Ziel dieses Artikels - Backtestergebnisse zum Mini-Turbo-Depot
In diesem Artikel stelle ich dir die Backtestergebnisse des Mini-Turbo-Depots vor. Ein Backtest zeigt, wie eine Investmentstrategie in der Vergangenheit performt hätte. Nachdem das Turbo-Depot die letzten Jahre seinen Erfolg bereits bewiesen hat, geht mit dem Mini-Turbo-Depot nun eine neue Strategie an den Start. Um ein besseres Gefühl für die Entwicklung dieser Strategie in der Vergangenheit zu bekommen, bekommst du hier einen Einblick in die Backtestergebnisse zum Mini-Turbo-Depot.
Viel Spaß beim Lesen!
Kurze Einführung: Was ist das Mini-Turbo-Depot?
Das Mini-Turbo-Depot investiert auf Basis derselben Kennzahlen, wie das Turbo-Depot. Der Name Turbo kommt daher, dass in die Aktien mit den stärksten Aufwärtstrends der letzten Monate bis Jahre investiert wird – also quasi die Aktien, die gerade den Turbo gezündet haben. Mit dieser Vorgehensweise wird auf starke laufende Trends aufgesprungen mit dem Ziel von der Fortsetzung dieser Trends zu profitieren.
Bei der Aktienauswahl des Mini-Turbo-Depots geht es also ausschließlich um die Stärke des Aufwärtstrends einer Aktie. Entsprechend wird für die Entscheidungsfindung, welche Aktien nun gekauft oder auch verkauft werden sollen lediglich die historische Kursentwicklung benötigt. Fundamentaldaten spielen bei dieser Strategie überhaupt keine Rolle.
Möchtest du alle Details über das Mini-Turbo-Depot erfahren, dann empfehle ich dir unbedingt einen Blick in den Grundlagenartikel zum Mini-Turbo-Depot „Was ist das Mini-Turbo-Depot“ zu werfen.
Backtestergebnisse des Mini-Turbo-Depots
Bevor das Mini-Turbo-Depot hier bei Aktienkönig nun live geht, habe ich in Backtests analysiert, ob ich mit dieser Strategie langfristig überhaupt erfolgreich investieren kann. Ein Backtest analysiert auf Basis von konkreten Kauf- und Verkaufsregeln, wie sich eine Investmentstrategie in der Vergangenheit entwickelt hätte.
Dabei versucht ein Backtest so nah es geht an die Realität heranzukommen, zu 100% lässt sie sich aber nie nachbilden. Die Backtestergebnisse können daher nur eine Orientierung geben und sind keinesfalls ein Indikator und erst recht kein Garant für die künftige Rendite. Klar ist aber, dass wenn eine Strategie in den letzten 20 Jahren eine deutliche Outperformance verzeichnet hat, dann basiert sie auf Prinzipien, die langfristig an der Börse funktionieren. Der Backtest erfolgt für den Zeitraum von Anfang 2004 bis Ende 2025.
Dezilanalyse
Theoretische Grundlagen zur Dezilanalyse
Als erstes Backtestergebnis möchte ich dir die Dezilanalyse vorstellen. Bei einer Dezilanalyse wird das Anlageuniversum in 10 Gruppen unterteilt. Die Einteilung erfolgt auf Basis der Rangliste des Turbo-Systems. Die hierfür verwendeten Kennzahlen sowie die Konstruktion dieser Rangliste erkläre ich dir in diesem Artikel: Kennzahlen der Turbo-Strategie.
Gehen wir das einmal beispielhaft für den Nasdaq100 durch – dieser beinhaltet, wie der Name sagt, 100 Aktien. So lassen sich die Dezile einfach einteilen. Im ersten Dezil sind die 10 besten Aktien nach der Rangliste des Turbo-Systems enthalten, im zweiten Dezil dann die zweitbesten 10, usw. Die Dezile enthalten also die folgenden Ränge:
| Dezil 1 | Ränge 1 bis 10 |
| Dezil 2 | Ränge 11 bis 20 |
| Dezil 3 | Ränge 21 bis 30 |
| Dezil 4 | Ränge 31 bis 40 |
| Dezil 5 | Ränge 41 bis 50 |
| Dezil 6 | Ränge 51 bis 60 |
| Dezil 7 | Ränge 61 bis 70 |
| Dezil 8 | Ränge 71 bis 80 |
| Dezil 9 | Ränge 81 bis 90 |
| Dezil 10 | Ränge 91 bis 100 |
Bei einem anderen Anlageuniversum mit einer anderen Anzahl Aktien müssen diese Grenzen natürlich angepasst werden. Ziel ist es, dass im ersten Dezil die 10% besten Aktien nach der Rangliste des Turbo-Systems enthalten sind, im zweiten Dezil dann die nächstbesten 10%, usw. Das zehnte Dezil beinhaltet entsprechend die schlechtesten 10%.
Die Dezile werden immer am Ende eines Quartals neu gebildet und anschließend werden die Aktien in jedem Dezil für ein Quartal gehalten – quasi so, als würde es sich dabei um ein einzelnes Depot handeln. Die Zusammensetzungen werden also quartalsweise angepasst.
Im Optimalfall ist die Rendite im ersten Dezil am höchsten, im zweiten Dezil am zweithöchsten und fällt dann Dezil für Dezil immer weiter ab. Das wäre ein optimales Backtestergebnis, weil es zeigen würde, dass die vergangene Performance ein perfekter Indikator für die künftige Wertentwicklung ist. Es reicht hier aber bereits vollkommen aus, wenn eine klare Tendenz zu erkennen ist, dass die Performance in den vorderen Dezilen besser ausfällt als in den hinteren.
Im Folgenden stelle ich dir die Ergebnisse der Dezilanalyse für die beiden Anlageuniversen des Turbo-Depots (Nasdaq100 sowie DAX, MDAX und SDAX) separat vor.
Dezilanalyse für die Aktien des Nasdaq100
Aus dem Nasdaq100 haben die Aktien im ersten Dezil die höchste Rendite verzeichnet. In diesem Dezil befinden sich die Aktien, die nach der Rangliste der Turbo-Strategie ganz vorne liegen. Aktien, die in den vergangenen Monaten stark performt haben, setzen ihren Aufwärtstrend also tendenziell fort. Du siehst aber auch, dass die Risikomaße im ersten Dezil besonders hoch sind.
Im zweiten Dezil fällt die Rendite dann schon deutlich ab auf nur noch 12,0%. Dafür ist im dritten und vierten Dezil wieder ein deutlicher Anstieg zu sehen. Tendenziell weisen Aktien in den vorderen Dezilen also künftig eine höhere Rendite auf. In den hinteren Dezilen fällt die Rendite dafür eher ab.
Eine Ausnahme bildet hier das Dezil 10. Von den Aktien, die am stärksten gefallen sind, können einige auch einen Turnaround vollziehen. So schneidet das zehnte Dezil mit einer Rendite von 12,4% gar nicht schlecht ab. Dafür sind die Risikomaße hier aber auch mit Abstand am größten.
Dezilanalyse für die Aktien aus dem DAX, MDAX und SDAX
Am deutschen Aktienmarkt (DAX, MDAX und SDAX) ist eine noch deutlichere Tendenz zu erkennen. Vor allem eine Rendite von 18,1% im ersten Dezil ist hier äußerst überzeugend. Am deutschen Aktienmarkt gilt also besonders: Aktien, die zuletzt stark gestiegen sind (also weit vorne in der Rangliste des Turbo-Systems liegen), tendieren dazu ihre Rallye fortzusetzen.
Auch hier fällt die Rendite im zweiten Dezil aber klar ab, bevor sie im dritten dann wieder steigt. Insgesamt ist aber deutlich zu erkennen, dass die Renditen von den vorderen Dezilen hin zu den hinteren tendenziell fallen. Gleichzeitig steigen die Risikomaße deutlich an. Besonders deutlich wird das bei den Dezilen 0 bis 2. Diese weisen die geringsten Renditen und gleichzeitig die höchsten Risikomaße auf.
Die Rendite in Dezil 10 ist sogar negativ. Das bedeutet, dass Aktien, die die letzten Monate zu den größten Verlierern gehört haben, diese schwache Entwicklung künftig tendenziell auch fortsetzen.
Backtest der Strategie des Mini-Turbo-Depots
Die Dezilanalyse ist etwas abstrakt und weniger gut greifbar. In diesem Abschnitt wird nun der Backtest exakt so durchgeführt, wie die Regeln für das Mini-Turbo-Depot in der Praxis sind. Diese Regeln fasse ich dir hier noch einmal kurz zusammen:
- Das Mini-Turbo-Depot hält 4 Aktien aus dem DAX, MDAX und SDAX sowie 4 Aktien aus dem Nasdaq100.
- Es werden die Aktien gekauft, die nach der Rangliste des Turbo-Systems ganz oben stehen.
- Eine Aktie wird verkauft, wenn sie nicht mehr zu den 15% besten dieser Rangliste gehört.
- In diesem Fall wird die nächstbeste Aktie nachgekauft, die sich noch nicht im Mini-Turbo-Depot befindet.
Der folgende Chart zeigt dir, wie sich ein Depot auf Basis dieser Regeln zwischen Anfang 2004 und Ende 2025 entwickelt hätte. Der Vergleichsindex ist hier eine Mischung aus dem DAX sowie dem Nasdaq100.
| Benchmark | Mini-Turbo-Depot | |
|---|---|---|
| Jährliche Rendite | 9,8% | 25,9% |
| Volatilität | 18,2% | 27,4% |
| Maximaler Drawdown | 54,4% | 43,5% |
| Rendite-Risiko-Verhältnis | 0,53 | 0,95 |
Der Backtest für das Turbo-Depot fällt äußerst stark aus. Sogar noch etwas besser als beim originalen Turbo-Depot. Zwischen Anfang 2004 und Ende 2025 kommt die Strategie auf eine beeindruckende jährliche Rendite von 25,9%. Die Benchmark (Mischung aus DAX und Nasdaq100) liegt bei einer jährlichen Rendite von 9,8%. Die Outperformance über so einen langen Zeitraum ist beachtlich.
Dafür fallen die Schwankungen des Mini-Turbo-Depots aber auch sehr groß aus – ebenfalls nochmal etwas größer als beim originalen Turbo-Depot. Die Volatilität liegt mit 27,4% deutlich über der Benchmark (18,2%). Eine Abweichung der Volatilität in dieser Größenordnung ist auf jeden Fall spürbar. Größere Schwankungen – gerade auch kurzfristig – dürfen dir hier nichts ausmachen. Dafür ist es sehr erfreulich zu sehen, dass der maximale Drawdown mit -44% deutlich geringer ausfällt als bei der Benchmark (-54%). Auch im Vergleich zum originalen Turbo-Depot (-52%) ist der maximale Drawdown geringer.
Dank der sehr hohen Rendite fällt das Rendite-Risiko-Verhältnis mit 0,95 beim Mini-Turbo-Depot deutlich größer aus als das der Benchmark (0,53). Das Rendite-Risiko-Verhältnis berechnet sich, indem die jährliche Rendite durch die Volatilität dividiert wird. Werte im Bereich von 1,0 sind als äußerst stark anzusehen. An diesem Spitzenwert kratzt das Mini-Turbo-Depot also sogar.
Was sich in einem Backtest außerdem analysieren lässt ist der Umschlagsfaktor. Dieser gibt Auskunft darüber, wie oft die Positionen im Depot im Jahr wechseln. Der Umschlagsfaktor für das Mini-Turbo-Depot im Backtest liegt bei 2,22. Das bedeutet, dass eine Position im Jahr im Schnitt 2,22-mal wechselt. Daraus lässt sich im Umkehrschluss die durchschnittliche Haltedauer einer Aktie berechnen. Diese ergibt sich, indem 12 Monate durch den Umschlagfaktor von 2,22 dividiert werden. Die durchschnittliche Haltedauer einer Aktie im Mini-Turbo-Depot liegt demnach bei 5,4 Monaten.
Auswertung der einzelnen Jahre
Mit der Auswertung der einzelnen Jahre möchte ich dir jetzt noch zeigen, wie sich das Turbo-Depot im Backtest in den jeweiligen Jahren in Relation zum Vergleichsindex (Mischung aus DAX und Nasdaq100) entwickelt hätte. So bekommst du ein besseres Gefühl dafür, wie sich die Strategie in unterschiedlichen Marktphasen geschlagen hat.
Der Tabelle kannst du entnehmen welche Renditen das Mini-Turbo-Depot sowie die Benchmark in den einzelnen Jahren erzielt haben. Die letzte Spalte zeigt dir die Renditedifferenz an. Hier fällt zunächst die deutliche Outperformance in den beiden letzten Jahren (2024 und 2025) auf. Dafür waren die Jahre 2022 und 2023 alles andere als einfach. Hier lag die Underperformance bei -13% beziehungsweise -18%. Das muss man zwei Jahre infolge erstmal aushalten können. Mit Ausnahme dieser beiden Jahre sowie dem Jahr 2009, gab es sonst aber keine deutliche Underperformance.
Was ich dir damit zeigen möchte: Auch wenn die Performancemaße über den gesamten Zeitraum wirklich beeindruckend aussehen, musst du dir darüber im Klaren sein, dass diese Outperformance nicht konstant jedes Jahr erzielt wird. Es gibt vereinzelt enorm starke Jahre, die Historie zeigt aber auch, dass es Durststrecken von zwei Jahren geben kann.
Wenn du langfristig in den Genuss der Stärken dieser Strategie kommen möchtest, musst du kurz- und mittelfristig aber auch schwierige Phasen durchstehen können und darfst nicht alles über den Haufen werfen, wenn es ein oder zwei Jahre mal nicht so gut läuft.
Fazit - das Mini-Turbo-Depot mit äußerst hohen Renditen, aber auch höheren Risiken
Ich habe dir in diesem Artikel habe ich dir anhand von Backtests gezeigt, welche Renditen mit dem Mini-Turbo-Depot realistisch sind. Mit einer jährlichen Rendite von über 25% über mehr als 20 Jahre ist das Mini-Turbo-Depot eine unglaublich starke Strategie. Dafür fallen die Risikomaße aber auch sehr hoch aus. Außerdem hast du bei der Auswertung der einzelnen Jahre gesehen, dass es zwischenzeitlich auch mal schwierige Phasen mit deutlicher Underperformance gibt.
Mit diesem Artikel wollte ich dir zeigen, was mit einer gut durchdachten Strategie langfristig an der Börse möglich ist. Du kannst dieses Depot so 1:1 für dich umsetzen. Wichtig ist aber, dass du die Strategie, wenn ganz umsetzt und das auch konsequent. Suchst du dir nur ein paar Aktien raus oder wirfst alles über den Haufen, wenn es ein paar Monate mal nicht rund läuft, wirst du langfristig mit dem Mini-Turbo-Depot auch nicht erfolgreich sein können.