Ziel dieses Artikels: Kennzahlen für das Turbo-System
In diesem Artikel möchte ich dir genau erklären, wie die Aktienbewertung im Rahmen der Turbo-Strategien funktioniert. Ich stelle dir die drei Kennzahlen im Detail vor und zeige dir wie auf Basis dieser Kennzahlen die finale Rangliste für die Turbo-Strategien konstruiert wird. Damit das Ganze nicht zu trocken wird, werden alle Berechnungen mit Beispielen anschaulich erklärt. Am Ende weißt du, wie einer meiner erfolgreichsten Strategien im Detail funktioniert.
Viel Spaß beim Lesen!
Kurze Einführung: Was hat es mit den Turbo-Strategien auf sich?
Begonnen hat alles im Herbst 2020 mit dem Start des Turbo-Depots. Damals habe ich diese Strategie für mich privat umgesetzt, dann habe ich sie hier bei Aktienkönig integriert. Das Turbo-Depot ist meine erfolgreichste Strategie. Im Juni 2026 habe ich mich nun dazu entschieden auf Basis des Regelwerks des Turbo-Depots nun noch zwei weitere Strategien zu veröffentlichen. Dabei handelt es sich um das Mini-Turbo-Depot und das Europa-Turbo-Depot.
Alle drei Strategien folgen bei der Aktienbewertung demselben Prinzip – die verwendeten Kennzahlen sind also dieselben. Unterschiede gibt es beim Anlageuniversum, der Anzahl an Aktien im Depot sowie teilweise auch bei der Verkaufsgrenze, wann eine Aktie ausgetauscht werden muss.
Die Turbo-Strategien verfolgen das Ziel Aktien mit den stärksten Aufwärtstrends zu kaufen. Die Aktienbewertung erfolgt hier auf einer relativen Basis. Das bedeutet, dass alle Aktien eines Anlageuniversums miteinander verglichen werden. Es ist also nicht möglich, das Ranking für eine Aktie einzeln zu bestimmen. Damit unterscheidet sich das Turbo-System komplett von den Basis-Strategien hier bei Aktienkönig.
Vorstellung der drei Kennzahlen für das Turbo-System
Die drei Kennzahlen, die bei der Aktienbewertung für die Turbo-Depots benötigt werden, stelle ich dir in diesem Abschnitt anhand von Beispielen mit der Aktie von Siemens Energy auf Basis der Daten vom 05.06.2026 vor. Im nächsten Kapitel zeige ich dir dann, wie die Bewertung der Aktien eines Index abläuft und wie daraus eine Rangliste konstruiert wird.
Kennzahl 1: SMA-Ratio
Die SMA-Ratio ist die erste Kennzahl für die Aktienbewertung im Rahmen des Turbo-Systems. Der Name der Kennzahl sagt auch bereits, was wir uns hier anschauen. SMA ist Englisch und steht für Simple Moving Average (also ein einfacher gleitender Durchschnitt) und Ratio beschreibt das Verhältnis aus zwei Kennzahlen. Mit der SMA-Ratio soll der Abstand von zwei gleitenden Durchschnitten zueinander betrachtet werden.
Bei der SMA-Ratio werden ein kurzer und ein langer gleitender Durchschnitt betrachtet. Der kurze gleitenden Durchschnitt wird über die letzten 20 Handelstage ermittelt und spiegelt das aktuelle Kursniveau der Aktie wider. Der lange Durchschnitt wird über 200 Handelstage berechnet.
Wir könnten an dieser Stelle auch einfach den aktuellen Kurs im Verhältnis zum 200-Tage-Durchschnitt setzen. Je größer dieser Abstand ist, desto stärker hat sich die Aktie in den letzten Monaten entwickelt. Indem statt des aktuellen Kurses der 20-Tage-Durchschnitt verwendet wird, lassen sich besonders kurzfristige Schwankungen der Aktie aber etwas glätten und die Ergebnisse sind stabiler.
Die SMA-Ratio für eine Aktie berechnet sich wie folgt:
Damit das Ganze etwas praxisnaher ist, wird die Berechnung am Beispiel von Siemens Energy mit Daten vom 05.06.2026 durchgegangen. Im Chart siehst du wie sich die Aktie von Siemens Energy und ihr 200-Tage-Durchschnitt entwickelt haben.
Eingesetzt in die Formel für die SMA-Ratio ergibt sich also:
Das Ergebnis von +27,9% bei der SMA-Ratio für Siemens Energy sagt aus, dass der 20-Tage-Durchschnitt von Siemens Energy aktuell 27,9% über dem 200-Tage-Durchschnitt liegt. Die Frage ist nun natürlich, was sich mit dieser Information anfangen lässt?
Das absolute Ergebnis einer Aktie allein sagt nicht viel aus. Nur weil eine Aktie eine positive SMA-Ratio aufweist, ist sie definitiv nicht automatisch eine starke Trendaktie nach dem Turbo-System. Die Frage ist wie gut ist das Ergebnis in Relation zu den anderen Aktien. Diesen Schritt hin zur relativen Bewertung stelle ich dir später vor. Vorher zeige ich dir noch die beiden weiteren Kennzahlen für das Turbo-System.
Kennzahl 2: Delta-SMA
Die zweite Kennzahl für das Turbo-System nennt sich Delta-SMA. Auch hier kommt wieder der gleitende Durchschnitt (simple moving average = SMA) zum Einsatz. Und auch hier spielen die Zahlen 20 und 200 wieder eine wichtige Rolle.
Beim Delta-SMA soll analysiert werden, wie stark sich der 200-Tage-Durchschnitt einer Aktie über einen Zeitraum von 20 Handelstagen verändert. Um das zu berechnen, benötigen wir also lediglich den heutigen Stand des 200-Tage-Durchschnitts und den Stand des 200-Tage-Durchschnitts von vor 20 Handelstagen. Die Formel für den Delta-SMA sieht wie folgt aus:
Im Chart siehst du auch wieder die Kursentwicklung der Aktie von Siemens Energy sowie die Entwicklung des 200-Tage-Durchschnitts. Außerdem ist hier eine Anmerkung an der Stelle vorgenommen, wo der 200-Tage-Durchschnitt vor 20 Handelstagen lag.
Eingesetzt in die Formel für den Delta-SMA ergibt sich für Siemens Energy:
Auch hier gilt wieder, dass das Ergebnis für Siemens Energy nicht wirklich aussagekräftig ist. Wir wissen zwar, dass der 200-Tage-Durchschnitt von Siemens Energy in den letzten 20 Handelstagen um +5,1% gestiegen ist, ob das nun gut oder schlecht ist, wird aber erst klar, wenn wir alle Aktien gemeinsam bewertet. Wie gesagt folgt das gleich im nächsten Kapitel.
Kennzahl 3: 52-Wochen-Hoch-Tief-Ratio
Die dritte Kennzahl für die Aktienbewertung im Turbo-System nennt sich 52-Wochen-Hoch-Tief-Ratio. Grundgedanke der Kennzahl ist, dass Aktien, die möglichst dicht an ihrem 52-Wochen-Hoch notieren gut bewertet werden sollen, weil diese dann natürlich einen starken Aufwärtstrend aufweisen. Befindet sich der Aktienmarkt allgemein aber in einer starken Verfassung, werden sehr viele Aktien sehr dicht an ihrem 52-Wochen-Hoch notieren. Um hier eine bessere Unterscheidung vornehmen zu können, wird zusätzlich der Abstand zum 52-Wochen-Tief betrachtet. Dieser Abstand fließt allerdings mit einer geringeren Gewichtung in die Kennzahl ein, wie du gleich sehen wirst.
Eine Aktie wird nach der 52-Wochen-Hoch-Tief-Ratio (52-WHTR) also sehr gut bewertet, wenn sie möglichst dicht an ihrem 52-Wochen-Hoch liegt und gleichzeitig weit entfernt ist von ihrem 52-Wochen-Tief. Hier die Formel für die 52-Wochen-Hoch-Tief-Ratio:
Im Chart siehst du erneut die Aktienkursentwicklung von Siemens Energy. Statt dem 200-Tage-Durchschnitt sind nun aber zwei weitere Linien eingezeichnet: Das 52-Wochen-Hoch der Aktie und das 52-Wochen-Tief.
Eingesetzt in die Formel für die 52-Wochen-Hoch-Tief-Ratio ergibt sich für Siemens Energy:
Die Formel macht auch nochmal deutlich, weshalb der Abstand zum 52-Wochen-Tief nur mit einer Gewichtung von 25% berücksichtigt wird. Gerade wenn viele Aktien in der Nähe ihres 52-Wochen-Hochs notieren, würde der Abstand zum 52-Wochen-Tief das Ergebnis sonst ganz klar dominieren.
Aufgrund der Berechnungslogik der Formel lässt sich der absolute Wert der Kennzahl allerdings nicht sinnvoll interpretieren. Das ist aber auch überhaupt nicht notwendig, schließlich hat das absolute Ergebnis bei den beiden vorherigen Kennzahlen auch nur bedingte Aussagekraft gehabt. Viel entscheidender ist der Vergleich mit zahlreichen anderen Aktien. Und genau darum geht es nun im nächsten Kapitel.
Überführung der Kennzahlen in eine Rangliste
Bei den drei Kennzahlen, die ich dir vorgestellt habe, wurde die Berechnung nur für die Aktie von Siemens Energy durchgeführt. Mit den einzelnen Ergebnissen war aber noch nicht allzu viel anzufangen. Das Entscheidende bei der Aktienbewertung für das Turbo-System ist die relative Bewertung. Das bedeutet, dass alle Aktien innerhalb eines Index gleichzeitig bewertet werden müssen und anschließend eine Rangliste auf Basis der drei Kennzahlen konstruiert werden muss.
Diese Ranglistenbildung möchte ich dir in diesem Kapitel erklären. Auch hier stelle ich dir wieder ein paar Beispiele vor. Die Bewertung soll auf Basis der 40 Aktien des DAX erfolgen.
Du fragst dich vielleicht, weshalb hier die Aktien des DAX betrachtet werden, obwohl für das Turbo-Depot doch die weit über 100 Aktien aus dem DAX, MDAX und SDAX sowie die Aktien des Nasdaq100 betrachtet werden? Ganz einfach: Eine Tabelle über 40 Aktien ist noch halbwegs gut darstellbar. Würde ich dir an dieser Stelle die Ergebnisse der 100 Nasdaq-Aktien zeigen, ist das kaum noch übersichtlich zu erfassen.
Ergebnisse für die erste Kennzahl (SMA-Ratio)
In der folgenden Tabelle siehst du für die 40 DAX-Aktien jeweils den 20-Tage-Durchschnitt und den 200-Tage-Durchschnitt. Indem beide Kennzahlen zueinander ins Verhältnis gesetzt werden, wird die SMA-Ratio berechnet. In der letzten Spalte siehst du außerdem den Rang. Die Aktie, die die höchste SMA-Ratio aufweist, erhält Rang 1, die Aktie mit der zweithöchsten SMA-Ratio landet auf Rang 2 und so weiter.
Die Farbgebung bei der SMA-Ratio zeigt bereits welche Aktien hier gut und welche schlecht abschneiden. Auf Basis der Daten vom 05.06.2026 sind aus dem DAX aktuell Infineon, Siemens Energy und RWE die drei stärksten Aktien nach der SMA-Ratio. Wir lassen die Ergebnisse hier soweit erstmal stehen. Wichtig wird gleich nochmal die Rangliste. Vorher müssen aber die Ränge für die beiden weiteren Kennzahlen berechnet werden.
Ergebnisse für die zweite Kennzahl (Delta-SMA)
Ähnlich wie eben bei der SMA-Ratio siehst du auch hier wieder die relevanten Kennzahlen für die 40 DAX-Aktien zur Berechnung des Delta-SMA: den aktuellen Stand des 200-Tage-Durchschnitts und den Stand des 200-Tage-Durchschnitts von vor 20 Handelstagen.
Auch nach dem Delta-SMA sind aktuell Infineon, Siemens Energy und RWE die drei stärksten Aktien aus dem DAX. Dass die stärksten Aktien nach beiden Kennzahlen dieselben sind, muss aber nicht immer so sein – in diesem Fall ist es aber nun mal so.
Ergebnisse für die dritte Kennzahl (52-WHTR)
Für die dritte Kennzahl, die 52-Wochen-Hoch-Tief-Ratio zeigt dir die Tabelle den aktuellen Kurs der 40-DAX-Aktien sowie deren 52-Wochen-Hoch und 52-Wochen-Tief. Daraus wird die 52-WHTR berechnet und anschließend wieder ein Rang vergeben.
Nach der 52-Wochen-Hoch-Tief-Ratio sind nun Infineon, die Deutsche Post und die Commerzbank die drei besten Aktien aus dem DAX. Hier siehst du nun also, dass obwohl die drei Kennzahlen allesamt die Stärke des Aufwärtstrends einer Aktie messen, die Ergebnisse keinesfalls identisch sind und es demnach durchaus sinnvoll ist mehrere verschiedene Kennzahlen zu betrachten.
Überführung der Ergebnisse in eine Rangliste
In diesem Abschnitt erfolgt nun der entscheidende Schritt der relativen Bewertung. Die drei Ranglisten der einzelnen Kennzahlen werden zusammengeführt, um so am Ende einen finalen Rang zu erhalten, der klare Auskunft darüber gibt, welche Aktie nach den drei Kennzahlen die stärkste ist mit Blick auf den Aufwärtstrend. In der folgenden Tabelle siehst du nochmal die Ränge für die drei Kennzahlen und in der letzten Spalte den durchschnittlichen Rang.
Wie bereits im letzten Kapitel bleiben wir hier mal beim Beispiel mit Siemens Energy. Nach den drei Kennzahlen belegt Siemens Energy die Ränge 2, 2 und 5. Daraus ergibt sich ein durchschnittlicher Rang von 3,0. Da könnte man jetzt meinen, dass Siemens Energy aus dem DAX also die drittbeste Aktie nach dem Turbo-System ist.
Wenn wir die Rangliste nach dem durchschnittlichen Rang nämlich einmal absuchen, stellt sich heraus, dass es zwischen Infineon mit einem durchschnittlichen Rang von 1,0 und Siemens Energy mit einem durchschnittlichen Rang von 3,0 keine weitere Aktie mehr gibt. Entsprechend ist Siemens Energy die zweitbeste Aktie aus dem DAX und das, obwohl der durchschnittliche Rang bei 3,0 liegt.
Damit auf den ersten Blick zu erkennen ist, welche Aktie nun die beste ist und wie genau die Rangliste verteilt ist, wird auf Basis des durchschnittlichen Rangs nun noch eine finale Rangliste erstellt.
Ziel ist es, dass die beste Aktie auch einen Rang von 1 ausweist, die zweitbeste einen Rang von 2, die drittbeste einen Rang von 3 und so weiter. Die Tabelle erweitert um den finalen Rang sieht wie folgt aus:
Mithilfe des finalen Rangs wird nun klar deutlich welche Aktien die besten sind. Und diese finale Rangliste hat noch einen weiteren großen Vorteil: Vielleicht erinnerst du dich an die Verkaufskriterien, dass eine Aktie verkauft wird, wenn sie nicht mehr zu den besten 30% eines Index gehört. Bezogen auf die 40 Aktien im DAX würde das heißen, dass eine Aktie verkauft wird, wenn ihr Rang schlechter ist als 12. Und genau hier spielt die finale Rangliste eine enorm wichtige Rolle. Nur mit dieser Rangliste sehen wir auf einen Blick, ob eine Aktie noch innerhalb der 30% besten ist oder nicht.
Kauf- & Verkaufsentscheidungen
Auf Basis dieser Rangliste, die wir soeben konstruiert haben, werden für die Turbo-Depots alle Kauf- und Verkaufsentscheidungen getroffen. Die jeweiligen Regeln, das Anlageuniversum sowie die Anzahl der Aktien im Depot unterscheiden sich bei den drei Turbo-Strategien allerdings ein wenig.
Die exakten Kaufs- und Verkaufsregeln findest du im Grundlagenartikel für jede der drei Strategien:
Fazit - komplexes System, grandiose Performance
Ich gebe zu, dieser Artikel mit all seinen Formeln und Rechenbeispielen gehört sicherlich nicht zur leichtesten Kost. So bist du nun aber in der Lage genau nachzuvollziehen, wie die Bewertung von Aktien für das Turbo-System abläuft.
Die Kauf- und Verkaufskriterien für die Aktien der Turbo-Depots werden auf Basis einer Rangliste getroffen, die mithilfe von drei Kennzahlen ermittelt wird, die auf unterschiedliche Art die Stärke des Aufwärtstrends einer Aktie messen.
Zunächst wird für diese drei Kennzahlen jeweils eine Rangliste konstruiert, die später in eine gemeinsame Rangliste zusammengeführt wird. Auf Basis des daraus ermittelten finalen Rangs können letztlich alle Entscheidungen innerhalb der drei Turbo-Depots getroffen werden.