. Über die letzten zwölf Monate konnte der DAX um +30% zulegen. Insbesondere im Vergleich zum Stoxx600 (+7%) wird damit deutlich, welcher Aktienmarkt in Europa hier aktuell das Zugpferd ist. Auch der MDAX meldet sich langsam wieder stark zurück und liegt auf Sicht eines Jahres bei +15%.
Der US-amerikanische Aktienmarkt konnte sich von seiner Schwäche aus den Monaten März und April wieder etwas erholen. Der Nasdaq100 verzeichnet über ein Jahr einen Gewinn von +14% und der S&P 500 kommt auf +12%. Damit liegt der US-amerikanische Aktienmarkt inzwischen wieder ein gutes Stück vor dem Stoxx600.
An dieser Auswertung wird klar, dass die US-Börsen zuletzt doch nicht so schlecht waren, wie es zunächst den Eindruck erweckt hat. Im Vergleich zum DAX sieht die Performance des S&P 500 natürlich eher schwach aus, der DAX ist hier aber auch ein positiver Ausreißer.
Blick auf die Volatilität: VIX
Nachdem der VIX im April mit einem Stand von rund 60 wieder mal ein enorm hohes Niveau erreicht hat, hat sich die Lage in den letzten Tagen deutlich entspannt. Ich muss an dieser Stelle nochmal betonen, dass wir in den letzten Monaten ein sehr unruhiges Marktumfeld hatten. Seit Berechnung des VIX kam es noch nie vor, dass der VIX innerhalb so kurzer Zeit gleich zwei Mal ein derart hohes Niveau erreicht hat.
Und auch zwischen diesen beiden Zeitpunkten war die Volatilität tendenziell deutlich höher, als das im ersten Halbjahr 2024 der Fall war. Wie ich in meinen letzten Marktanalysen aber auch immer wieder erwähnt habe, hatten wir im ersten Halbjahr 2024 ein ungewöhnlich ruhiges Marktumfeld. Davon werden wir uns vorerst leider verabschieden müssen.
Aktuell ist es begrüßenswert einen VIX von unter 20 zu sehen. Ein VIX von unter 20 steht für ein ruhiges und normales Marktumfeld. Erst mit der Erleichterung am 12.05. gelang es dem VIX wieder in dieses Niveau vorzudringen. Mit der letzten Zoll-Ankündigung vom 23.05. gab es nochmal einen kleinen Peak, auch dieser hat sich inzwischen aber wieder abgebaut.
Tops & Flops im Mai
Für den deutschen Aktienmarkt werden die 100 Aktien des HDAX betrachtet, für die USA analysieren wir die Aktien des Nasdaq100 und für den europäischen Aktienmarkt betrachten wir die Aktie des Stoxx Europe 50.
Top/Flop Aktien aus dem HDAX (Deutschland)
Top/Flop Aktien aus dem Nasdaq100 (USA)
Top/Flop Aktien aus Europa (Stoxx Europe 50)
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Performance einzelner Branchen
Für die Analyse zyklischer und defensiver Sektoren werden die Branchenindizes des S&P 500 und Stoxx600 betrachtet. Die zyklischen Sektoren haben im Mai einen satten Gewinn von +6,3% verzeichnet, während die defensiven nur einen kleinen Zuwachs von +1,9% verzeichnen konnten.
Diese Entwicklung passt sehr gut zu dem starken Marktumfeld, das wir im Mai hatten. Zyklische Sektoren entwickeln sich in einem starken Gesamtmarkt für gewöhnlich deutlich besser als defensive Sektoren und genau das haben wir im Mai gesehen. Aus den defensiven Sektoren konnten lediglich die Kommunikationsdienste mit +7,3% überzeugen. Unter den zyklischen Sektoren weist hingegen jeder der fünf Sektoren einen klaren Gewinn auf, wobei die Sektoren Technologie (+9,3%) und Industriegüter (+8,0%) die größten Gewinne verzeichnet haben.
Was die Märkte aktuell besonders bewegt
Die Aktienmärkte haben die Zollthematik in den letzten Wochen gut verarbeitet. Auch wenn es hier zu neuen Meldungen kam, hielten sich die Reaktionen vergleichsweise in Grenzen – jedenfalls wenn wir als Vergleich den Crash von Anfang April dieses Jahr heranziehen.
Nach dem ganzen Hin und Her dürfte klar geworden sein, dass Trumps Ziel wohl nicht darin besteht möglichst hohe Zölle zu verlangen und damit sowohl die Wirtschaft als auch die Aktienmärkte vor die Wand zu fahren. Wie ich in meiner letzten Marktanalyse schon gesagt habe, möchte Trump nicht als der Präsident in die Geschichte eingehen, der den größten Kurseinbruch seit der Finanzkrise 2008 / 2009 zu verantworten hat.
Vielmehr ist davon auszugehen, dass das alles eine Art Verhandlungstaktik ist. Das wissen nun auch die Börsen und entsprechend fallen die Reaktionen nicht mehr ganz so extrem aus. Es bleibt aber weiterhin dabei, dass die Märkte sehr schwer zu prognostizieren sind, weil von US-Präsident Trump einfach eine hohe Unberechenbarkeit ausgeht. Und dabei bleibt es nun mal auch: Wenn Trump etwas von sich gibt, werden die Märkte reagieren. Nur eben nicht mehr so extrem wie Anfang April.
Das Thema Zölle ist nach wie vor nicht vom Tisch und wird uns auch im Juni weiter beschäftigen. Außerdem läuft Anfang Juli der 90-tägige Aufschub der Zölle aus, den Trump Anfang April angekündigt hatte. Daher ist es naheliegend, dass wir in der Zollthematik im Juni neue Entwicklungen sehen werden.
Egal was hier passiert und auf welche Ideen Trump wieder kommt: Cool bleiben zahlt sich aus. Das war sowohl im Crash Anfang April der Fall, als auch bei den Verlusten am 23.05. Wenn du in solch einer Phase panisch verkaufst, wirst du dich später mit hoher Wahrscheinlichkeit darüber ärgern.
Chartanalyse - Marktanalyse Juni
Chartanalyse für den DAX
In meiner letzten Marktanalyse hatte ich gesagt, dass es für den DAX bereits ein Erfolg wäre, wenn er sich oberhalb seiner Unterstützung von rund 22.200 Punkten (hellblau) festigen könnte. Grund dafür war, dass der DAX ausgehend von seinem Tief Anfang April einer sehr starke Rallye verzeichnet hat und dann bereits wieder 10%-Punkte über seinem 200-Tage-Durchschnitt lag.
Der DAX hat sich im Mai aber wieder unglaublich stark gezeigt und gleich mehrfach ein neues Allzeithoch markiert. Dabei ist er sogar dynamisch über den Widerstandsbereich von rund 23.400 Punkten gestiegen. Dieser hat sich kurz darauf bei kleinen Korrekturen bereits als Unterstützung erwiesen. Hier findet der DAX also seine erste Unterstützung (grün markiert – Unterstützung 1).
In meiner letzten Marktanalyse hatte ich noch gesagt, dass die Luft bei Kursen in der Nähe des Allzeithochs dünn wird. Mit einem Anstieg über dieses Niveau habe ich also ehrlich gesagt nicht gerechnet. Aber natürlich lassen wir uns von so einer starken Entwicklung gerne positiv überraschen. Dennoch ist nun zu beachten, dass der DAX jetzt fast 16% über seinem 200-Tage-Durchschnitt notiert. In der Vergangenheit war solch ein großer Abstand selten zu beobachten.
Daraus muss nun nicht resultieren, dass der DAX erstmal in eine Korrektur übergehen muss, allerdings wäre zumindest eine kurzfristige Seitwärtsbewegung oberhalb der Unterstützung 1 das gesündere Szenario, bevor der DAX seinen Anstieg weiter fortsetzt.
Auch eine Korrektur bis auf das Niveau von 22.200 Punkten (hellblau) wäre alles andere als problematisch. Das würde ausgehend vom aktuellen Kursniveau zwar einem Verlust von -7% entsprechen, aber selbst dann wäre der Aufwärtstrend ohne jede Frage absolut intakt. Eine Korrektur in solch einem Ausmaß muss nicht kommen, sie ist aber möglich und im Sinne des langfristigen Aufwärtstrends wäre sie sogar gesund.
Alle weiteren im Chart eingezeichneten Unterstützungen spielen aktuell eher langfristig eine Rolle. Diese sind vom aktuellen Kursniveau weit entfernt, und dürften nur dann relevant werden, wenn wir neue Newsmeldungen (Stichwort Zölle) bekommen, die ohnehin nicht zu prognostizieren sind.
Chartanalyse für den S&P 500
Das Idealszenario für den S&P 500 aus meiner letzten Marktanlayse war, dass es der Index schafft in den grün markierten Bereich zwischen 5.780 und 5.880 Punkten (Unterstützung 1) vorzustoßen. In der letzten Marktanalyse war dieses Niveau noch als „ehemalige Unterstützung 1“ beschrieben, weil der S&P 500 deutlich unterhalb dieser Zone notiert hat.
Nun ist es dem S&P 500 aber gelungen nicht nur in diesen Bereich zu steigen, sondern kurzzeitig auch darüber hinaus. Damit ist die positive Entwicklung der letzten Wochen erst einmal bestätigt. Schöner wäre es aber hier etwas mehr Stabilität zu sehen. Innerhalb dieser Supoprtzone hat sich der S&P 500 die letzten Tage recht schwankungsfreudig gezeigt, sodass sich noch nicht klar sagen lässt, dass dieses Niveau nun final zurückerobert wäre.
Für den Juni ist es nun wichtig, dass sich der S&P 500 in diesem Bereich (5.780 bis 5.880 Punkte) festigen kann und im Idealfall keine Kurse mehr unterhalb der unteren Begrenzung dieser Unterstützung markiert. Kritisch wäre das noch nicht, da dann das Niveau von 5.670 Punkten (lila) als Support dienen kann. Allerdings zeigen die letzten Monate auch, dass der S&P 500 all seine Unterstützungen, die er sich im letzten Jahr erarbeitet hat, aufgrund der externen Umstände quasi ignoriert hat.
Auf solch einer Grundlage ist es natürlich schwierig eine Analyse für die kommenden Wochen anzustellen. Das markanteste Niveau bleibt aber der grün markierte Unterstützungsbereich 1. Ein Erfolg wäre es also, wenn es dem S&P 500 über einen Großteil des Monats gelingen würde dieses Niveau zu verteidigen. Es würde dann auch absolut ausreichen, wenn sich der US-amerikanische Leitindex seinem Allzeithoch von 6.150 Punkten (rot markiert) annähert. Für den Juni ist das das optimale Szenario. Für einen Ausbruch auf ein neues Allzeithoch sind positive News wie beispielsweise eine Einigung im Zollkonflikt oder eine klare Ansage der FED zu einer baldigen Zinssenkung erforderlich.
Chartanalyse für den Nasdaq100
Anders als dem S&P 500 ist es dem Nasdaq100 gelungen im Mai wieder klar über seinen Unterstützungsbereich 1 zu steigen. Dieses Niveau ist sehr ähnlich zu dem des S&P 500. Auch für den Nasdaq100 war dieses Level in meiner letzten Marktanalyse als „ehemalige Unterstützung 1“ beschrieben, weil der Nasdaq100 deutlich darunter notiert hat.
Hier hatte ich in meiner letzten Marktanalyse gesagt, dass wir eine deutliche charttechnische Besserung sehen würden, wenn es dem Nasdaq100 gelingen würde in dieses Niveau vorzudringen. Allerdings wäre der Nasdaq100 dann kurzfristig auch überhitzt. Diese Überhitzung haben wir auch gesehen, als der Nasdaq100 bis zum 13.05. dynamisch über dieses Niveau gestiegen ist. Entsprechend war die Seitwärtsbewegung der letzten beiden Wochen hier absolut gesund.
Nachdem der Nasdaq100 diese Unterstützung nun endgültig zurückerobert hat, ist diese Zone zwischen 20.300 und 20.700 Punkten für den Juni nun eine wichtige Unterstützung. Ein Rückgang bis auf das untere Ende dieser Zone wäre absolut unkritisch und sollte auch einkalkuliert werden.
Auch ein Rückgang bis auf 19.600 Punkte (orange) wäre im Sinne des kurzfristigen Aufwärtstrends zu verkraften. Diese Unterstützung geht zurück auf das Tief, das der Nasdaq100 am 07.05. markiert hat. Rutscht der Index allerdings unter dieses Niveau, wäre das ein erstes Zeichen dafür, dass die Dynamik wieder nachlässt. Dieses Szenario ist für den Juni aber nur dann denkbar, wenn wir (wie bereits mehrfach erwähnt) einen negativen Newsflow haben.
Verteidigt der Nasdaq100 seinen Unterstützungsbereich 1 (20.300 bis 20.700 Punkte), ist im Juni durchaus auch eine Annäherung an das Allzeithoch von 22.100 Punkten (blau) möglich. Auch Kurse leicht darüber sind absolut realistisch. Für einen dynamischen Ausbruch bedarf es dann aber wie eben beim S&P 500 schon erwähnt aber einem konkreten positiven externen Impuls.
Chartanalyse für den Stoxx600
In meiner letzten Marktanalyse notierte der Stoxx600 innerhalb des grün markierten Unterstützungsbereichs von 525 bis 530 Punkten. Vor einem Monat war diese Zone aber noch orange gefärbt. Zu diesem Zeitpunkt war nämlich nicht klar, ob der Stoxx600 diesen Bereich wieder deutlich überwinden kann und somit als Unterstützung nutzen kann, oder ob daraus wieder ein Widerstand entsteht (ähnlich wie zwischen Mai und Dezember 2024).
Ich hatte in meiner letzten Marktanalyse erwähnt, dass es für den Stoxx600 bereits sehr gut wäre, wenn es ihm gelingt sich oberhalb dieses Niveaus zu festigen. Am Ende setzte der Stoxx600 dann aber noch einen obendrauf und näherte sich sogar seinem letzten Hoch von 556 Punkten (blau) an. Dieses Niveau ist nun ein erster kleiner Widerstand. Für den Juni besteht aber auf jeden Fall die Chance, dass der Stoxx600 darüber steigt und auch ein neues Allzeithoch markiert. Ausbleibende negative News natürlich vorausgesetzt.
Eine Korrektur bis in den grün markierten Bereich von 525 bis 530 Punkten wäre absolut unkritisch und sollte auf jeden Fall auch einkalkuliert werden. Kurse darunter sind im Juni allerdings nur dann zu erwarten, wenn der nächste Zoll-Hammer oder eine andere schlechte Nachricht kommen sollte. Kurse unterhalb von 525 Punkten wären beim Stoxx600 auch deshalb etwas problematisch, weil der Index dann wieder unter seinen 200-Tage-Durchschnitt fallen würde, sodass die positive Dynamik der letzten Wochen dann verpufft wäre.
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Entwicklung der Inflation
Inflation in den USA
Die letzten Inflationsdaten aus den USA wurden am 13.05. veröffentlicht und beziehen sich auf die Preisentwicklung im April. Für den April lag die Inflationsrate in den USA bei 2,3%. Erwartet wurde, dass die Inflationsrate auf ihrem Niveau vom Vormonat von 2,4% verharrt. Diese kleine Abweichung wurde von den Aktienmärkten positiv aufgenommen. Der S&P 500 startete den Handelstag am 13.05. direkt mit einem Gewinn von rund +1%.
Sinkende Zinsen sind für die Aktienmärkte aktuell positiv. Indem sich die Inflationsrate in den USA dem Ziel von 2% immer weiter annähert, besteht so die Chance auf eine baldige Zinssenkung durch die FED. Die nächsten Inflationsdaten für den Mai werden am 11.06. veröffentlicht.
Eine sinkende Inflationsrate ist auch vor dem Aspekt der Zölle wichtig. Sollte sich hier keine Einigung abzeichnen, hätten die Zölle eine klare Auswirkung auf die Preisentwicklung. Die Inflation würde dann tendenziell wieder zulegen. Die Tatsache, dass wir uns aktuell in einem Umfeld einer leicht sinkenden Inflationsrate befinden, verschafft hier also etwas Luft.
Inflation in der Euro-Zone
Die finalen Inflationsdaten für die Euro-Zone für den April wurden am 19.05. veröffentlicht. In der Euro-Zone verharrt die Inflation im April bei 2,2%. Die finalen Inflationsdaten entsprechen damit den vorläufigen, die bereits am 02.05. veröffentlicht wurden. Eine nennenswerte Reaktion gab es am Aktienmarkt hier nicht.
Da die Inflation in der Euro-Zone schon seit einigen Monaten nur noch knapp über 2% liegt und die EZB entsprechend auch weitere Zinssenkungen vorgenommen hat, richtet sich der Blick bei den Inflationsdaten aktuell vielmehr auf die USA.
Was machen die Notenbanken?
Anfang Mai ging der Blick auf die FED: Am 07.05. fand die Zinssitzung der US-Notenbank statt. Der an dem Tag getroffene Zinsentscheid war aber weniger spannend. Schließlich war im Vorfeld bereits klar, dass die FED den Leitzins vorerst nicht antasten wird, sodass dieser weiterhin in einer Spanne zwischen 4,25% und 4,50% liegt.
Dennoch sind solche Sitzungen wichtig, weil in der sich daran anschließenden Pressekonferenz unter Umständen Indikationen gegeben werden, wann die nächste Zinssenkung geplant ist. Auch hier gab es aber keinen konkreten Fahrplan. Dabei ließ FED-Chef Powell auch offen, ob es dabei bleiben soll, dass die FED die Zinsen im laufenden Jahr noch zwei Mal senken wird.
Die nächste Projektion, also wie die FED im laufenden Jahr bei der Geldpolitik weiter vorgehen möchte, gibt es erst bei der nächsten Notenbanksitzung am 18.06. Nach der FED-Sitzung von Anfang Mai sind wir in Sachen Geldpolitik also nicht wirklich schlauer. Die Handelsspanne des S&P 500 lag während der Notenbanksitzung bei rund 60 Punkten. Wenig ist das zwar nicht, aber hier haben wir schon deutlich größere Kursausschläge gesehen.
Auch wenn wir nicht wirklich neue Erkenntnisse haben, lohnt sich dennoch ein Blick auf das FED-Watch-Tool. Daraus geht klar hervor, dass es auch bei der nächsten FED-Sitzung im Juni wohl keine Zinssenkung geben wird. Laut den Daten des FED-Watch-Tools liegt die Wahrscheinlichkeit dafür aktuell bei gerade einmal 2%.
Hier gab es im Monatsverlauf aber eine deutliche Veränderung. Vor einem Monat lag die Wahrscheinlichkeit für eine Zinssenkung im Juni noch bei 63%. Umso bemerkenswerter ist es, dass sich die Aktienmärkte in solch einem Umfeld (also Zinssenkung später als erwartet) dennoch so stark entwickelt haben.
Das FEDWatch Tool ist ein von der CME Group bereitgestelltes Analysemodell, was auf Basis von Futures-Kursen die Wahrscheinlichkeit für künftige Leitzinsentscheidungen berechnet.
Auch für den dann folgenden Zinsentscheid Ende Juli liegt die Wahrscheinlichkeit für eine Zinssenkung aktuell bei gerade einmal 26%. Aktuell scheint daher eine Senkung erst Mitte September realistisch.
Von der EZB gab es im Mai keinen weiteren Zinsentscheid. Entsprechend gibt es hier auch nichts zu berichten. Die nächste Zinssitzung der EZB findet am 05.06. statt. Eine weitere Senkung der Zinsen für die Euro-Zone gilt hier als wahrscheinlich.
Die nächsten Termine der FED & EZB:
- Zinsentscheid der EZB: 05.06.2025 um 14:15
- Zinsentscheid der FED: 18.06.2025 um 20:00
Berichtssaison
In der zweiten Aprilhälfte sowie Anfang Mai haben die meisten Großkonzerne ihre Zahlen vorgelegt. In meiner letzten Marktanalyse bin ich hier auch schon auf die Earnings von Anfang Mai eingegangen. Im weiteren Monatsverlauf ist es dann ruhiger geworden. Besonders im Fokus stand hier noch Nvidia, die ihre Zahlen am 28.05. veröffentlicht haben.
Vor einem Jahr war der Blick auf die Quartalszahlen nicht nur für Nvidia-Aktionäre interessant, sondern auch für den Gesamtmarkt. Damals galt: Wenn Nvidia nicht überzeugt, dann nimmt der KI-Hype ab, was automatisch ein Belastungsfaktor für den Gesamtmarkt wäre. Nachdem sich die Dynamik bei Nvidia in den letzten Monaten aber schon abgeschwächt hat, war die Anspannung mit Blick auf den Gesamtmarkt hier nicht mehr ganz so groß.
Dennoch war Nvidia in der Lage mit seinen Quartalszahlen die Erwartungen wieder einmal zu übertreffen. Als Reaktion darauf stieg die Aktie um +3%. Das ist nicht schlecht, allerdings gab es als Reaktion auf die Earnings bei Nvidia auch schon deutlich größere Kursauschläge. Auch das ein Zeichen dafür, dass die Aufregung um die Aktie allmählich abnimmt.
Ansonsten gab es im Mai wie gesagt kaum Mega-Caps, deren Zahlenwerk Auswirkung auf den Gesamtmarkt hätte nehmen können. Auch für den Juni werden von der Berichtssaison keine nennenswerten Impulse ausgehen. Im dritten Monat eines Quartals legen nur sehr wenige Unternehmen ihre Zahlen vor.
Kalender – anstehende Wirtschaftstermine
| Datum / Uhrzeit | Termin |
|---|---|
| 02.06. um 16:00 | ISM Manufacturing Index |
| 03.06. um 11:00 | Inflation Euro-Zone (Mai vorläufig) |
| 03.06. um 11:00 | Arbeitslosenquote Euro-Zone |
| 04.06. um 14:15 | ADP-Arbeitsmarktbericht |
| 05.06. um 14:15 | EZB-Zinsentscheid |
| 06.06. um 08:00 | Industrieproduktion Deutschland |
| 06.06. um 11:00 | BIP Euro-Zone (Q1) |
| 06.06. um 14:30 | US-Arbeitsmarktbericht (Mai) |
| 11.06. um 14:30 | Inflation USA (Mai) |
| 12.06. um 14:30 | Produzentenpreise USA (Mai) |
| 13.06. um 08:00 | Inflation Deutschland (Mai final) |
| 17.06. um 11:00 | ZEW-Konjunkturerwartungen |
| 17.06. um 14:30 | Einzelhandelsumsätze USA |
| 17.06. um 15:15 | Industrieproduktion USA |
| 18.06. um 11:00 | Inflation Euro-Zone (Mai final) |
| 18.06. um 20:00 | FED-Zinsentscheid |
| 20.06. um 16:00 | Verbrauchervertrauen Euro-Zone |
| 23.06. um 09:30 | Einkaufsmanagerindizes (PMI) Deutschland |
| 23.06. um 10:00 | Einkaufsmanagerindizes (PMI) Euro-Zone |
| 23.06. um 15:45 | Einkaufsmanagerindizes (PMI) USA |
| 24.06. um 10:00 | Ifo-Geschäftsklimaindex |
| 24.06. um 16:00 | Verbrauchervertrauen USA |
| 26.06. um 14:30 | BIP USA (Q1 final) |
| 27.06. um 14:30 | PCE (private Konsumausgaben) USA (Mai) |
| 30.06. um 14:00 | Inflation Deutschland (Juni vorläufig) |
| 01.07. um 11:00 | Inflation Euro-Zone (Juni vorläufig) |
| 01.07. um 16:00 | ISM Manufacturing Index |
Fazit zur Marktanalyse Juni
Den Zoll-Schock vom April haben die Aktienmärkte von sich abschütteln können. Trotz einer bereits starken Aufholjagd im April waren die Aktienmärkte in der Lage ihre Rallye im Mai weiter fortzusetzen. Kurzfristig kam es hier teilweise zu Überhitzungen, die mit Blick auf die US-Indizes mit der Seitwärtsbewegung der letzten beiden Wochen aber gut wieder abgebaut werden konnten.
Auch für den Juni gilt nun aber, dass alle Analysen, die wir anstellen, wenig bringen, wenn es alle paar Tage neue Meldungen im Zollkonflikt gibt. Wichtig ist, dass du weißt auf welche Niveaus es ankommt und auch bei Rücksetzern stets cool bleibst. Es ist aber durchaus wahrscheinlich, dass wir auch im Juni von neuen Meldungen im Zollstreit nicht verschont bleiben. Natürlich können diese aber auch einen positiven Impuls liefern.
Da die 90-tägige Zollpause, die US-Präsident Trump Anfang April angekündigt hat, Anfang Juli aber endet, ist es schon sehr wahrscheinlich, dass wir im Juni hier neue Entwicklungen sehen. In welche Richtung diese gehen, ist aber logischerweise nicht zu prognostizieren. Schließlich kann ich nicht Trumps Gedanken lesen.
Neben dem Thema Zölle richtet sich der Blick im Juni auch wieder auf die FED. Hierbei geht es aber weniger um den Zinsentscheid im Juni, sondern die Projektion für den weiteren Verlauf der Geldpolitik in diesem Jahr.
Insgesamt können wir uns nach den turbulenten letzten Monaten über das aktuelle Niveau, auf dem die Märkte notieren nicht beschweren. Denk aber daran, dass all die angestellten Prognosen für ein normales Marktumfeld gelten. Eine einzige Nachrichtenmeldung (insbesondere eben zum Thema Zölle) kann eine größere Reaktion am Aktienmarkt auslösen. Ein Crash ähnlich wie wir ihn Anfang April gesehen haben ist und bleibt aber sehr unwahrscheinlich. Dieses Spiel haben die Märkte nun durch und darauf werden sie kein zweites Mal hereinfallen.
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