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Aktien mit niedrigem KGV kaufen – bringt das was?

Titelbild Aktien mit niedrigem KGV kaufen mit einem Taschenrechner und einem Finanzreport im Hintergrund

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Ziel dieses Beitrags

Günstig bewertete Aktien werden künftig doch sicherlich eine höhere Rendite erzielen, schließlich kaufst du sie günstig ein. Ob das wirklich so ist, kläre ich mit dir in diesem Artikel.

Ob eine Aktie günstig ist oder nicht, soll in diesem Artikel auf Basis des KGV (Kurs-Gewinn-Verhältnis) analysiert werden. Ich zeige dir anhand einer wissenschaftlichen Analyse, was es gebracht hätte in Aktien mit einem niedrigen KGV zu investieren. Aus den Ergebnissen kannst du anschließend ableiten, ob es sich lohnt, gezielt nach Aktien mit einem niedrigen KGV zu suchen.

1. Das KGV zur Aktienauswahl

Das KGV (Kurs-Gewinn-Verhältnis) ist eine der am häufigsten betrachteten Kennzahlen zur Aktienbewertung. Das KGV berechnet sich, indem die Marktkapitalisierung eines Unternehmens durch den Gewinn des Unternehmens dividiert wird.

Formel zur Berechnung des KGV (Kurs-Gewinn-Verhältnis)

Ein niedriges KGV zeigt dir, dass die Aktie im Verhältnis zu den Gewinnen, die das Unternehmen erwirtschaftet, günstig bewertet ist. Beachte bitte, dass sich das KGV nur für Unternehmen berechnen lässt, die aktuell einen Gewinn erzielen. Hat ein Unternehmen zuletzt einen Verlust erwirtschaftet, kann es nach dem KGV nicht sinnvoll bewertet werden. Gerade Value-Investoren, die gezielt in Aktien mit günstigen Bewertungen investieren, sind davon überzeugt, dass es langfristig besser ist Aktien mit einer niedrigen Bewertung, also einem niedrigen KGV, zu kaufen.

Die Frage ist aber natürlich, wann ist eine Aktie nach dem KGV günstig bewertet? Einen festen Richtwert gibt es hier nicht. Das KGV ist außerdem stark branchenabhängig. Investierst du also gezielt in Unternehmen mit einem niedrigen KGV, wirst du in bestimmten Sektoren deutlich übergewichtet sein.

2. Analyse der Strategie

Für diesen Artikel lautet die Frage nun, ob es sich überhaupt lohnt in Aktien mit einem niedrigen KGV zu investieren? Als Beispiel setzen wir als Grenze hier nun ein KGV von 15 fest. Liegt das KGV einer Aktie also unter 15, gilt die Aktie als günstig.

Mit dieser Definition ist also schon mal eine Grundlage für die Konstruktion einer Strategie zur Aktienauswahl geschaffen. Du könntest nämlich sagen, dass du ausschließlich nach Aktien suchst, deren KGV unter 15 liegt. Alle Aktien, die dieses Kriterium erfüllen, kommen dann für weitere Analysen (wie auch immer die bei dir aussehen mögen) in Betracht.

Die entscheidende Frage ist nun aber, ist es überhaupt sinnvoll solch einen Filter vorzugeben und ausschließlich nach Aktien mit einem KGV von weniger als 15 zu suchen? Die Antwort darauf liefert ein Backtest.

Mit einem Backtest lässt sich analysieren, wie eine Investmentstrategie in der Vergangenheit performt hätte. In diesem Kontext lässt sich sagen, dass wir das Anlageuniversum einfach in zwei Gruppen aufteilen:

  • Gruppe 1: Aktien mit einem KGV von unter 15
  • Gruppe 2: Aktien mit einem KGV von mehr als 15

 

Sollten wir nun feststellen, dass Gruppe 1 (also die Aktien mit einem KGV kleiner 15) in der Vergangenheit eine höhere Rendite erzielt haben als die Aktien aus der Gruppe 2 (mit einem KGV von mehr als 15), ist das Filterkriterium, gezielt Aktien mit einem KGV von weniger als 15 auszuwählen, gut. Stellen wir hingegen das Gegenteil fest, dass Gruppe 2 besser performt hat, macht es überhaupt keinen Sinn gezielt nach Aktien mit einem niedrigen KGV von weniger als 15 zu suchen.

3. Das Setup der Analyse

Ziel der Analyse soll es sein, herauszufinden, ob Aktien mit einem KGV von unter 15 besser performen als Aktien mit einem von über 15. Bevor die Analyse durchgeführt werden kann, muss ich dir noch ein paar Infos geben, wie das Setup dieses Backtests überhaupt aufgebaut ist.

Die Analyse soll für drei unterschiedliche Aktienmärkte durchgeführt werden. So bekommen wir besonders aussagekräftige Ergebnisse. Für jeden Aktienmarkt muss außerdem definiert werden, wie das Anlageuniversum aussieht. Dafür orientieren wir uns an der jeweils aktuellen Indexzusammensetzung ausgewählter Indizes.

  • Deutscher Aktienmarkt mit den Indizes DAX, MDAX & SDAX
  • Europäischer Aktienmarkt mit dem Index Stoxx600
  • US-amerikanischer Aktienmarkt mit dem Index S&P 500

Für den Backtest wird mit der zum jeweiligen Zeitpunkt gültigen Indexzusammensetzung gearbeitet. Das bedeutet, dass wenn für das Jahr 2010 analysiert werden soll, welche Aktien ein KGV von weniger als 15 aufgewiesen haben, dann müssen hier auch die Aktien betrachtet werden, die 2010 im jeweiligen Index enthalten waren.

Die Analyse wird von Anfang 2004 bis Ende 2021 durchgeführt. Zu Beginn jeden Jahres wird geprüft, welche Aktien ein KGV von unter 15 haben. Diese wandern in den Aktienkorb 1. Alle Aktien mit einem KGV von mehr als 15 werden im Aktienkorb 2 erfasst. Beide Körbe werden ein komplettes Jahr gehalten. Zum nächsten Jahreswechsel werden die Körbe dann wieder neu zusammengesetzt. Alle Aktien werden dabei jeweils gleichgewichtet. Aktien, für die kein KGV berechnet werden kann, werden in dieser Analyse nicht mitberücksichtigt.

Du kannst dir beide Aktienkörbe also wie zwei große Depots vorstellen. In Depot 1 sind alle Aktien eines Index mit einem KGV von weniger als 15, in Depot 2 befinden sich alle Aktien mit einem KGV von über 15. Und nochmal zu Erinnerung: Über den gesamten Zeitraum sollte Depot 1 eine höhere Rendite aufweisen, andernfalls macht es keinen Sinn gezielt nach Aktien mit einem niedrigen KGV zu suchen.

4. Ergebnisse des Backtests

Ist für den Analysezeitraum ermittelt, welche Aktien sich jeweils in Aktienkorb 1 und Aktienkorb 2 befanden, lässt sich anschließend die Performance der beiden Körbe ermitteln. Die Ergebnisse stelle ich dir für die drei untersuchten Regionen jetzt im Detail vor.

4.1. Aktien mit niedrigem KGV am deutschen Aktienmarkt

Für den deutschen Aktienmarkt bilden die Aktien des DAX, MDAX und SDAX das Anlageuniversum, das untersucht wird. In der Spalte KGV < 15 ist die Performance vom Aktienkorb 1, der alle Aktien mit einem KGV von weniger als 15 beinhaltet. In der Spalte KGV > 15 ist die Performance vom Aktienkorb 2 erfasst, der alle Aktien mit einem KGV von mehr als 15 beinhaltet. Alle Performancedaten sind Total-Return-Daten. Ausgeschüttete Dividenden sind also mitberücksichtigt.

Backtestergebnis Aktien mit einem niedrigen KGV am deutschen Aktienmarkt
Backtestergebnis Aktien mit einem niedrigen KGV am deutschen Aktienmarkt

Aktien aus dem DAX, MDAX und SDAX mit einem KGV von unter 15 kamen zwischen 2004 und Ende 2021 auf eine jährliche Rendite von 10,0%. Aktien mit einem KGV von über 15 haben hingegen eine jährliche Rendite von 11,2% erzielt.

Hinzu kommt noch, dass die Risiken bei Aktien mit einem KGV unter 15 größer ausfallen. Die Volatilität ist mit 21,9% über 3%-Punkte größer als bei Aktien mit einem KGV von über 15. Gleichzeitig weisen Aktien mit einem niedrigen KGV einen deutlich höheren maximalen Drawdown auf. Das führt zu dem Zwischenergebnis, dass es zumindest schon mal am deutschen Aktienmarkt nicht sinnvoll ist gezielt in Aktien mit einem besonders niedrigen KGV zu investieren.

4.2. Aktien mit niedrigem KGV am europäischen Aktienmarkt

Als nächstes führen wir dieselbe Analyse für den europäischen Aktienmarkt durch. Hierfür betrachten wir die Aktien des Stoxx600. In Aktienkorb 1 wandern wieder die Aktien mit einem KGV von weniger als 15, während in Aktienkorb 2 die Aktien mit einem KGV von über 15 enthalten sind.

Backtestergebnis Aktien mit einem niedrigem KGV am europäischen Aktienmarkt
Backtestergebnis Aktien mit einem niedrigem KGV am europäischen Aktienmarkt

Der Aktienkorb 1, der Aktien mit einem KGV von unter 15 beinhaltet, kam auf eine jährliche Rendite von 8,8%. Aktienkorb 2, der Aktien mit einem KGV über 15 beinhaltet, konnte eine jährliche Rendite von 9,4% verzeichnen. Auch hier sehen wir, dass die Risikomaße (Volatilität und maximaler Drawdown) beim zweiten Aktienkorb (bei Aktien mit einem höheren KGV) niedriger ausfallen. Auch am europäischen Aktienmarkt wäre es daher nicht ratsam gezielt nach Aktien mit einem KGV von weniger als 15 zu suchen.

4.3. Aktien mit niedrigem KGV am US-amerikanischen Aktienmarkt

Abschließend betrachten wir die Ergebnisse noch für den US-amerikanischen Aktienmarkt. Hierfür untersuchen wir die Aktien des S&P 500.

Backtestergebnis Aktien mit einem niedrigen KGV am US-amerikanischen Aktienmarkt
Backtestergebnis Aktien mit einem niedrigen KGV am US-amerikanischen Aktienmarkt

Auch in den USA fällt die Performance von Aktien mit einem KGV unter 15 schlechter aus als bei Aktien mit einem KGV von über 15. Die Rendite ist 1,2%-Punkte geringer, gleichzeitig sind die Risikomaße deutlich größer. Der maximale Drawdown fällt bei Aktien mit einem niedrigen KGV sogar fast 10%-Punkte größer aus als bei Aktien mit einem hohen KGV. Auch am US-amerikanischen Aktienmarkt macht es also wenig Sinn gezielt nach Aktien mit einem besonders niedrigen KGV zu suchen.

5. Fazit: Ein niedriges KGV hilft dir nicht weiter

Das KGV ist eine der am häufigsten betrachteten Kennzahlen im Rahmen der fundamentalen Bewertung einer Aktie. Ein niedriges KGV zeigt an, dass eine Aktie im Verhältnis zu ihren erwirtschafteten Gewinnen günstig bewertet ist. In diesem Artikel sind wir der Frage nachgegangen, ob es sich lohnt in Aktien mit einem niedrigen KGV von unter 15 zu investieren.

Hierfür wurde zunächst das Setup definiert, wie die Analyse aufgebaut ist. Außerdem habe ich dir erklärt auf welche Details es zu achten gilt. Für den Backtest wurden Aktien in zwei Gruppen (zwei Aktienkörbe) eingeteilt. Einen Korb mit Aktien, deren KGV unter 15 liegt und ein weiterer Korb mit Aktien, deren KGV über 15 liegt.

Entgegen der Erwartung konnten Aktien mit einem KGV von unter 15 sowohl am deutschen, europäischen als auch am amerikanischen Aktienmarkt keine höhere Rendite erzielen. Daraus kannst du ableiten, dass es nicht sinnvoll ist, gezielt nach Aktien Ausschau zu halten, die ein besonders niedriges KGV aufweisen. Das KGV ist damit aber sicherlich keine schlechte Kennzahl. Dir muss aber klar sein, dass das KGV allein, gerade mit der strengen Vorgabe einer Grenze von 15, nicht für die Aktienauswahl geeignet ist.