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Aktien mit hoher Dividendenrendite kaufen – lohnt sich das?

Titel zu Aktien mit hoher Dividendenrendite, einem Mann am Laptop und einem Prozentzeichen

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Ziel dieses Artikels

Wie sinnvoll ist es eigentlich bei der Aktienauswahl auf die Höhe der Dividendenrendite zu achten? Gerade für Anleger, die einen Fokus auf Dividenden-Aktien legen, ist die Dividendenrendite eine der am häufigsten betrachteten Kennzahlen.

Ich untersuche mit dir in diesem Artikel auf Basis wissenschaftlicher Methoden, ob es sich lohnt in Aktien mit einer hohen Dividendenrendite zu investieren. Außerdem stelle ich dir noch ein paar weitere Faktoren vor, auf die du bei einer guten Dividenden-Strategie achten solltest.

1. Die Dividendenrendite zur Aktienauswahl

Die Dividendenrendite ist eine der am häufigsten betrachteten und auch oft diskutierten Kennzahlen bei der Aktienbewertung. Einige Investoren legen bei ihren Investments wert auf eine hohe Dividendenrendite, anderen ist die Dividendenrendite egal. Die Dividendenrendite einer Aktie kannst du berechnen, indem du die zuletzt gezahlte Dividende eines Unternehmens durch den aktuellen Aktienkurs dividierst.

Formel zur Berechnung der Dividendenrendite

Beachte dabei bitte, dass gerade Unternehmen aus den USA ihre Dividende in der Regel vier mal im Jahr ausschütten, einige sogar monatlich. Bei der Berechnung der Dividendenrendite musst du als gezahlte Dividende je Aktie immer die letzten zwölf Monate betrachten.

Lass dich bitte auch nicht von der Höhe der Dividendenrendite irritieren, die du auf einigen Finanzportalen angezeigt bekommst. Oft ist diese einfach eine Betrachtung zum Jahresende. In diesem Fall wird die Dividende des letzten Geschäftsjahres herangezogen und ins Verhältnis zum Aktienkurs vom letzten 31.12. gesetzt. In der Zwischenzeit kann sich der Kurs einer Aktie aber schon stark verändert haben. Wirklich aussagekräftig ist daher immer nur die Dividendenrendite, die den aktuellen Aktienkurs in ihrer Berechnung berücksichtigt.

2. Analyse der Strategie

Die Frage ist nun natürlich, ob es sich wirklich lohnt in Aktien mit einer hohen Dividendenrendite zu investieren? Dieser Frage möchte ich in diesem Artikel mit einer aussagekräftigen Analyse auf den Grund gehen. Für diese Analyse werden wir Aktien in zwei Kategorien unterteilen. Einmal Aktien mit einer Dividendenrendite von mehr als 3% und dann Aktien, deren Dividendenrendite unter 3% liegt. Aktien, die gar keine Dividende ausschütten, werden in dieser Betrachtung nicht mitberücksichtigt.

Mit dieser Definition ist also schon mal eine Grundlage für die Konstruktion einer Strategie zur Aktienauswahl geschaffen. Du könntest nämlich sagen, dass du ausschließlich nach Aktien suchst, deren Dividendenrendite über 3% liegt. Alle Aktien, die dieses Kriterium erfüllen, kommen dann für weitere Analysen (wie auch immer die bei dir aussehen mögen) in Betracht.

Die entscheidende Frage ist nun aber, ist es überhaupt sinnvoll solch einen Filter vorzugeben und ausschließlich nach Aktien mit einer Dividendenrendite von mehr als 3% zu suchen? Die Antwort darauf liefert ein Backtest. Mit einem Backtest lässt sich analysieren, wie eine Investmentstrategie in der Vergangenheit performt hätte. In diesem Kontext lässt sich sagen, dass wir das Anlageuniversum einfach in zwei Gruppen aufteilen:

Sollten wir nun feststellen, dass Gruppe 1 (also die Aktien mit einer Dividendenrendite von mehr als 3%) in der Vergangenheit eine höhere Rendite erzielt hätten als die Aktien aus der Gruppe 2 (mit einer Dividendenrendite von weniger als 3%), ist das Filterkriterium, gezielt Aktien mit einer Dividendenrendite von mehr als 3% auszuwählen, gut. Stellen wir hingegen das Gegenteil fest, dass Gruppe 2 besser performt hat, macht es überhaupt keinen Sinn gezielt nach Aktien mit einer Dividendenrendite von mehr als 3% zu suchen.

3. Das Setup der Analyse

Ziel der Analyse soll es sein, herauszufinden, ob Aktien mit einer Dividendenrendite von mehr als 3% besser performen als Aktien mit einer Dividendenrendite von weniger als 3%. Bevor die Analyse durchgeführt werden kann, muss ich dir noch ein paar Infos geben, wie das Setup dieses Backtests überhaupt aufgebaut ist.

Die Analyse soll für drei unterschiedliche Aktienmärkte durchgeführt werden. So bekommen wir besonders aussagekräftige Ergebnisse. Für jeden Aktienmarkt muss außerdem definiert werden, wie das Anlageuniversum aussieht. Dafür orientieren wir uns an der jeweils aktuellen Indexzusammensetzung ausgewählter Indizes.

Für den Backtest wird mit der zum jeweiligen Zeitpunkt gültigen Indexzusammensetzung gearbeitet. Das bedeutet, dass wenn für das Jahr 2010 analysiert werden soll, welche Aktien eine Dividendenrendite von mehr als 3% aufweisen, dann müssen hier auch die Aktien betrachtet werden, die 2010 im jeweiligen Index enthalten waren.

Die Analyse wird von Anfang 2004 bis Ende 2021 durchgeführt. Zu Beginn jeden Jahres wird geprüft, welche Aktien eine Dividendenrendite von mehr als 3% haben. Diese wandern in den Aktienkorb 1. Alle Aktien mit einer Dividendenrendite von weniger als 3% werden im Aktienkorb 2 erfasst. Beide Körbe werden ein komplettes Jahr gehalten. Zum nächsten Jahreswechsel werden die Körbe dann wieder neu zusammengesetzt. Alle Aktien werden dabei jeweils gleichgewichtet.

Du kannst dir beide Aktienkörbe also wie zwei große Depots vorstellen. In Depot 1 sind alle Aktien eines Index mit einer Dividendenrendite von mehr als 3% enthalten, in Depot 2 befinden sich alle Aktien mit einer Dividendenrendite von weniger als 3%. Und nochmal zu Erinnerung: Über den gesamten Zeitraum sollte Depot 1 eine höhere Rendite aufweisen, andernfalls macht es keinen Sinn gezielt nach Aktien mit einer hohen Dividendenrendite zu suchen.

4. Ergebnisse des Backtests

Ist für den Analysezeitraum ermittelt, welche Aktien sich jeweils in Aktienkorb 1 und Aktienkorb 2 befanden, lässt sich anschließend die Performance der beiden Körbe ermitteln. Die Ergebnisse stelle ich dir für die drei untersuchten Regionen jetzt im Detail vor.

4.1. Aktien mit einer hohen Dividendenrendite am deutschen Aktienmarkt

Für den deutschen Aktienmarkt bilden die Aktien des DAX, MDAX und SDAX das Anlageuniversum, das untersucht wird. In der Tabelle siehst du wie Aktien mit einer Dividendenrendite von weniger als 3% (linke Spalte) und einer Dividendenrendite von mehr als 3% (rechte Spalte) performt haben.

Alle Performancemaße beziehen sich auf Total-Return-Daten. Das bedeutet, dass ausgeschüttete Dividenden bei den betrachteten Aktien mitberücksichtigt wurden.

Backtestergebnis Aktien mit hoher Dividendenrendite am deutschen Aktienmarkt
Backtestergebnis Aktien mit hoher Dividendenrendite am deutschen Aktienmarkt

Aktien, die eine Dividendenrendite von weniger als 3% aufweisen, konnten in den letzten 20 Jahren im Durchschnitt eine jährliche Rendite von 10,2% verzeichnen. Aktien mit einer Dividendenrendite von mehr als 3% kamen hingegen nur auf eine jährliche Rendite von 8,0%. Und nochmal zu Erinnerung: Die ausgeschütteten Dividenden sind in dieser Performance bereits mitberücksichtigt. Die reine Kursveränderung der Aktien mit einer hohen Dividendenrendite war also noch deutlich niedriger.

Bei den Risikomaßen sind beide Gruppen etwa gleich auf. Aktien mit einer hohen Dividendenrendite haben tendenziell allerdings größere Drawdowns verzeichnet. 

Diese Auswertung zeigt dir, dass es sich zumindest mal am deutschen Aktienmarkt nicht gelohnt hätte gezielt in Aktien mit einer hohen Dividendenrendite zu investieren. Mit solch einem Investmentansatz hättest du keine zufriedenstellende Rendite erzielen können.

4.2. Aktien mit einer hohen Dividendenrendite am europäischen Aktienmarkt

Da eine Auswertung allein auf Basis der Ergebnisse des deutschen Aktienmarktes nicht aussagekräftig genug ist, betrachten wir als nächstes den europäischen Aktienmarkt. Hierfür wurden die 600 Aktien des Stoxx600 analysiert.

Backtestergebnis Aktien mit hoher Dividendenrendite am europäischen Aktienmarkt
Backtestergebnis Aktien mit hoher Dividendenrendite am europäischen Aktienmarkt

Auch am europäischen Aktienmarkt ist ein ähnliches Bild zu erkennen. Die Rendite von Aktien mit einer Dividendenrendite von mehr als 3% liegt bei 8,0%, während Aktien mit einer geringeren Dividendenrendite eine jährliche Rendite von 9,6% erzielt haben. Gleichzeitig fallen die Risikomaße (Volatilität und maximaler Drawdown) bei Aktien mit einer hohen Dividendenrendite höher aus. Damit lässt sich auch für den europäischen Aktienmarkt zu dem Ergebnis kommen, dass es nicht empfehlenswert ist, gezielt in Aktien zu investieren, die ausschließlich eine hohe Dividendenrendite aufweisen.

4.3. Aktien mit hoher Dividendenrendite am US-amerikanischen Aktienmarkt

Abschließend betrachten wir noch die Ergebnisse für eine Aktienauswahl auf Basis der Höhe der Dividendenrendite für den US-amerikanischen Aktienmarkt. Hierfür wurden die Aktien des S&P 500 analysiert.

Backtestergebnis Aktien mit hoher Dividendenrendite am US-amerikanischen Aktienmarkt
Backtestergebnis Aktien mit hoher Dividendenrendite am US-amerikanischen Aktienmarkt

Am US-amerikanischen Aktienmarkt ist keine Renditedifferenz zwischen Aktien mit einer hohen Dividendenrendite (mehr als 3%) und Aktien mit einer geringen Dividendenrendite zu erkennen. Sowohl die Volatilität als auch der maximale Drawdown fällt bei Aktien mit einer hohen Dividendenrendite allerdings größer aus. Wenn bei gleichbleibender Rendite die Risikomaße ansteigen, ist von einer Verschlechterung der Performance die Rede. Daher lässt sich auch für die Aktien des S&P 500 sagen, dass es nicht vorteilhaft ist eine Aktienauswahl allein auf Basis der Höhe der Dividendenrendite zu treffen.

5. Wie du erfolgreich in Dividendenaktien investieren kannst

Du hast nun gesehen, dass die Höhe der Dividendenrendite nicht die entscheidende Kennzahl ist, nach der du dich richten solltest, wenn du in Dividendenaktien investieren möchtest. Dennoch hat die Kennzahl Dividendenrendite aber ihre Daseinsberechtigung – nur eben nicht als alleinige Kennzahl zur Aktienauswahl. Für eine erfolgreiche Dividendenstrategie ist es wichtig viele verschiedene Kennzahlen zu betrachten. Eine hohe Dividendenrendite allein macht aus einer Aktie nämlich noch keine gute Dividendenaktie.

Hierzu ein kleines Beispiel: Stell dir vor eine Aktie weist eine Dividendenrendite von 6% auf. Damit das Unternehmen diese hohe Dividende zahlen konnte, hat es im letzten Geschäftsjahr aber mehr ausgeschüttet als es an Gewinn erwirtschaftet hat. Das bedeutet, das Unternehmen ist an seine Cashreserven gegangen, nur um die Aktionäre mit einer hohen Dividende zu beglücken.

Und da sind wir auch schon bei einer äußerst wichtigen Kennzahl, die du immer betrachten solltest, wenn du die Dividendenrendite heranziehst: die Ausschüttungsquote. Die Ausschüttungsquote gibt das Verhältnis aus der gezahlten Dividende und dem Gewinn eines Unternehmens an. Sie sollte weder zu hoch, noch zu niedrig sein. Als Richtwert kannst du dir merken, dass eine Ausschüttungsquote zwischen 25% und 75% gut ist.

Außerdem solltest du nicht nur die aktuelle Höhe der Dividendenrendite betrachten, sondern auch berücksichtigen, wie sich die Dividende historisch entwickelt hat. Eine stetiges Dividendenwachstum und kontinuierliche Dividendenanhebungen über die letzten Jahre und Jahrzehnte sind viel wichtiger als eine besonders hohe Dividendenrendite.

Möchtest du gerne in Dividendenaktien investieren, dann wirf mal einen Blick in meinen Artikel zum Thema Dividendenaktien bewerten. Hier stelle ich dir den Dividenden-Check vor. Beim Dividenden-Check handelt es sich um ein Bewertungsmodell mit dem du auf Basis verschiedener Kennzahlen und darauf aufbauend der Vergabe von Punkten herausfindest, ob eine Aktie eine gute Dividendenaktie ist oder nicht.

6. Fazit: Die Dividendenrendite allein reicht für Dividendeninvestoren nicht aus

Wie eingangs bereits erwähnt scheiden sich bei der Dividendenrendite die Geister. Es gibt Investoren, denen eine hohe Dividendenrendite wichtig ist, andere Anleger schauen überhaupt nicht auf die Höhe der Dividendenrendite.

In diesem Artikel haben wir gemeinsam untersucht, was es bringt in Aktien mit einer hohen Dividendenrendite zu investieren. Dafür wurde das Anlageuniversum in zwei Gruppen unterteilt: Aktien mit einer Dividendenrendite von mehr als 3% und Aktien mit einer Dividendenrendite von weniger als 3%. Die Analysen haben ergeben, dass Aktien mit einer geringen Dividendenrendite langfristig eine höhere Rendite erzielt haben als Aktien mit einer hohen Dividendenrendite. Das zeigt dir, dass die Dividendenrendite allein als Kennzahl zur Aktienauswahl ungeeignet ist.

Möchtest du erfolgreich in Dividendenaktien investieren, musst du noch weitere Kennzahlen wie die Ausschüttungsquote oder das Dividendenwachstum berücksichtigen. Mithilfe meines Dividenden-Checks findest du schnell heraus, ob eine Aktie eine gute Dividendenaktie ist.