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Der Fundamental-Check im Backtest

Titelbild Backtest Fundamental-Check

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Ziel dieses Artikels

Mithilfe des Fundamental-Checks bist du in der Lage herauszufinden, welche Aktien aus fundamentaler Sicht für einen Kauf besonders spannend sind. Im Fundamental-Check werden zehn verschiedene fundamentale Kennzahlen ausgewertet, die dabei helfen zu beurteilen, ob eine Aktie fundamental attraktiv ist oder nicht. Für das Aktienkönig-Fundamental-Depot kommen nur Aktien infrage, die 9 oder mehr Punkte im Fundamental-Check erzielen.

Bist du in der Lage mit einer Aktienauswahl auf Basis des Fundamental-Checks künftig eine höhere Rendite zu erzielen? Also lohnt es sich gezielt nach Aktien mit 9 oder mehr Punkten im Fundamental-Check Ausschau zu halten? Die Antwort darauf liefert ein Backtest. Ich möchte dir in diesem Artikel zeigen, welche Renditen du in der Vergangenheit mit Aktien erzielt hättest, die im Fundamental-Check eine hohe Punktzahl erreicht haben.

Fundamental-Check schnell erklärt

Der Fundamental-Check ist das ideale Bewertungsmodell für Aktien, wenn du nach fundamental solide aufgestellten Unternehmen suchst. Hierbei geht es allerdings nicht etwa darum die Aktien zu finden, die am günstigsten bewertet sind. Vielmehr werden verschiede Aspekte der fundamentalen Aktienbewertung abgedeckt.

Hierbei kommen verschiedene Arten fundamentaler Kennzahlen zum Einsatz. Dazu gehören unter anderem Rentabilitätskennzahlen wie die Eigenkapitalrendite, Bewertungskennzahlen wie das KGV oder auch Wachstumskennzahlen wie das Gewinnwachstum. Eine umfassende fundamentale Bewertung erhalten wir nur, wenn all diese Arten von Kennzahlen in einem Bewertungsmodell abgedeckt werden. Für jede Kennzahl gibt es im Fundamental-Check ein Kriterium, das die Aktie erfüllen muss, damit sie einen Punkt erhält. Besteht eine Aktie alle Kriterien, erhält sie die Maximalpunktzahl von 10 Punkten im Fundamental-Check.

Eine ausführliche Erklärung zum Fundamental-Check findest du in folgendem Artikel: Wie der Fundamental-Check die besten Aktien findet.

Die entscheidende Frage ist nun, ob du mithilfe des Fundamental-Checks Aktien finden kannst, mit denen du künftig eine höhere Rendite erzielst. Um das herauszufinden, habe ich meinen Fundamental-Check einem umfangreichen Backtest unterzogen.

Was macht ein Backtest?

Ein Backtest wertet die Performance einer Investmentstrategie in der Vergangenheit aus. Wir wollen mit einem Backtest also herausfinden, wie hoch wäre die Rendite in der Vergangenheit gewesen, wenn wir nach einem bestimmten Regelwerk in Aktien investiert hätten?

Du fragst dich jetzt bestimmt, was dir das bringen soll? Schließlich ist die Vergangenheit Geschichte und mit historischen Renditen lässt sich nicht mehr viel anfangen. Zum Teil stimmt das natürlich. Allerdings sollten wir auch aus der Geschichte lernen. Möchtest du wissen, welche Renditen sich mit einer konkreten Strategie realisieren lassen, gibt es nur zwei Möglichkeiten:

Die erste Variante bringt einen großen Nachteil mit sich: Du musst sehr lange warten, bis du Ergebnisse hast. Um an dieser Stelle also eine Abkürzung zu nehmen, bedienen wir uns einfach an bereits vorhandenen Datensätzen und tun für jeden Zeitpunkt in der Vergangenheit so, als würden wir die Zukunft nicht kennen. Und mit „wir“ sind jetzt nicht du und ich gemeint, sondern der Computer, der den Backtest durchführt.

Was bringen die Ergebnisse eines Backtests?

Der größte Kritikpunkt an Backtests ist immer, dass die Ergebnisse lediglich die Vergangenheit untersuchen und historische Renditen keinerlei Aussagekraft über die Zukunft liefern. Bei Backtests ist das so aber nicht ganz richtig. Wir können aus Backtests lernen und herausfinden, was an der Börse funktioniert und was nicht.

Stell dir vor du hast zwei Strategien zur Auswahl, in die du künftig investieren kannst:

Die Strategie 1 scheint auf Prinzipien zu basieren, die langfristig an der Börse funktionieren. Natürlich gibt es keine Garantie, dass Strategie 1 nach wie vor eine höhere Rendite erzielen wird. Aber die Wahrscheinlichkeit, dass Strategie 1 auch über die kommenden 20 Jahre erfolgreich sein wird, ist um ein Vielfaches höher, als dass Strategie 2 plötzlich durchstartet, obwohl dieses System die letzten 20 Jahre bereits nicht funktioniert hat.

Ziel eines Backtests ist es also, sicherzugehen, dass ein entwickeltes Bewertungsmodell bereits in der Vergangenheit in der Lage war die guten Aktien von den schlechten zu trennen.

Das Setup für den Backtest

Damit du die Ergebnisse des Backtests, die im nächsten Abschnitt folgen, auch besser interpretieren kannst, muss ich dich zunächst noch mit etwas Theorie langweilen. Dabei geht es um die Rahmenbedingungen des Backtests: Also was wird überhaupt analysiert und nach welchen Kriterien werden Aktien im Backtest gekauft und verkauft?

Analysiertes Anlageuniversum:

Für besonders aussagekräftige Backtestergebnisse sollte nicht nur eine einzelne Region betrachtet werden. Daher wird der Backtest gleich für drei Anlageuniversen durchgeführt:

Beachte bitte, dass sich die Zusammensetzung eines Index mit der Zeit natürlich verändert. Gerade bei Backtests ist das ein sehr wichtiger Aspekt. Vor zehn oder gar zwanzig Jahren waren noch ganz andere Aktien in den Indizes vertreten als heute – viele davon existieren heute sogar gar nicht mehr. Daher wird im Rahmen des Backtests stets mit der zum jeweiligen Zeitpunkt gültigen Indexzusammensetzung gearbeitet.

Analysierter Zeitraum:

Bei Backtests gilt: Je länger der analysierte Zeitraum, desto besser und aussagekräftiger sind die Ergebnisse. Eine Investmentstrategie, die Aktien über Jahre hält, kann nicht in einem Backtest analysiert werden, der nur drei Jahre umfasst. Wünschenswert wäre es natürlich die letzten 50 Jahre analysieren zu können. An die hierfür erforderlichen Daten heranzukommen ist allerdings äußerst schwierig. Außerdem sind derart alte Daten deutlich fehleranfälliger.

Daher gilt es hier einen guten Kompromiss zu finden aus einem möglichst langen Analysezeitraum und einer nach wie vor hohen Datenqualität. Die Backtests werden hierfür Anfang 2004 starten und bis Ende 2025 laufen.

Bewertung nach dem Fundamental-Check:

Im Backtest in diesem Artikel sollen die Aktien nach dem Fundamental-Check bewertet werden. Im Fundamental-Check werden Aktien auf Basis von 10 Kennzahlen bewertet. Je nachdem, ob eine Aktie das Kriterium der jeweiligen Kennzahl besteht oder nicht, erhält sie hierfür einen Punkt. Aktien können im Fundamental-Check also zwischen 0 und 10 Punkte erzielen.

Im Backtest soll nun die Performance von Aktien in Abhängigkeit ihrer erreichten Punktzahl analysiert werden. Alle Aktien mit einer bestimmten Punktzahl wandern daher in einen Topf. Diesen Topf kannst du dir quasi wie ein einzelnes Depot vorstellen. In das erste Depot wandern alle Aktien mit 10 Punkten im Fundamental-Check, in das zweite Depot kommen alle Aktien, die 9 Punkte erzielt haben und so weiter. Die einzelnen Töpfe beziehungsweise Depots werden quartalsweise neu zusammengesetzt.

So ist also über den gesamten Analysezeitraum bekannt welche Aktien zu welchem Zeitpunkt wie viele Punkte erreicht haben. Mithilfe dieser Information lässt sich die Rendite für jeden einzelnen Topf beziehungsweise jedes Depot ermitteln. Genau das sind die Daten, die wir am Ende benötigen.

Ergebnisse des Backtests für den Fundamental-Check

Fundamental-Check am US-amerikanischen Aktienmarkt

Bei der Auswertung der Backtestergebnisse dreht sich alles um die Performance der eben vorgestellten Aktientöpfe. Lass dich von der folgenden Tabelle bitte nicht erschlagen. Ich erkläre dir gleich im Detail, was du hier siehst. Die folgende Tabelle zeigt dir die Performance der Aktien am US-amerikanischen Aktienmarkt (Aktien des S&P 500) in Abhängigkeit ihrer Punkte im Fundamental-Check:

Ergebnisse des Backtests für den Fundamental-Check am US-amerikanischen Aktienmarkt
Ergebnisse des Backtests für den Fundamental-Check am US-amerikanischen Aktienmarkt

Wir gehen das Ganze einfach mal anhand der Daten in der Zeile „9 Punkte“ durch. Diese Zeile zeigt dir die Performance der Aktien an, die im Fundamental-Check 9 Punkte erreicht haben. Diese Aktien haben zwischen Anfang 2004 und Ende 2025 eine durchschnittliche jährliche Rendite von 13,0% pro Jahr erzielt.

Die hier vorgestellten Daten beziehen sich übrigens alle auf Total-Return-Daten. Das bedeutet, dass ausgeschüttete Dividenden in der Rendite bereits mit enthalten sind.

Außerdem siehst du hier, dass die Aktien in der Zeile mit 9 Punkten geringere Risiken aufweisen. Der Aktienkorb, der alle Aktien mit 9 Punkten im Fundamental-Check beinhaltet, kam auf eine jährliche Volatilität von 18,2%. Bei der Volatilität sind niedrige Werte besser, da sie zeigen, dass die Aktien weniger starken Schwankungen unterlegen haben.

Auch beim maximalen Drawdown schneiden Aktien mit 9 Punkten im Fundamental-Check besser ab. Dieser Aktienkorb weist einen maximalen Drawdown von 51,1% auf. Ein Depot bestehend aus Aktien mit 9 Punkten im Fundamental-Check verzeichnet also tendenziell deutlich geringere Rücksetzer als ein Depot bestehend aus Aktien mit 4 Punkten oder weniger im Fundamental-Check.

Das Rendite-Verhältnis gibt dir das Verhältnis aus der jährlichen Rendite dividiert durch die jährliche Volatilität an. Je höher das Rendite-Risiko-Verhältnis ist, desto besser. In der Zeile „9 Punkte“ ergibt sich das Rendite-Risiko-Verhältnis von 0,616, indem die jährliche Rendite von 13,0% durch die Volatilität von 18,2% dividiert wird.

Nun weißt du schon mal, wie du die Ergebnisse interpretieren kannst. Jetzt müssen wir die ganze Tabelle aber noch auswerten und die Performance der einzelnen Scores miteinander vergleichen. Hierbei hilft die farbliche Formatierung klar weiter.

Klar zu erkennen ist, dass Aktien mit 8 oder mehr Punkten auf eine höhere Rendite und gleichzeitig geringere Risiken kommen. Auffällig sind auch sehr geringe Renditen bei Aktien mit 0 Punkten im Fundamental-Check. Historisch betrachtet finden sich hier zwar nur sehr wenig Aktien. Die Ergebnisse zeigen aber deutlich, dass bei Aktien mit so einer schlechten Bewertung Vorsicht geboten ist.

Als erstes Zwischenfazit können wir damit festhalten, dass der Fundamental-Check ein sehr gutes Modell ist, um gute von schlechten Aktien zu unterscheiden. Bist du auf der Suche nach fundamental gut aufgestellten Aktien für dein Depot, ist der Fundamental-Check also ein Bewertungsmodell, das du genauer betrachten solltest.

Fundamental-Check am deutschen Aktienmarkt

Wie bereits gesagt, sind die Ergebnisse eines Backtests nicht aussagekräftig genug, wenn nur eine einzelne Region betrachtet wird. Als zweite Region möchte ich dir daher zeigen, wie die Aktien des deutschen Aktienmarktes (Aktien des DAX, MDAX und SDAX) in Abhängigkeit ihrer Bewertung im Fundamental-Check performt haben:

Ergebnisse des Backtests für den Fundamental-Check am deutschen Aktienmarkt
Ergebnisse des Backtests für den Fundamental-Check am deutschen Aktienmarkt

Auf den ersten Blick enttäuscht der Backtest für den Fundamental-Check für den deutschen Aktienmarkt, da Aktien mit 10 Punkten im Fundamental-Check auf eine Rendite von nur 3,6% kommen. Das liegt allerdings daran, weil der deutsche Aktienmarkt ein kleines Anlageuniversum darstellt und über den analysierten Zeitraum nur sehr wenig Aktien 10 Punkte erzielen konnten.

Zum einen wird die Performance in dieser Kategorie (10 Punkte) also von wenigen Aktien beeinflusst. Zum anderen gab es auch Phasen, wo keine einzige Aktie 10 Punkte erzielen konnte. Entsprechend konnte der Aktienkorb mit 10 Punkten im Fundamental-Check in dieser Zeit auch keine Rendite erzielen.

Ab Score 9 ist die Tendenz dafür aber klar. Aktien mit 7 bis 9 Punkten weisen eine besonders hohe Rendite auf. Aktien mit weniger als 4 Punkten im Fundamental-Check gilt es zu meiden. Hier fallen die Renditen deutlich ab. Für Score 0 gilt dann aber wieder die gleiche Aussage wie bei Score 10: Es gab historisch kaum Aktien, die nur 0 Punkte erzielt haben, entsprechend ist das Ergebnis hier am unteren Rand auch verzerrt.

Fundamental-Check am europäischen Aktienmarkt

Zuletzt betrachten wir noch die Backtestergebnisse für den europäischen Aktienmarkt. Hierfür wurden die Aktien des Stoxx600 analysiert.

Ergebnisse des Backtests für den Fundamental-Check am europäischen Aktienmarkt
Ergebnisse des Backtests für den Fundamental-Check am europäischen Aktienmarkt

Am europäischen Aktienmarkt sehen wir nun wieder eine ähnliche Tendenz wie am US-amerikanischen Aktienmarkt. Vor allem Aktien mit 10 Punkten im Fundamental-Check können hier mit einer Rendite von 14,9% überzeugen. Dafür fällt die Volatilität mit 23,7% aber auch höher aus. Aber auch Aktien mit 7 bis 9 Punkten kommen auf eine hohe Rendite bei einer vergleichsweise geringen Volatilität.

Vorsicht ist geboten bei Aktien mit 4 Punkten oder weniger. Hier sind sowohl die Renditen als auch die Risikomaße schlecht. Eine Ausnahme bildet hier zwar die Gruppe mit Aktien mit 1 Punkt. In diesem Aktienkorb befinden sich historisch betrachtet aber nur sehr wenig Aktien, sodass die Performance hier von einigen wenigen Aktien getrieben wird.

Die Tendenz der Ergebnisse beim Fundamental-Check ist also klar: Aktien mit einer hohen Punktzahl erzielen höhere Renditen und sind dabei gleichzeitig in der Lage geringe Risikomaße auszuweisen.

Fazit: Mit dem Fundamental-Check kannst du deine Rendite deutlich verbessern

Mit einem Backtest sind wir in der Lage zu analysieren, wie sich eine Investmentstrategie beziehungsweise ein Aktien-Bewertungsmodell in der Vergangenheit geschlagen hätte. Anhand der Ergebnisse aus der Vergangenheit lässt sich beurteilen, ob es künftig sinnvoll ist Aktien nach einem eigens entwickelten Bewertungsmodell auszuwählen.

Ich habe dir in diesem Beitrag die Ergebnisse der Backtests für den Aktienkönig-Fundamental-Check vorgestellt. Mit dem Fundamental-Check bist du in der Lage Aktien mit einer hohen Rentabilität, einem soliden Wachstum, hohen Margen sowie einer fairen Bewertung zu finden. Wie die Backtests gezeigt haben, sind Aktien mit 8 oder mehr Punkten im Fundamental-Check in der Lage eine deutlich höhere Rendite zu erzielen. Gleichzeitig fallen die Risikomaße bei diesen Aktien geringer aus.

Natürlich liefern die Ergebnisse von Backtests keine Performancegarantie für die Zukunft. Du hast aber gesehen, dass sich das Verhältnis aus Rendite und Risiko deutlich verbessern lässt, wenn du gezielt nach Aktien mit mehr als 8 Punkten im Fundamental-Check Ausschau hältst. Außerdem kannst du den Fundamental-Check als Warnsignal verwenden. Aktien mit 3 oder weniger Punkten im Fundamental-Check haben im Backtest eine schlechte Performance verzeichnet. Um diese Aktien solltest du daher lieber einen großen Bogen machen.