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Der richtige Umgang mit Gewinnen und Verlusten

Titelbild richtiger Umgang mit Gewinnen und Verlusten

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Worum es in diesem Beitrag geht

In diesem Artikel möchte ich auf ein Thema eingehen, zu dem ich besonders häufig Fragen erhalte. Hierbei geht es vor allem um den Umgang mit Gewinnen, also wann eine Aktie mit Gewinn verkauft werden sollte oder ob weiter an ihre festgehalten werden soll. Aber auch die Frage des richtigen Umgangs mit Verlusten stellt sich in diesem Zusammenhang häufig.

Viel Spaß beim Lesen!

Für wen dieser Artikel relevant ist

Eines vorab: Dieser Artikel ist für dich nur relevant, wenn du eine aktivere Handelsstrategie verfolgst und Aktien oder auch ETFs in deinem Depot hin und wieder austauschst und regelmäßig nach neuen Investmentchancen Ausschau hältst.

Damit ist aber auch nicht der Trader angesprochen, der jede Woche Aktien kauft und wieder verkauft. Hältst du Aktien allerdings mit dem Ziel diese nach ein paar Monaten oder Jahren wieder zu verkaufen oder abhängig von der Performance deiner Aktien zwischenzeitlich Umschichtungen vornimmst, hat dieser Artikel eine sehr hohe Relevanz für dich.

Bist du hingegen ein Buy-and-Hold-Investor, der Aktien oder ETFs einmalig kauft und diese dann über Jahre unangetastet liegen lässt, stellt sich die Frage eines Verkaufs für dich vermutlich eher selten.

Wie wir Gewinne und Verluste wahrnehmen

Verluste schmerzen mehr als Gewinne Freude bereiten. Das haben bereits die Psychologen Daniel Kahneman und Richard Tversky in ihrer Neuen Erwartungstheorie aus dem Jahr 1979 wissenschaftlich bewiesen. Investoren nehmen einen Gewinn von 1.000€ weniger positiv wahr, als ihnen ein Verlust von 1.000€ Schmerzen bereitet. Oder einfach gesagt: Ein Gewinn über 1.000€ bereitet weniger Freude, als ein Verlust über 1.000€ zu Ärger führt.

Die daraus resultierende Reaktion ist die Verlustaversion. Das bedeutet, dass Anleger Verluste vermeiden wollen. Ein Verlust von 1.000€ wird daher lieber ausgesessen, während ein Gewinn von 1.000€ lieber realisiert wird, da die Befürchtung besteht, man könnte ihn wieder verlieren.

Das Problem der Verlustaversion

Die Verlustaversion und die daraus resultierende Reaktion Verluste aussitzen zu wollen und Gewinne schnell mitzunehmen ist langfristig betrachtet allerdings genau die falsche Vorgehensweise.

Aktien, die sich bereits in einem langfristigen und stabilen Aufwärtstrend befinden, tendieren dazu, diesen auch künftig fortzusetzen. Bist du in diesen langfristig starken Aktien investiert, und verkaufst diese, sobald hier ein kleiner Gewinn erzielt wurde, führt das dazu, dass du dir die Chancen auf weitere Gewinne verbaust.

Auf der anderen Seite führt die Verlustaversion dazu, dass Anleger Verluste bei Aktien vermeiden wollen. Bei Aktien, die sich aktuell im Minus befinden, höre ich häufig den Satz „Ich warte noch, bis der Verlust wieder ausgeglichen ist und dann verkaufe ich.“

Ehrlich gesagt verstehe ich immer nicht, was die Logik dahinter ist. Für die Entscheidung, ob du an einer Aktie festhalten solltest oder nicht, spielt der Kaufkurs absolut keine Rolle. Es sollte vielmehr um die aktuellen Aussichten des Unternehmens gehen und ob du zum aktuellen Kurs bereit wärst die Aktie wieder zu kaufen. Verneinst du Letzteres, macht es auch wenig Sinn auf einen Ausgleich der Verluste zu warten, bis du die Aktie verkaufst.

Die schwächsten Aktien in deinem Depot befinden sich in der Regel im Minus. Und meist tendieren diese Aktien leider auch dazu ihre Schwäche künftig fortzusetzen. Indem du an diesen Verlustaktien festhältst – in der Hoffnung den Verlust ausgleichen zu können – ist dein Kapital also in schlechten Aktien gebunden.

Übrigens: Den Verlust einer Aktie kannst du auch mit einer anderen aussichtsreicheren Aktie ausgleichen. Der Wunsch den Verlust einer Aktie mit genau dieser Aktie ausgleichen zu wollen ist ein großer psychologisch getriebener Fehler.

Wie du mit Gewinneraktien umgehst

„Ich bin mit Aktie XYZ jetzt schon +50% im Gewinn und überlege den jetzt mal mitzunehmen, was meinst du?“ Das ist eine Frage, die ich besonders häufig bekomme. Und hier sind wir wieder genau bei dem Thema, was für die weitere Entscheidung eine Aktie zu halten keine Relevanz haben sollte: der Kaufkurs.

Der aktuelle Gewinn bei einer Aktie ist natürlich abhängig vom Kaufkurs. Was spielt es nun aber für eine Rolle, ob du bei einer Aktie 30%, 50% oder 100% im Plus bist? Du könntest diese Aktie verkaufen und sofort wieder kaufen und wärst dann bei +/-0%. Ändert sich nun etwas an der Entscheidung?

Ob du eine Aktie, die im Gewinn liegt, verkaufen sollst, ist davon abhängig, ob du die Aktie zum aktuellen Kurs so nochmal kaufen würdest oder ob du der Ansicht bist, dass die Luft hier erstmal raus ist. Würdest du die Aktie so heute nochmal kaufen, gibt es überhaupt keinen Grund die Aktie zu verkaufen.

Ein guter Kompromiss: der Teilverkauf

Wie eingangs bereits erwähnt, tut es besonders weh, wenn wir von Buchgewinnen wieder einen Teil hergeben müssen. Deshalb ist es psychologisch durchaus gut nachvollziehbar, wenn du bei Gewinneraktien Verkäufe tätigen möchtest, um den Gewinn zu sichern.

In der Regel ist es aber besser Gewinneraktien laufen zu lassen und Gewinne nicht zu früh mitzunehmen. Um den Drang der Gewinnrealisierung dennoch zu befriedigen sind Teilverkäufe eine gute Lösung. Ist eine Aktie in deinem Depot bereits sehr gut gelaufen, kannst du einen Teil dieser Position verkaufen, und so schonmal einen Teil der Gewinne sichern.

Der Teilverkauf bringt gegenüber dem Halten der Position oder dem kompletten Verkauf je nach Auslegung immer ein positives Szenario für dich mit:

Zugegeben ist das jetzt etwas schöngerechnet und im Falle weiter steigender Kurse kommt auch der Gedanke auf „Hätte ich mal keinen Teilverkauf getätigt, dann wäre mein Gewinn noch größer.“ Es geht beim Teilverkauf aber einfach darum, dass du aus beiden Situationen (also steigenden und fallenden Kursen) jeweils ein positives Resümee ziehen kannst. Und dieser psychologische Faktor ist beim Aktienhandel einfach nicht zu vernachlässigen.

Welche Aktien kommen für einen Teilverkauf infrage?

Teilverkäufe bieten sich vor allem bei den Aktien an, die besonders gut gelaufen sind und die durch ihre starke Performance nun einen höheren Anteil in deinem Depot haben. Das ist übrigens auch eine Strategie, die ich verfolge. Ich strebe an, dass die Aktien in meinen Depots in den einzelnen Strategien in etwa gleichgewichtet sind. Steigt eine Aktie nun innerhalb eines Jahres um über 100% (wie es bei einigen Aktien im Turbo-Depot der Fall war), tätige ich hier nach und nach kleine Teilverkäufe.

Hintergrund dieser Vorgehensweise ist allerdings nicht, dass ich unbedingt Gewinne realisieren möchte, sondern dass ich das Risiko einer Position begrenze. Ohne Teilverkäufe würde eine besonders starke Aktie im Depot sonst einen derart großen Anteil einnehmen, dass die Auswirkung dieser einen Aktie auf die Performance des Depots zu groß werden würde.

In der Praxis tätige ich Teilverkäufe am häufigsten im Turbo-Depot. Hier sind immer wieder Positionen enthalten, die in wenigen Monaten einen starken Kursanstieg verzeichnen. Ohne diese Teilverkäufe wäre die Performance des Turbo-Depots sicherlich noch besser. Aber an einem bestimmten Punkt rückt das Risikomanagement in den Vordergrund. Ich möchte nicht, dass eine Position so groß wird, wie fünf andere zusammen. Und genau das ist für mich ein guter Grund Teilverkäufe zu tätigen, um so sicherzustellen, dass die Gewichtungen der einzelnen Aktien angemessen sind.

Warum du Verluste begrenzen solltest

Kommen wir von dem Umgang mit Gewinnen nun aber wieder zu den Aktien, die sich im Verlust befinden. Während du Gewinneraktien möglichst lange laufen lassen solltest, macht es keinen Sinn an Aktien, die sich im Verlust befinden nur deshalb festzuhalten, damit du den Verlust wieder ausgleichen kannst.

Würdest du eine Aktie, die im Minus ist, zum aktuellen Kurs so nicht nochmal kaufen (weil du die Aktie nun vielleicht nicht mehr als aussichtsreich ansiehst), gibt es auch überhaupt keinen Grund die Aktie weiterhin zu halten, nur um den Verlust mit der Brechstange ausgleichen zu wollen.

Diese Vorgehensweise sorgt eher dafür, dass sich früher oder später sogenannte Depotleichten in deinem Depot befinden. Hierbei handelt es sich um Aktien, die bereits mehrere Jahre im Minus notieren und seit Kauf einen Verlust von weit über -50% aufweisen.

Ein gutes Beispiel hierfür ist die Aktie von PayPal. Bist du hier im Jahr 2021 zu einem Kurs von 250 USD eingestiegen und hast die Aktie bis heute gehalten, bist du aktuell rund -70% im Minus.

PayPal (Tageschart) seit 2021
PayPal (Tageschart) seit 2021

Ab Ende 2021 bis Ende 2022 hat die Aktie von PayPal einen starken Abwärtstrend verzeichnet. Einige Anleger haben an der Position allein deshalb festgehalten, weil sich die Aktie ja bestimmt wieder erholt und schnell neue Allzeithochs erzielen wird. Tatsächlich hat die PayPal-Aktie aber eine immer stärkere Abwärtsdynamik entwickelt und die Verluste der treuen PayPal-Aktionäre wurden immer größer.

Anstatt auf die nachlassende Dynamik zu reagieren und die Verluste zu begrenzen, war der Wunsch den Verlust wieder ausgleichen zu wollen deutlich größer. Die letzten beiden Jahre hat die PayPal-Aktie ihren Abwärtstrend zwar beendet. Bis die Verluste von Anlegern, die PayPal in der Nähe des Allzeithochs gekauft haben aber schon nur zur Hälfte ausgeglichen sind, wird es noch eine Weile dauern.

Fazit - Richtiger Umgang mit Gewinnen und Verlusten

Gewinne laufen lassen und Verluste begrenzen ist der wichtigste Satz, den du aus diesem Artikel mitnehmen solltest. Gewinner-Aktien tendieren meist dazu ihre starke Entwicklung künftig fortzusetzen, weshalb du das Potenzial dieser Aktien nicht durch zu schnelle Verkäufe begrenzen solltest. Wird eine Position in deinem Depot zu groß oder möchtest du für deinen persönlichen Seelenfrieden Gewinne realisieren, sind Teilverkäufe hier ein guter Kompromiss.

Verlierer-Aktien solltest du nicht deshalb behalten, nur um den Verlust ausgleichen zu wollen. Bist du von einer Aktie nicht mehr überzeugt, ist das Argument wenigstens doch den Verlust auszugleichen kein Grund an der Aktie festzuhalten. Den Verlust bei einer Aktie kannst du auch mit dem Investment bei einer neuen und aussichtsreicheren Aktie ausgleichen.

Ich hoffe ich konnte dir mit diesem Artikel einen wichtigen Impuls für den künftigen Umgang mit Gewinnern und Verlierern in deinem Depot geben. Und vielleicht rufst du dir die Überlegungen aus diesem Artikel wieder ins Gedächtnis, wenn du das nächste Mal mit dieser Situation konfrontiert bist.