Worum es in diesem Beitrag geht
In diesem Artikel möchte ich dir 13 Fehler zeigen, die du für deinen Erfolg an der Börse unbedingt vermeiden solltest. Hier spielen einmal meine persönlichen Erfahrungen und Learnings rein, aber auch aus zahlreichen Nachrichten über Social Media habe ich mit der Zeit Erkenntnisse gewonnen, womit andere Anleger ständig zu kämpfen haben. Aus diesen Beobachtungen und Erfahrungen ist dieser Artikel entstanden, in dem ich dir 13 Fehler beim Aktienhandel vorstelle.
Viel Spaß beim Lesen!
Normalerweise bekommst du hier jeden Donnerstag einen neuen Aktien-Schnell-Check. Urlaubsbedingt pausiert der Schnell-Check diese Woche allerdings. Daher gibt es diese Woche einen eher allgemein gehaltenen Artikel wie diesen hier (der sich besser vorbereiten lässt). Der für die kommende Woche anstehende Aktien-Schnell-Check erscheint mit ein paar Tagen Verzögerung dann am Montag, den 20.10. und am Donnerstag den 23.10. geht es dann planmäßig mit den Schnell-Checks jeden Donnerstag weiter.
Fehler 1: Aktien verbilligen
Verbilligen bedeutet, dass du bei einer Aktie, mit der du im Minus liegst, weitere Stücke nachkaufst, um den durchschnittlichen Kaufkurs damit zu reduzieren. Dreht die Aktie dann wieder nach oben, bist du schneller wieder im Gewinn. Klingt zunächst ja nach einer smarten Idee.
Hast du beispielsweise 20 BASF-Aktien zu je 50 Euro gekauft (also für in Summe 1.000 Euro) und kaufst nach einem Kursrückgang auf 40 Euro nochmal 20 Aktien nach (für dann 800 Euro), liegt dein durchschnittlicher Kaufkurs bei 45 Euro. Du würdest nun also bereits im Gewinn liegen, wenn BASF wieder über 45 Euro steigt.
Wie gesagt klingt das zunächst ja gar nicht mal dumm. Problematisch wird es allerdings, wenn du diese Strategie bei Aktien umsetzt, die sich in einem langfristigen Abwärtstrend befinden und von denen du eigentlich gar nicht so viele Stücke kaufen wolltest.
Das Verbilligen von Aktien mit intakten Abwärtstrends führt dazu, dass du in schwache Positionen immer wieder frisches Kapital nachschießt, welches du sonst in andere aussichtsreichere Investments hättest investieren können. Um dir das einmal deutlich zu machen, schauen wir uns den Chart von PayPal über die letzten Jahre genauer an:
Wir gehen davon aus, du hättest deine ersten Aktien Ende 2020 zu rund 200 USD pro Stück gekauft. Für unser Beispiel nehmen wir an, du hast 10 Aktien gekauft. Die nächsten Monate hätte sich dein Investment zunächst echt gut entwickelt, bis Ende 2021 dann der große Einbruch kam.
Nachdem du deinen Gewinn komplett wieder hergeben musstest, überlegst du dir Anfang 2022 für 170 USD je Aktie nun 5 weitere Aktien nachzukaufen. Dein durchschnittlicher Kaufkurs liegt damit bei 185 USD. Anschließend fällt die PayPal-Aktie aber weiter. Im April 2022 kaufst du nochmal 10 Stück nach für je 100 USD. Damit liegt der durchschnittliche Einstiegskurs nun bei 157 USD.
Leider fällt die Aktie aber weiter. Im Sommer 2023 kaufst du nochmal 10 Aktien für je 70 USD. Damit liegt dein durchschnittlicher Kaufkurs nun bei 135 USD. Aktuell notiert die PayPal-Aktie bei knapp unter 70 USD. Selbst mit deinem letzten Nachkauf liegst du also leicht im Minus. Im Vergleich zum durchschnittlichen Kaufkurs ist ein Anstieg von fast +100% erforderlich, damit du mit der gesamten Position wieder bei Plus-Minus-Null bist. In der folgenden Tabelle findest du die einzelnen Käufe nochmal aufgelistet.
Natürlich handelt es sich bei PayPal und dem Kurseinbruch 2022 auch um ein extremes Beispiel. Daran siehst du aber, dass eine Aktie weiter fallen kann, als man es sich zunächst vorstellt und das Verbilligen in einem laufenden Abwärtstrend dazu führen kann, dass du langfristig in einer Aktie gefangen bist, du die sonst vielleicht längst abgestoßen hättest.
Womit du dieses Beispiel aber nicht verwechseln solltest: Dem gezielten Nachkaufen von langfristig starken Aktien innerhalb von Korrekturen. Aktien, von denen du überzeugt bist und die innerhalb ihres langfristigen Aufwärtstrends Korrekturen vollziehen, kannst du natürlich nachkaufen. Dein Ziel beim Nachkauf sollte es aber niemals sein den Einstandskurs reduzieren zu wollen, sondern eher dir mehr Anteile an einem Unternehmen zu sichern, von dem du absolut überzeugt bist.
Fehler 2: Verluste bei einer einzelnen Aktie ausgleichen wollen
Ich höre oft „Ich möchte den Verlust aber erst ausgleichen, bevor ich die Aktie verkaufe“. Deine aktuelle Performance bei einer Aktie sollte nicht ausschlaggebend dafür sein, ob du eine Aktie noch halten oder verkaufen möchtest. Letztlich ist deine Performance von deinem Kaufkurs abhängig und zu welchem Kurs du die Aktie gekauft hast, hat marktseitig betrachtet absolut keine Auswirkung auf die Bewertung einer Aktie.
Wenn überhaupt sprechen wir hier also von psychologischen Faktoren. Liegst du mit einer Aktie im Minus und möchtest die Aktie verkaufen, mag der Wunsch aufkommen den Verlust vorher noch auszugleichen. Ein Grund dafür ist sicherlich, dass du dir andernfalls zugestehen musst, dass du hier einen Verlust erzielt hast.
Allerdings scheint deine Entscheidung bereits getroffen zu sein: Du möchtest die Aktie verkaufen. Wenn für dich also klar ist, dass du dich von einer Aktie trennen möchtest, stellt sich die Frage, wieso du damit noch wartest.
Die Begründung doch noch irgendwie den Verlust bei der Aktie ausgleichen zu wollen, kann vor allem bei Aktien mit intakten Abwärtstrends dazu führen, dass du dadurch ungewollt lange in dieser Aktie investiert bleibst und dir Chancen bei anderen Aktien entgehen, in die du das Geld sonst hättest investieren können.
Eine einmal getroffene Entscheidung zu einem Verkauf solltest du nicht deshalb herauszögern, nur weil du dein Verlust ausgleichen möchtest. Merk dir hier einfach: Den Verlust bei einer Aktie kannst du auch mit jeder anderen Aktie, die du danach kaufst, ausgleichen.
Fehler 3: Vermeintliche Schnäppchen kaufen
Aktien, die seit Monaten oder Jahren fallen, machen einen günstigen Eindruck. Schnell kommt hier der Gedanke auf „Die steht schon so tief, viel weiter kann sie ja nicht fallen“. Hinzu kommt dann noch eine günstige Bewertung nach dem KGV und schon ist das vermeintliche Schnäppchen fertig.
Allerdings gibt es oft auch einen guten Grund dafür, wenn sich eine Aktie über längere Zeit in einem Abwärtstrend befindet. Um das anhand eines Beispiels deutlich zu machen, betrachten wir im Folgenden einmal die Aktie von VW sowie die Entwicklung des KGVs. Das KGV von VW lag Anfang 2023 bei nur 5 und damit so günstig wie selten zuvor.
Von Anfang 2021 bis Anfang 2023 ist die VW-Aktie von knapp 250 Euro auf 120 Euro gefallen und hat dabei einen Verlust von fast -50% erzielt. Nach so einem starken Kursverlust und der gleichzeitig günstigen Bewertung Anfang 2023 entsteht der Eindruck, die Aktie sei enorm günstig und kann doch eigentlich nicht weiter fallen.
Wärst du Anfang 2023 zu 120 Euro in die Aktie eingestiegen, hättest du in den folgenden knapp zwei Jahren einen Verlust von in der Spitze -35% aushalten müssen. Der Abwärtstrend hat sich abgesehen von zwischenzeitlichen kurzen Erholungen also weiter fortgesetzt. Auch jetzt Anfang Oktober 2025 würdest du mit der Aktie immer noch im Minus liegen. Zwischenzeitliche hohe Dividenden können diesen Verlust zwar teilweise ausgleichen, allerdings wird das Investment damit trotzdem nicht zum Erfolg. Von Anfang 2023 bis Anfang Oktober 2025 ist der DAX um rund +60% gestiegen.
Wenn du das nächste Mal überlegst, ob du eine Aktie, die sich seit Jahren in einem Abwärtstrend befindet, kaufen sollst, musst du dich immer fragen, wieso sie ausgerechnet jetzt wo du kaufst, beginnen sollte zu steigen. Ab und zu kann eine Spekulation auf einen Turnaround natürlich gelingen, oft stellt sich das vermeintliche Schnäppchen aber doch als Flop heraus.
Fehler 4: Gewinne zu früh mitnehmen
Nachdem ich bereits auf den Wunsch eingegangen bin, dass viele Anleger bei Verliereraktien versuchen die Verluste vor dem Verkauf noch irgendwie auszugleichen, nehmen sie Gewinne auf der anderen Seite oft zu früh mit.
Ein Verlust von 1.000 Euro schmerzt mehr als ein Gewinn von 1.000 Euro Freude bereitet. Einen einmal erzielten Gewinn von 1.000 Euro möchte man daher ungern wieder hergeben. Statt eine gut laufende Aktie also weiter zu halten und die Gewinne laufen zu lassen, tendieren Anleger häufig dazu, bereits bei kleinen Gewinnen eine starke Aktie wieder zu verkaufen. Besser ist es allerdings Gewinne laufen zu lassen und gute Aktien zu behalten und dafür Verluste rechtzeitig zu begrenzen.
Betrachten wir hierfür die Aktie von Microsoft. Stell dir vor du hast Microsoft im Mai 2023 gekauft, nachdem sich die Aktie von ihrer Korrektur im Jahr 2022 erholt hat. Natürlich hast du dabei nicht das Tief erwischt, sondern bist in den laufenden Trend bei rund 300 USD eingestiegen. Anschließend hat sich die Position gut entwickelt. Mitte Juli betrug der Gewinn bereits +20%. Dann folgte jedoch eine kleine Korrektur, bei der du beobachten musstest, wie dein Gewinn wieder nahezu vollständig aufgezehrt wird. Das war nicht einfach auszuhalten, aber du hast die Aktie nicht verkauft.
Anschließend stieg Microsoft wieder und hat Mitte November wieder das Niveau erreicht, zu dem du 20% im Plus bist. Jetzt denkst du dir: Den Gewinn möchte ich nicht nochmal hergeben und verkaufst die Aktie. Anschließend hat Microsoft seine Rallye aber weiter fortgesetzt – und das ohne dich.
Langfristig erfolgreiche Aktien und starke Unternehmen benötigen auch Luft für Korrekturen. Lass dich bei deiner Entscheidung eine Aktie zu halten nicht davon leiten, dass du den Gewinn gerne sichern möchtest, sondern frag dich immer, ob du die Aktie zum aktuellen Kursniveau noch kaufen würdest. Lautet die Antwort „Ja“, dann gibt es überhaupt keinen Grund zu verkaufen, nur weil du Gewinne absichern möchtest.
Fehler 5: Nach Aktientipps fragen
Über Instagram bekomme ich eine Frage besonders häufig: „Welche Aktie würdest du jetzt gerade kaufen?“. Oft ist die Frage damit auch beendet – keine weiteren Informationen. Ich kann jetzt sagen „Ich finde Alphabet langfristig stark, habe sie selbst im Depot und würde jetzt auch noch kaufen“.
Nun ist der Fragesteller aber bereits in Alphabet investiert und sucht ohnehin nicht nach einem langfristigen Investment, sondern eher nach einer Aktie, mit der man die nächsten Monate gut etwas an Performance mitnehmen könnte.
Nach einem heißen Tipp zu fragen ohne weitere Informationen über sich preiszugeben kann dazu führen, dass ich am Ende einem Vegetarier ein Rinderfilet nahelege.
Um ehrlich zu sein hasse ich die Frage „Welche Aktie kannst du grade empfehlen“ auch enorm. Einmal empfehle ich keine Aktien, sondern sage immer nur, was ich für mich aktuell machen würde. Und selbst wenn der Fragensteller ein paar Informationen über sich teilt, lässt sich unmöglich zwischen Tür und Angel eine Aktie vorstellen, die vielleicht geeignet wäre.
Und das gilt natürlich nicht nur für den Fall, dass ich nach einem heißen Tipp gefragt werde. Auch beim Einholen von Tipps im Bekanntenkreis ist Vorsicht geboten. Niemand kennt deine Strategie und deine Zielsetzung so genau wie du selbst und deshalb ist es immer schwierig pauschal irgendwelche Tipps zu geben. Sich Inspiration holen ist das eine, aber plump einfach nach irgendwelchen Tipps nachfragen und zu glauben damit erfolgreich zu sein, ist äußerst naiv.
Fehler 6: In Anlageprodukte investieren, die man nicht versteht
„Kaufe nur, was du auch verstehst.“ Eine Regel, die vor allem Warren Buffett geprägt hat. Ich meine damit nicht, dass du jede Aktie, die du kaufst, bis die in kleinste Fußnote analysiert haben musst oder im Detail verstehen musst, wie die Produkte oder Dienstleistungen des Unternehmens funktionieren und vermarktet werden. Ganz ehrlich: Dazu sind wir als Privatinvestoren auch gar nicht in der Lage.
Ich meine damit eher, dass du nur in Anlageklassen investieren solltest, mit denen du vertraut bist. Bist du dir über die Risiken von Einzelaktien nicht bewusst, starte vielleicht lieber mit einem breit diversifizierten ETF. Hast du von Anleihen keine Ahnung, dann steig erstmal tief in das Thema ein, bevor du in Anleihen investierst.
Möchtest du schnell eine hohe Rendite erzielen und bist plötzlich bei Optionsscheinen gelandet, dann mach dich auch damit erstmal vertraut. Hier kam es auch schon öfter vor, dass ich gefragt wurde, wieso Optionsschein XYZ jetzt nicht gestiegen ist, obwohl der zugrundeliegende Basiswert doch gerade zulegen konnte.
Zuletzt wird mit Private Equity Investments noch eine neue Sau durchs Dorf getrieben. Ein großer deutscher Broker bietet seinen Anlegern nun Investments in Private Equity an. Hierbei wirkt es so, als wären hohe Renditen einfach zu erzielen. Private Equity war bislang eher professionellen Investoren vorbehalten – meiner Meinung nach auch aus gutem Grund.
Verglichen mit Aktien und ETFs ist die Anlageform Private Equity deutlich intransparenter, schwieriger nachzuvollziehen und vor allem deutlich illiquider. Natürlich kannst du über andere Anlageformen dein Depot diversifizieren. Aber du solltest dich mit der jeweiligen Anlageklasse auch detailliert auseinandersetzen und sie verstehen und nicht auf irgendwelche Werbeversprechen reinfallen.
Fehler 7: Schnell große Gewinne erzielen wollen
Gier nach hohen Renditen führt meist zu großen Verlusten. Du kannst nicht mit 10.000 Euro anfangen zu investieren und die Erwartung haben in einem Jahr 50.000 Euro zu haben. Selbst in einem noch so guten Börsenjahr wird das nicht ohne erhebliche Risiken möglich sein.
Natürlich lässt sich auf eine einzelne Aktie spekulieren, genau so kannst du am Roulette-Tisch aber auch auf eine Zahl setzen und eben einfach mal Glück haben.
Vermögensaufbau an der Börse ist ein Marathon und kein Sprint. Sicherlich wird dir über Social Media mal jemand über den Weg laufen, der das Gegenteil behauptet und mit Forex-Trading oder irgendeinem anderen Müll den schnellen Reichtum verspricht. Ohne erhebliche Risiken – bis hin zum Totalverlust – sind Depotvervielfachungen innerhalb eines Jahres aber einfach nicht möglich.
Selbst in den stärksten der letzten 30 Jahre hat der S&P 500 höchstens eine Rendite von etwa 30% im Jahr erwirtschaftet. Langfristig liegt diese Rendite bei etwa 10% pro Jahr. Da wäre es doch vermessen zu erwarten, dass einfach mal so eine Verdopplung des Vermögens möglich ist.
Fehler 8: Dich von Emotionen treiben lassen
Verluste tun weh und vor allem in einem Crash können Emotionen zu unüberlegten Handlungen führen. Ein gutes Beispiel hierfür ist der Zoll-Crash Anfang April. In wenigen Tagen ist der S&P 500 in der Spitze um -15% eingebrochen – und das nachdem bereits die Wochen zuvor eher schwach waren.
Hier kommt schnell Panik auf und die Frage, ob daraus ein größerer Crash entsteht. Panikverkäufe sind in solch einem Fall aber genau das Falsche. Gerade als langfristig orientierter Investor solltest du nicht hektisch auf einzelne Reaktionen am Markt reagieren. Beobachte die Lage, analysiere was gerade überhaupt passiert und frage dich, ob die Reaktion nicht überzogen ist. Es ist wichtig dir diese Zeit zu nehmen, bevor du Entscheidungen triffst.
Natürlich kann sich ein anfänglicher Crash von -10% oder mehr auch zu einer größeren Abwärtsbewegung entwickeln. Fand der erste Einbruch aber erstmal statt, gibt es keinen Grund panisch zu reagieren. Hier zahlt es sich meist aus, die Situation erstmal zu beobachten und zu bewerten. Hättest du im Zoll-Crash Anfang April panisch verkauft, wäre dir in den kommenden Monaten eine Rallye von aktuell über +30% entgangen.
Fehler 9: Falscher Einsatz von Stopps
Mit einer Stopp-Loss-Order kannst du für eine Aktie in deinem Depot, einen Kurs festlegen, sodass die Aktie verkauft wird, sobald dieses Niveau erreicht ist. Ein Stopp-Loss ist also ein Instrument für das Risikomanagement, das dir dabei helfen kann, Verluste zu begrenzen.
Hierbei solltest du aber beachten: Ein Stopp-Loss besagt nicht, dass du die Aktie auch zu diesem festgelegten Kurs verkaufst, sondern dass eine Verkaufsorder zum nächsten verfügbaren Kurs durchgeführt wird, sobald dieses Kursniveau (dein Stopp) erreicht wurde.
Ich bin der Meinung, dass in der Welt des Investierens Stopps nichts verloren haben. Stopps sind für mich ein Instrument zum Risikomanagement im Trading. Bei Aktien, die du langfristig halten möchtest, braucht es in meinen Augen keine Stopps.
Ein Beispiel für einen verheerenden Stopp möchte ich dir an der Aktie von Rheinmetall zeigen. Ende Februar 2025 hat die Aktie von Rheinmetall einen starken Kurssprung verzeichnet und dabei eine Aufwärtskurslücke zwischen 1.000 und 1.100 Euro verzeichnet. Nachdem die Aktie im März auf über 1.400 Euro gestiegen ist, hast du nun die Entscheidung getroffen bei 1.100 Euro einen Stopp-Loss zu setzen, um deine Gewinne abzusichern.
Am 07.04.2025 (dem Tag des Zoll-Crashs) ist Rheinmetall zur Eröffnung massiv eingebrochen. Der Eröffnungskurs lag bei rund 990 Euro, sodass deine Stopp-Loss-Order ausgeführt worden wäre. Allerdings nicht zum Stopp-Kurs von 1.100 Euro, sondern zum ersten verfügbaren Kurs von 990 Euro. Anschließend hat sich Rheinmetall an diesem Tag nahezu vollständig von den Verlusten erholt. Nur du warst nicht mehr investiert.
Für das Risikomanagement im eher kurzfristig ausgelegten Trading können Stopps durchaus sinnvoll sein. Bei Aktien, in denen du eher mittel- bis langfristig investiert sein möchtest, machen Sie für mich aber keinen Sinn.
Auch ich habe für Aktien natürlich kritische Kursniveaus, unter die ich Aktien ungern fallen lassen möchte. Dafür setze ich mir aber Kursalarme. Wird dieser Kurs erreicht, kann ich mir die Situation in Ruhe angucken, prüfen was der Auslöser ist und dann entscheiden, wie ich handle.
Fehler 10: Schnell auf News reagieren
Bestimmt hast du auch schon mal den Fall erlebt, dass zu einer Aktie, die du im Depot hast, plötzlich eine Newsmeldung kommt, die die Aktie einbrechen lässt. Oder andersherum überlegst du eine Aktie zu kaufen und plötzlich kommt eine positive Meldung, die den Kurs stark steigen lässt.
In beiden Fällen ist die Versuchung groß schnell noch auf diese Nachricht zu reagieren, bevor es alle anderen tun. Sobald du die jeweilige Nachricht liest, ist es aber bereits zu spät. Die Marktbewegungen werden zum Großteil von institutionellen Anlegern getrieben, die viel besser informiert sind und vor allem viel schneller reagieren können, als wir Privatanleger dazu in der Lage sind.
Du kannst dir also merken: Sobald du eine Newsmeldung zu einer Aktie liest, fand die jeweilige Kursreaktion bereits in diesem Zeitpunkt statt. Man sagt dazu, dass die Information im Aktienkurs nun bereits eingepreist ist.
In vielen Fällen kann es dabei kurzfristig zu Über- oder Untertreibungen kommen, die sich natürlich ausnutzen lassen. Dabei handelt es sich am Ende aber einfach nur um eine Wette, bei der du in der Lage sein musst zu beurteilen, ob die Reaktion wieder korrigiert wird oder sich noch verstärkt.
Fehler 11: Dir unnötige Dienstleistungen andrehen lassen
Gerade auf Social Media gibt es eine Flut an Besserwissern, die dir erklären wollen, dass du am Ende ja doch alles falsch machst. Frage zehn Leute nach ihrer Meinung, dann erhältst du auch zehn unterschiedliche Aussagen. Gehörst du vielleicht noch zu den Einsteigern an der Börse, kommen hier schnell Zweifel auf, ob du überhaupt ausreichend Ahnung mitbringst.
Und genau hier setzen vor allem Werbeanzeigen, Coaches und selbsternannte Börsengurus an. Kein Privatanleger und auch kein selbsternannter Profi hat den heiligen Gral gefunden. Vielen wollen dir aber genau solch eine Strategie verkaufen, mit der du endlich erfolgreich an der Börse bist.
Es spricht nichts dagegen dir andere Meinungen einzuholen, aber lass dich auf keinen Fall verunsichern, nur weil jemand der Ansicht ist dir erzählen zu müssen, dass du deine Strategie doch noch optimieren könntest und dass genau dieser jemand da für dich genau das richtige Produkt am Start hat. Sobald hier hohe Summen für irgendeine Beratung oder ein Coaching verlangt werden, solltest du hellhörig werden. An diesem Punkt verdient in der Regel nur noch einer – und das bist nicht du.
Fehler 12: Kauf von Hype-Aktien
Hypes gibt es immer. Einige davon sind nachhaltig, viele verpuffen nach einiger Zeit aber wieder. Aktuell werden vor allem Quantencomputer-Aktien wie beispielsweise D-Wave Quantum gehyped. Ohne Frage ist eine Kursentwicklung von knapp 1 USD im Oktober 2024 auf inzwischen rund 35 USD ein Jahr später beeindruckend. Und hier haben wir dann auch den schnellen Reichtum.
Aber ganz ehrlich: Könntest du in so eine Aktie einen wesentlichen Teil deines Depots investieren? Das ist eher wieder mit dem Gang ins Casino vergleichbar.
Geht diese Rallye weiter? Möglich. Bricht die Aktie irgendwann ein? Auch möglich. Für mich sind solche Aktien pure Spekulation. Und wenn du mit einem kleinen Teil deines Depots bewusst zocken möchtest, will ich dich davon auch nicht abhalten. Verwechsle solche Aktien aber nicht mit den großen Investments für die Zukunft, nur weil sie sich in solch einem Hype befinden und das nächste große Ding sein sollen.
Vor einigen Jahren gab es auch schon ein anderes „großes Ding“: Wasserstoff. Betrachten wir hierfür einfach mal die Aktie von ITM Power. Diese ist zwischen März 2019 und Januar 2021 in weniger als zwei Jahren von 20 GBp auf 700 GBp gestiegen. Anschließend folgte bis Anfang 2025 ein Einbruch zurück auf 25 GBp.
Neben ITM Power gibt es mit Plug Power, Ballard Power und Nel aus der Branche auch noch einige weitere Beispiele, für die du dir gerne mal die Charts anschauen kannst. Ähnliches gilt auch für Lithium-Aktien wie beispielsweise Standard Lithium oder Rock Tech Lithium.
Ich möchte damit nicht sagen, dass dem aktuellen Hype der Quantencomputer-Aktien etwas ähnliches widerfahren muss. Die Gefahr besteht aber und darüber musst du dir im Klaren sein. Und sei es nicht dieser Hype, sondern ein anderer, der erst noch aufkommt. Viele Hypes verpuffen wieder und bist du zu spät auf einen Hype aufgesprungen und findest nicht rechtzeitig den Ausstieg, findet sich eine Position mit -80% schneller in deinem Depot als du gucken kannst.
Fehler 13: Versuchen den Markt zu timen
„Der Markt notiert ja auf einem sehr hohen Niveau, wäre es da nicht besser einen Teil zu verkaufen und später wieder günstiger einzusteigen?“ Dabei handelt es sich um eine Frage, die ich auch häufiger bekomme. Auch diese Strategie klingt natürlich verlockend, wäre es mal so einfach.
Übertreibungen am Gesamtmarkt aber vor allem bei einzelnen Aktien können länger anhalten, als man sich das vorstellen kann. Verkaufst du jetzt also einen ETF oder eine Aktie, weil du das Gefühl hast, es müsste jetzt mal eine Korrektur geben, nach der du dann wieder günstiger einsteigen kannst, setzt du dich einem großen Risiko aus.
Was machst du, wenn der ETF oder die Aktie nach deinem Verkauf um weitere +10% steigt? Damit du jetzt noch günstiger einsteigen kannst, muss schon eine größere Korrektur kommen. Klar, früher oder später wird es auch mal einen Crash geben, aber bis dahin läuft der Markt vielleicht noch ein paar Jahre ohne dich weiter. Das ist psychologisch unglaublich schwer auszuhalten.
Diese Strategie mag in einigen Fällen funktionieren. Langfristig wirst du dem Markt aber eher neidisch hinterherschauen und verzweifelt nach einem guten Wiedereinstieg suchen – im Zweifel sogar höher als der Kurs, zu dem du ursprünglich verkauft hast.
Fazit – Fehler vermeiden und erfolgreich investieren
Ich habe dir in diesem Artikel 13 Fehler vorgestellt, die du beim Handel an der Börse besser vermeiden solltest. Einige dieser Fehler habe ich früher selbst begangen und aus ihnen gelernt. Andere habe ich aus zahlreichen Nachrichten aufgeschnappt, die ich über die Zeit so über Social Media erhalten habe.
Fehler sind menschlich und es ist nicht schlimm, wenn du einen oder mehrerer dieser Fehler schon einmal begangen hast. Wichtig ist nur, dass du aus deinen Fehlern lernst, sie dir vor Augen hältst und denselben Fehler nicht ein weiteres Mal begehst. Gerade durch Hinzunahme der Beispiele hoffe ich, dass sich diese Lektionen bei dir festigen.